Nein, die USA hat NICHT den IS-Konvoi angegriffen

In den Medien geht zurzeit scheinbar das Gerücht umher, dass der Daesh-Konvoi  nahe Fallujah von über 100 Fahrzeugen von (oder mithilfe) der amerikanischen Luftwaffe vernichtet wurde. Der Ursprung für diese Information scheint unbekannt, einige Medien sprechen von Fox News als ihre Quelle und Reuters beruft sich wiederum auf „Regierungskreise“.

Im Gegensatz dazu gibt es wiederum widersprüchliche Berichte die sogar behaupten, dass die USA einen solchen Einsatz auf die Anfrage des irakischen Verteidigungsministeriums abgelehnt haben, die Gründe sind unbekannt. Dementsprechend musste die irakische Armee verbündet mit den irakischen Milizen der PMU unabhängig und schnell agieren.

Der Konvoi der sich laut der PMU in Richtung Syrien begab wurde letztendlich vollends von der irakischen Luftwaffe vor allem mithilfe von Helikoptern (z.B. Mi-35M, Mi-28NE, EC635) vernichtet werden, wobei die Verluste zwischen 40 und 170 „Transportern“ und ~250 und 750 toten Kämpfern des Daesh schwanken. Beachtenswert ist im Video auch der Einsatz von Raketen, welches bei der amerikanischen Luftwaffe bei derartigen Einsätzen nie vorkommt.

In Kurzfassung: Fernab des Statements der USA bzw. der „Regierungskreise“ gibt es keinerlei Beweise für eine amerikanische Involvierung in dem Einsatz, die wirklichen aktiven Fraktionen (z.B. irakische MoD, PMU) verneinen den Einsatz der amerikanischen Luftwaffe und ebenfalls von dem Videomaterial gibt es keinerlei Beweise her. Es ist natürlich korrekt dass die USA die irakischen Soldaten/Piloten ausbildet und in einem begrenzten Sinne Logistik und Material bereitstellt, aber das entspricht in keinster Weise der Behauptung der Medien.

Advertisements

Die Abu Kamal-Offensive der FSA

Oppositionelle Fallschirmjäger, amerikanische Helikopter, irakische Milizen, jordanische, amerikanische und britische Eliteeinheiten – mit diesen wenigen Worten lässt sich diese Offensive und zugleich ihren Irrsinn zusammenfassen. Von einer einmaligen und unerwarteten Offensive.

Am Dienstag dem 28. Juni starteten verschiedene Bündnisse der FSA simultan an der irakischen Grenze einen Angriff auf die 60.000 Einwohner große Stadt Abu Kamal am Euphrat. Ausgehend von dem Al-Tanaf-Grenzposten im Südosten der syrischen Grenze zum Irak musste man sich durch ~250km der Syrischen Wüste kämpfen, um die Grenzstadt am Euphrat zu erreichen.

2.JPG

Ausgangssituation zu Beginn der Offensive

An dieser Operation haben die folgenden Fraktionen teilgenommen: Neue Syrische Armee (NSyA), Ahmed Abdo Force, Easter Lions Army, Hawks Islam Battalion, 2nd Shaitat Regiment und die „First Company“. Ebenfalls waren auf der Seite der irakischen Grenze verschiedene sunnitische Al-Anbar-Stämme, die „Ghosts of the Deserts“ als irakische Miliz aus al-Qaim und sunnitische Einheiten der  Popular Mobilization Forces (PMU) südlich von al-Qaim aktiv, um den Vorstoß zu unterstützen und Aufklärung für amerikanische Luftschläge zu bieten. Die Luftschläge der „Anti-IS-Koalition“ begannen bereits Tage davor, so wurde z.B. das Aisha-Krankenhaus in Abu Kamal angegriffen und zerstört, da es sich angeblich um das dortige Hauptquartier vom IS gehandelt haben sollte. Unabhängig davon gab es ebenfalls Berichte der eigenen Soldaten von der Teilnahme amerikanischer SOF und jordanischen Eliteeinheiten. Zumindest lässt die geringe Mannstärke darauf schließen, dass ohne fremde Unterstützung eine solche Offensive nicht mal gestartet worden wäre und vom Pentagon bei ähnlichen Einsatz eine Involvierung bestätigt wurde. Auch gibt es Aussagen aufgrund der Erfahrung vom Einsatz der britischen SAS, die aber in keinster Weise bewiesen sind und ich persönlich als unwahrscheinlich bezeichnen würde.

 

B2kJrbk3bp2H2HstVk2KvUOTpNLh0LG3n4sSqyFwxQU.jpg

NSyA beim Fallschirmtraining

Das Einzigartige an der Operation war der Umstand, dass mithilfe von (wahrscheinlich drei amerikanischen o. jordanischen) Helikoptern einige Soldaten der Neuen Syrischen Armee etwa 4km westlich des Ortes abgeworfen wurden, um hinter den Reihen des Feindes zu agieren. Die jeweiligen Soldaten wurden von Jordanien & der USA Wochen davor für einen derartigen Einsatz ausgebildet und konnten bereits Erfahrung bei einem Angriff auf das dortige Ölfeld sammeln, wurden aber recht schnell wieder zurückgeschlagen. Im gleichen Zeitpunkt zur Landung wurden auch Schläferzellen innerhalb des Ortes aktiviert, die z.B. erfolgreich Jamal Turki Issawi (Abu Abd al-Azziz) mit einer Autobombe umbringen konnten, dem „Vertreter des Euphrates“ bei Daesh. Als Gegenreaktion köpfte Daesh 5 vermeintliche Spione der NSyA in Abu Kamal.

Im gemeinsamen Vorstoß  der primären Einheiten konnten sie weite Teile des Umlandes der Stadt erobern, z.B. mithilfe der Fallschirmjäger den Al-Hamdan-Flughafen und das Dorf al-Sukariyah. Ebenfalls konnten angeblich diverse Viertel der Stadt selber erobert werden, so wurde das Industrieviertel von Ahmed Abdo erobert, das Krankenhaus und den Grenzposten zum Irak zwischen al-Qaim und Husabayah.

CmHMLYMVEAAv2wY.jpg

AMAQ zu den Verlusten

Trotz der Erfolge die sich zu Beginn abzeichneten konnte Daesh sein „Kernland“ erfolgreich verteidigen und den Gegner zurückwerfen. Laut Angaben der IS-Nachrichtenagentur AMAQ kam es  zu 15 Gefangenen, ~40 Toten und sehr viel sichergestellter Ausrüstung. Ebenfalls kam es innerhalb des Ortes zu „Razzien“ die jeden vermutlichen Sympathisanten für die FSA festnahm und entführte. Zur Schadensbegrenzung reichte man die Pressemitteilung ein, dass es sich insgesamt lediglich um einen „Überfall“ gehandelt habe, um Daesh möglichst unter Druck zu setzen.

 

CmHzKkfWMAA9D1l.jpg

Beispiel für erbeutetes Gerät

Fernab einer solchen Aussage die dem gesamten Aufbau, der Zielsetzung und den Verlusten zuwider war kann man diese Offensive als in jeglicher Hinsicht als gescheitert betrachten, es konnten keine Eroberungen erzielt werden und durch die personellen und materiellen Verluste konnte man Daesh sogar unterstützen. Die Frage von dem Sinn einer solchen Operation stand aber bereits vor Beginn in Frage, mit einer mäßig erfahrenen und kleinen Truppe in das Kernland Daeshs einzurücken war ein reines Suizidkommando. Im Zusammenhang mit der vollkommen gescheiterten Taqba-Offensive der SAA unterschätzt man wohl weiterhin vorhandenen Fähigkeiten Daeshs? Sie ist so schnell gescheitert wie sie begonnen hat.

CmDFIooUsAM2Ybe (1).jpg

Pressemitteilung der NSyA zur gesamten Operation

Besuch Assads an der Ost-Ghouta-Front

Am 26. Juli besuchte der syrische Präsident Baschar al-Assad den Luftstützpunkt Marj al-Sultan östlich von Damaskus nahe der von der Opposition gehaltenen Exklave in Ost-Ghouta. Bei derartigen. alljährlichen Überraschungsbesuchen von Assad ging es diesmal um das gemeinsame „Iftar“ mit den Soldaten an der Front,  einem Abendmahl nach dem Fastenbrechen. Der Stützpunkt der vor allem primär für Helikopter benutzt wird ist nur wenige Meter von der Front entfernt.

Cl55qP1WQAAde2s.jpg

Entfernung zur Front

Cl56MEiWEAAvD1i.jpg

Geolocating auf der Luftbasis

Cl6D1eHWQAAfzXl.jpg

Gemeinsames Iftar

Jund al-Aqsa, IS-Verbündeter unter den Rebellen

hw8bnZ4 (1).jpg

Zerstörung eines schiitischen Schreines nahe Hama

Jund al-Aqsa ist wohl das letzte Überbleibsel der Zusammenarbeit zwischen IS (damals ISIL) und der restlichen Opposition in ihrer Gesamtheit nach 2013, die sich zwischen den machtpolitischen Positionen von ISIL und al-Nusra oft trennt.  Was kann man zu dieser kleinen, aber dennoch einzigartigen Gruppierung erzählen?

Bekannt wurde sie erstmals bei der Unterstützung der Niederschlagung der Syrian Revolutionary Front (SRF) in der Provinz Idlib durch al-Nusra 2014, einem ehemaligen Bündnis verschiedener Gruppierungen. Jund al-Aqsa ( übersetzt Soldaten von al-Aqsa, der drittheiligsten Moschee in Jerusalem) stellte seinerzeit eine kleine Gruppierung dar, die aus ausländischen und syrischen Kämpfern bestand und seit dem Konflikt als kleines Battalion zwischen al-Nusra und ISIL entstand im frühen Januar 2014. Zu dem Zeitpunkt zeigten sie ebenfalls keinerlei Interesse an den inneren Kämpfen der Opposition, zwischen Islamisten und säkularen Kämpfern der FSA und konzentrierten sich auf die Regierung. Bis sie den unerwarteten Schritt in der Unterstützung der al-Nusra’s gegen die SRF unternahm und seitdem deutliche Tendenzen zu al-Nusra zeigt.

Ehemals bekannt als Sarayat a-Quds wurde sie vom syrischen Abu Abdul ‚Aziz al-Qatari gegründet, einem engen Freund von Sheikh Abdul ‚Azzam, der wiederum ein enger Verbündeter von Osama bin Laden und Ayman al Zawahiri (Gründer von al-Qaida) war und für seine Karriere im afghanischen Jihad der 80er bekannt wurde. Ideologisch stützt er sich auf Personen wie Hamid bin Hammad al-‘Ali al-Kuwaiti, Sheikh Maqdisi und Sheikh Suleiman Ulwan.

Sie startete als kleines Battalion innerhalb der Nusra-Front, doch trennte man sich ebenfalls recht schnell wieder aufgrund von Finanzproblemen und Überdehnung. Außerdem unterstützte sie nicht den Kampf gegen andere Oppositionsparteien und sah dies als „schweren Fehler“ an.

Screen-Shot-2015-05-02-at-10.39.31-AM.png

Öffentliches Bekenntnis zum Tode von al-Qatari

Die Zeit als unabhängige Partei war äußerst erträglich, man erhielt viele Geldgeber von der arabischen Halbinsel die vor allem an Gruppen interessiert waren, die sich nicht innerhalb der Opposition bekämpften. Sie konnte sogar zwischen den verschiedenen Oppositionsparteien verhandeln, z.B. ist dies zwischen al-Nusra und ISIS geschehen. Wahrscheinlich wären derartige Schritte auch erfolgreich gewesen, wäre al-Qatari nicht von der Syrian Martyr Brigade umgebracht worden.

Über den Zeitraum danach ist recht wenig bekannt, durch Desertationen von anderen Gruppen über die gesamte ideologische Bandbreite (von FSA, zu Ahrar al-Sham bis ISIS) konnte sie sich zu einer der bedeutendsten, dschihadistischen Fraktionen im Norden Syriens aufbauen. Dabei wuchs ihr Anteil von syrischen Mitgliedern stetig und der von ausländischen Kämpfern  (z.B. Indien, Belgier, Niederländer, Australien usw.) sank. Sie waren in den Offensiven um Idlib und Hama aktiv, Jisr al-Shughour war eine bedeutende Eroberung Jund al-Aqsas.

CA138ciUMAAxOjU.jpg

Symbol von Jaysh al-Fateh (Armee der Eroberung)

Anfang März 2015 traten sie als Gründungsmitglied in die islamistische Koalition „Jaysh al Fateh“ ein, einem Bündnis mit Sitz in der Stadt Idlib, primär bestehend aus Verbündeten von al-Nusra ( genauer al-Nusra, iwa al Haqq, Jaysh al Sunna, Ajnad al Sham, and Faylaq al Sham und Ahrar al-Sham). Dieses Bündnis ist auch heute noch eines der Stärksten und Wichtigsten im Konflikt, vor allem für den Norden Syriens.

Screen-Shot-2015-04-26-at-6.34.30-PM-1024x743.png

Öffentliche Verkündigung vom Tode al-Harbi

Am 26. April 2015 bekannte sich Jund al-Aqsa zum Tode ihres neuen Anführers, Adel Radi Saker al Wahabi al Harbi. Al-Harbi war ein gesuchtes al-Qaida-Mitglied und ehemalig ein hohes Mitglied im Al-Qaida-Netzwerk des Irans. Zur gleichen Zeit veröffentlichten sie eine Lobrede auf Ibrahim Rubaish, Nasir al Wuhayshi und Ayman al Zawahiri, alles Anführer der „al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (AQAP)“. Dies und die Verbindung lässt also enge Beziehungen zu al-Qaida/al-Nusra herstellen, zumindest auf Führungsebene.

Direkt einen Monat später starb ihr nächster militärischer Anführer, Said Arif. Er ist ebenfalls gesuchtes Mitglied von al-Qaida und Teil der „Khorasan-Gruppe“, Veteranen innerhalb von al-Qaida. Danach ist die Führerschaft bis heute unbekannt, es wird sich wahrscheinlich um ein weiteres Mitglied von al-Qaida handeln, währenddessen auf unteren Ebenen eine gewisse Sympathie für IS gehegt wird.

Im späten 2015, etwa im September/Oktober kam es jedoch zum Bruch zwischen Jund al-Aqsa und vor allem Ahrar al-Sham, da sie die beiden Gruppen nicht um einen gemeinsamen Umgang mit IS einigen konnten. Während Ahrar al-Sham zu einem Kampf gegen IS aufruf, weigerte sich Jund al-Aqsa gegen einen derartigen Einsatz. Dieser Konflikt endete im offenen Kampf zwischen Jund al-Aqsa und Ahrar al-Sham, die Stadt al-Tamanah war ein Austragungsort und parallel  wurde durch eine Autobombe im Januar 2016 der damalige Anführer (Name unbekannt) von Jund al-Aqsa in seinem Haus bei Idlib ermordet, der Täter war vermutlich Ahrar al-Sham. Ebenfalls kam es (wieder) zum Konflikt im März 2016, nachdem Jund al-Aqsa den IS-Kommandaten Hassan Abboud in seinem Heimatort beerdigen wollte, Sarmin nahe Idlib.

Als Reaktion trat Jund al-Aqsa  am 23. Oktober aus Jaysh al-Fateh aus, ihre fehlende Unterstützung für einen Kampf gegen IS unterstützen sie mit der Begründung, dass sie sie nicht als „Khawaarij“ ansehen und damit auch keinen Grund sehen, mit ihnen zu kämpfen. Ihre Schlussfolgerung daraus waren die zwei Aspekte:

  1. „Du besitzt keine Ahnung von der islamischen Theologie und/oder fehlendes Wissen über die Positionen von IS/ASAQ.“
  2. „Du bist selber von den „Khawaarij“

Weitere Gründe für den Austritt waren neben dem Kampf um die Haltung zu IS die Zusammenarbeit mit De Mistura und die Errichtung, fehlende „Kriegserklärung“ an die USA und Zusammenarbeit mit „demokratischen Parteien“.

CbbcRGdWcAA4dvC.jpg

Statement zum Austritt von al-Qaida-Mitgliedern

Als Reaktion darauf wiederum traten viele hohe Mitglieder (al-Qaida) der Gruppe aus, um sich al-Nusra anzuschließen. Dies konnte den „Bodensatz der Gruppe“ fördern, welcher schon immer Sympathien für IS hegte.

Cb0S57xWAAARinS.jpg

Gemeinsame Offensive im Süden Aleppos

Diese Sympathien nahmen in einer gemeinsamen Offensive gegen die Versorgungsstraße von Itriyah nach Aleppo ihren höchsten Ausdruck im März 2016. die dennoch von keinem langen Sieg gekrönt waren.

Danach wurde es wieder recht ruhig um die Gruppe.

Islamische Turkestan-Partei – Kindersoldaten und Uiguren

Die Islamische Turkestan-Partei (englisch Turkestan Islamic Party, TIP) ist eine islamistische, der al-Qaida zugehörige Gruppierung, deren Ursprung sich in China (Xianjiang) befindet und inzwischen in Syrien operiert. Nur: Was genau betreibt die TIP in Syrien?

IMG_20141112_073442.jpg

erste Aufnahmen der TIP in Syrien (2014)

Derartige Tätigkeiten der TIP sind keine neue Geschichte, bereits in ihren ursprünglichen Basen z.B. in den Regionen der Waziristan-Provinz (Pakistan) oder der Nangarhar-Provinz in Afghanistan waren sie neben Selbstmordanschlägen z.B. im Oktober 2013 dafür bekannt, Kindersoldaten auszubilden. Dementsprechend wurden sie auch auf die UN-Liste für terroristische Organisationen gesetzt und international bekämpft, unter anderem auch die USA mithilfe von Luftschlägen und Drohneneinsätzen.

1770725_orig.jpg

In Syrien ist sie bzw. ihr syrischer Ableger Katibat Turkistani seit etwa 2014 aktiv, die genaue Anzahl an Soldaten schien zu dem Zeitpunkt unscheinbar genauso wie die Führungsriege, Abu Rida al Turkestani wurde zumindest bis zu einem bestimmten Punkt als der Anführer bezeichnet. Ebenfalls erwähnenswert ist in dem Kontext, dass sie dem Taliban-Anführer Mullah Muhammad Omar die Treue schworen und damit die zweite Gruppierung in Syrien sind, neben der Uzbek Imam Bukhari Jamaat.  Da sie ein Verbündeter von Al-Qaida ist, war und ist sie logischerweise ein Verbündeter des syrischen Al-Qaida-Ablegers al-Nusra & deren Freunde.

314323759.jpg

Explosion einer VBIED

Die Aktionen in Syrien beschränken sich auf die Region in und um Jisr al-Shoughur, einer großen Stadt nahe der türkischen Grenze innerhalb der Idlib-Provinz und Latakia. Dort konnte sie sich mithilfe von al-Nusra in einer Offensive der Opposition im Frühling und Sommer 2015 etablieren. Inwiefern die TIP in Dieser aktiv war ist nicht bekannt, dennoch wurden 2 VBIEDs („bemannte Autobomben“) bei der Offensive von Seiten der TIP benutzt, um Stellung der Regierung anzugreifen. Ein Angreifer soll Abu Hurayra al Amriiki gewesen sein, welches übersetzt „der Amerikaner“ heißt und ebenfalls amerikanischer Staatsbürger gewesen sein soll.  Über den zweiten Attentäter ist hingegen wenig bekannt, sein Name war Dadullah und er war uigurischer Abstammung.

B6guF0rCcAAIwEB.png

CJEyGvOWsAAJ2F3.jpg

Die TIP ist dafür bekannt, mehrere Trainingslager in Syrien zu betreiben, zumindest Eines für Kinder. Dieses Trainingslager soll sich nahe Al-Haqbah bei Jisr al-Shughour befinden und vor allem Kinder uigurischer Abstammung „ausbilden“ bzw. ideologisch indoktrinieren. In welchem Umfang das auch mit syrischen Kindern geschieht, ist unbekannt. Dabei lernen sie neben den Umgang mit einfachen Handfeuerwaffen bis hin zu AK-47 ebenfalls die Lehre des Korans bzw. die Scharia.

Ebenfalls ungewöhnlich ist es, dass nach der Massenflucht zur Türkei einige Jahre zuvor die TIP den Großteil der restlichen Bewohner von Jisr al-Shughour in andere Gebiete „deportiert“ hat, um den eigenen Kämpfern (und weiteren ausländischen Gruppierungen, z.B. Usbeken und Tescheschenen) eine Behausung zu bieten, den Zuzug von ihren Familien inklusive. Selbst oppositionelle Quellen  bestätigen diese Berichte.

Kurzum ist die Islamische Turkestan-Partei der Prototyp und zugleich das Extrem der oppositionellen Gruppierungen in Syrien, die Abhängigkeit von ausländischen Material und Personal wird einerseits durch den ethnischen Ursprung des Konfliktes erzählt und andererseits ist die Nutzung von Kindern ebenfalls Ausdruck einer Erschöpfung der Parteien. Ideologisch hingegen unterscheidet sie sich kaum von den Anderen, der Umgang mit ehemaligen christlichen Bewohnern in Jisr ist eher Normalität als Seltenheit, aber ein gleicher derartiger Umgang mit den sunnitischen Einwohnern ist äußerst ungewöhnlich. 

Die kommunistischen und sozialistischen Parteien in Syrien (Part 1/2)

Die kommunistischen Parteien in Syrien unterscheiden sich nicht nur ideologisch und machtpolitisch untereinander, seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges nehmen sie auch auf allen vorhandenen Seiten verschiedene Positionen ein. Ebenfalls spielen kommunistische Parteien der Nachbarstaaten eine durchaus relevante Rolle. 

Regierungstreue Kommunistische Parteien:

 

   Syrian_Communist_Party_logo.gif

Syrische Kommunistische Partei (Bakdash)

Bakdasch (benannt nach dem ersten Anführer Khalid Bakdash) entstand 1986 nach einem inneren Disput innerhalb der Syrischen Kommunistischen Partei (siehe nächste Fraktion) über die Bewertung der Perestroika bzw. allgemeine Bewertung von Gorbatschow’s Politik. Sie lehnte die Reformen ab, als kann man sie ideologisch als „orthodoxen Marxismus-Leninismus“ einordnen, wo vor allem Bakdash Stalin als positive Person dargestellt hat. Sie stellt 8 Sitze im Volksrat. Ansonsten ist es ruhig um die Partei. Bakdasch folgte die größtenteils kurdische Basis der Partei, nachdem sie sich aufgespalten hatte.

The Western world drummed and whistled praising Gorbachev who, attempting to hide his treason, had misled the Soviet peoples under the guise of gradual reformation of socialism through democratization.

 

syriancommunistparty.JPG

Syrische Kommunistische Partei (Vereint)

Die Syrische Kommunistische Partei (auch bekannt als Faysal) war der Flügel der ehemaligen KP, der die Perestroika befürwortete und sich um Yusuf Faysal sammelte, den Gründer und Vorsitzenden der Partei. In ihrer Trennung konnte sie die meisten Intellektuellen der Partei vereinen. Sie besitzt 3 Sitze im Volksrat.

 

Socialist Unionists

Über diese Partei ist sehr wenig bekannt, ideologisch folgen sie dem ägyptischen Nasserismus und entstand aus einer Spaltung der Ba’ath-Partei 1961 heraus. Heute stellen sie 18 Sitze im Volksrat.

 

National Vow Movement

Das National Vow Movement spaltete sich aus dem Arab Socialist Movement um die ~1963 ab, nachdem sie nach ihren Beitritt in die Ba’ath-Partei in viele kleinere Parteien zersplitterte. Sie stellt 3 Sitze im Volksrat.

 

 

Ausländische Unterstützer:

BadgeArabdemo.png

Arabische Demokratische Partei (Libanon)

Diese Partei hat eine lange Tradition von syrischer Unterstützung, so wurde sie bereits logistisch im libanesischen Bürgerkrieg mit ihrer eigenen Miliz, den Arab Red Knights (ARK), unterstützt. Sie haben seit Jahrzehnten die Kommunistische Partei im Libanon als ihren Verbündeten, wird im Libanon meist aber als einfache „alawitische“ Partei angesehen.

 

Flag_of_the_Popular_Nasserist_Organization.svg.png

Popular Nasserist Movement (Libanon)

Wie der Name bereits erzählt, handelt es sich um eine libanesische Partei, die ideologisch dem Nasserismus folgt. Ihre Unterstützung beschränkt sich nur diplomatisch auf die syrische Regierung, so sprach ihr Vorsitzender Mustapha Saad in einer Rede, dass die Stabilität Syriens unabdingbar für die Stabilität des Libanons ist.

 

PFLP_svg.png

Volksfront zur Befreiung Palästinas

Die Gruppe als einer der größten militanten Gruppierungen in Palästina schickte selber bewaffnete Organisationen (Abu-Ali-Mustafa-Brigaden) nach Syrien, um die Regierung zu unterstützen. Ideologisch ist sie dem Marxismus-Leninismus zuzuordnen. Durch die Unterstützung in Syrien erhielt die Organisation mehrere Hilfslieferungen vom Iran.

 

Revolutionary Palestinian Communist Party

Eine kleine kommunistische Partei, die sich aus der pro-sowjetischen Kommunistischen Partei Palästinas spaltete, nachdem diese Israel anerkannt hatte und sich danach in eine sozialdemokratische Partei gewandelt hatte. Es ist unbekannt wie der Einfluss Syriens sich auf diese Partei bewegt. Ideologisch ist sie dem palästinischen Nationalismus und Marxismus-Leninismus zuzuordnen.

 

Unterstützung der Opposition:

 

People’s Will Party

Als Teil der Volksfront für Wandel und Freiheit ist sie ein Mitglied der legalen Opposition im syrischen Volksrat. Sie spaltete sich wiederum aus der Bakdash-Partei ab, da ihren Mitgliedern der „revisionistische Trotzkismus“ unterstellt wurde. Sie wurde 2012 gegründet (12 Jahre nachdem sie ausgeschlossen wurden) und stellt 2 Sitze im Volksrat.

#.JPG

Democratic Arab Socialist Union

Es handelt es sich um eine illegale, oppositionelle Dachorganisation, die 7 sozialistische Parteien (und 3 Weitere) in sich vereint. Sie kam oft in den Konflikt mit der wesentlich radikaleren Syrian Democratic People’s Party. Als Teil des Nationalen Koordinationskomittee für Demokratischen Wandel (NKDW) wird ihre moderate Haltung von der restlichen Opposition zumeist abgelehnt.

 

  1. Demokratisch-Arabische Sozialistische Union (Ideologie: Nasserismus, demokratischer Sozialismus)
  2. Syrische Demokratische Volkspartei (Ideologie: Sozialdemokratie, ehemals Marxismus-Leninismus), ist Teil der Damaszener Deklaration
  3. Arabische Revolutionäre Arbeiterpartei (Ideologie: teils Marxismus, teil Ba’athismus, teils arabischer Sozialismus), ebenfalls Mitglied der Damaszener Deklaration, aber nicht der NKDW
  4. Arabische Sozialistische Bewegung (Ideologie: Arabischer Nationalismus/Sozialismus)
  5. Arabisch-Demokratische Sozialistische Ba’ath-Partei (Ideologie: orthodoxer Ba’athismus (Ablehnung des Neo-Ba’athismus unter Assad), Demokratischer Sozialismus)
  6. Kommunistische Aktionspartei (Ideologie: Marxismus-Leninismus)
  7. Marxistische Linksversammlung (Ideologie: Marxismus

 

Red_star.svg.png

Syrian Democratic People’s Party

Sie spaltete sich bereits 1973 von der vereinten Kommunistischen Partei ab, um unter ihrem Vorsitzenden Riyad al-Turk langsam sich zu einer sozialdemokratischen Partei zu bewegen.

 

Ahewar_Logo.jpg

Kommunistische Aktionspartei

Sie ging aus der „League of Communist Actions“ hervor, der ersten marxistisch-leninistischen Oppositionspartei in den 70er-Jahren. Sie wird von intellektuellen Alawiten dominiert, die zumeist verfolgt wurden. Dies führte zur schnellen faktischen Auslösung, bis sie 2003 wiedergegründet wurde. Eines ihrer Mitglieder (Tuhama Mahmoud Ma’rout) ist berühmt für ihren Protest im Adra-Gefängnis, wo sie nach der Massenamnesie 2011 ebenfalls entlassen wurde.

 

 

Wer ist die Neue Syrische Armee?

Derzeit entsteht durch die angebliche Bombardierung einer von der USA unterstützten Gruppierung durch die russische Luftwaffe ein Potential, welches für einen derart dilettantischen Akt der immer wieder in Syrien geschieht recht ungewöhnlich ist.

b8RIKiRN

Logo der NSyA

Die Neue Syrische Armee/New Syrian Army (NSyA) ist eine kleine Gruppe, deren Personalstärke je nach Schätzungen zwischen 150 und 800 schwankt und im Süden Syriens, nahe dem Al-Tanaf-Grenzposten zum irakischen Rutbah, östlich des drusischen Suweida und der Syrischen Wüste, aktiv ist. Auch wenn sie angeblich seit einigen Tagen den Kampf im Nordaleppo (Marea und Azaz) gegen Daesh unterstützen sollen.

Ihre Anhänger stammen fast gänzlich aus der Provinz Deir ez-Zor im Osten des Landes, die fast gänzlich von Daesh beherrscht wird, womit auch ihr Ziel zusammengefasst ist: Die Bekämpfung von Daesh. Ihr Anführer Mohammed Talla betonte in einer Rede vor 7 Monaten selber, dass ihr primäres Ziel Daesh und nicht die Regierung ist und dies auch so lange der Fall sein wird, bis Daesh ausgelöscht ist.

Über ihre Geschichte ist recht wenig bekannt, vermehrt gab es Informationen durch Videos und eigene Statements erst ab Ende 2015, die Zeit wo ihr amerikanisch-jordanisches Trainingsprogramm abgeschlossen war. Bei diesem erhielten sie neben einer von der CIA und jordanischen Spezialeinheiten initiierte Ausbildung neuestes NATO-Gerät, z.B. Soltam K6-, M252-Mörsern, oder 9Sh119.

Davor war sie in der Asala wa-al-Tanmiya/Authencity and Development Front aktiv, einem Bündnis im Süden des Landes, dass vor allem von Saudi-Arabien finanziert und unterstützt wird. Es ist recht schwer sie ideologisch einzuordnen, sie sind eine ideologisch recht „ruhige“ Gruppe, die salafistische Elemente besitzt aber zugleich eine offene anti-jihadistische Position einnimmt. Dennoch lässt sich betonen, dass es bei dem Trainingsprogramm (welches im übrigen nur offiziell 200 vollkommen absolviert haben) nicht um eine säkulare Betonung geht. 2014 wurde sie durch Daesh vernichtet bzw. aufgelöst.

Sie konnte nach ihrer Bildung durchaus beachtliche Erfolge im Süden erreichen, obwohl weite Teil lediglich Wüstengebiete sind (und die gesamte Provinz nur etwa 500 Einwohner zählt), hatte sie den strategisch wichtigen Al-Tanaf-Grenzposten zum Irak erobern können, der dann Nachschubwege lediglich südlich von Palmyra ermöglicht hatte. Außerdem konnte sie z.B. das Öl-Feld bei Abu Kemal erobern und erfolgreich verteidigen.

Am 7. Mai hingegen kam es zu einer Explosion einer VBIED von Daesh nahe ihrer Positionen, welche laut Mohammed Tallaa enorme Verluste verursachen konnte. Nähere Zahlen wollte er aber nicht veröffentlichen, um nicht „noch weiter die Moral der Truppe zu schädigen“, wie er in einem Interview im türkischen Reyhanli erzählte.

479

Mohammed Tallaa

Nun kam es am 16/17. Juni zu mehreren (laut eigenen Angaben: 10) Luftschlägen auf ihr Hauptquartiere in Mahruta, südwestlich von Al-Tanaf. Es gibt verschiedene Aussagen über die verursachten Schäden, offiziell spricht von 2 Toten & 10 Verletzten, mehrere Fahrzeuge und Gebäude wurden zerstört. Der Verursacher ist letztendlich nicht gesichert, einige oppositionelle Quellen (z.B. auch SOHR) möchte sich nicht festlegen, Andere wie das Palmyra Coordination Centre behauptet sogar, die „Anti-IS-Koaltion“ habe die Luftschläge aus Versehen verursacht.

Die einzig gesicherten Dinge ist eine diplomatische Eskalation und letztendlich auch die Lüge Russlands für die Legitimation eines solchen Angriffes, ihnen muss klar gewesen sein dass sie die NSyA getroffen haben, immerhin operieren dort keine anderen Gruppierungen.

 

Edit: Nachdem am 18. Juni vermehrt Luftangriffe auf die NSyA geflogen wurde und Russland sich öffentlich dazu bekannte, sind wohl die ersten Angriffe ebenfalls von Russland verursacht worden.

  1. Edit: Am 21. Dezember löste sich die Neue Syrische Armee offiziell auf. Nach internen Problemen blieb nur noch das Battatron Jaysh al-Mughawier übrig. Ihr Anführer soll zum Tabakschmuggel zurückgekehrt sein. Derweil wurde die „The Revolution’s Commandos Army“ ins Leben gerufen, eine Gruppierung die sehr der NSyA ähnelt und wahrscheinlich auch deren Lebenslauf übernehmen wird.