Jund al-Aqsa, IS-Verbündeter unter den Rebellen

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Zerstörung eines schiitischen Schreines nahe Hama

Jund al-Aqsa ist wohl das letzte Überbleibsel der Zusammenarbeit zwischen IS (damals ISIL) und der restlichen Opposition in ihrer Gesamtheit nach 2013, die sich zwischen den machtpolitischen Positionen von ISIL und al-Nusra oft trennt.  Was kann man zu dieser kleinen, aber dennoch einzigartigen Gruppierung erzählen?

Bekannt wurde sie erstmals bei der Unterstützung der Niederschlagung der Syrian Revolutionary Front (SRF) in der Provinz Idlib durch al-Nusra 2014, einem ehemaligen Bündnis verschiedener Gruppierungen. Jund al-Aqsa ( übersetzt Soldaten von al-Aqsa, der drittheiligsten Moschee in Jerusalem) stellte seinerzeit eine kleine Gruppierung dar, die aus ausländischen und syrischen Kämpfern bestand und seit dem Konflikt als kleines Battalion zwischen al-Nusra und ISIL entstand im frühen Januar 2014. Zu dem Zeitpunkt zeigten sie ebenfalls keinerlei Interesse an den inneren Kämpfen der Opposition, zwischen Islamisten und säkularen Kämpfern der FSA und konzentrierten sich auf die Regierung. Bis sie den unerwarteten Schritt in der Unterstützung der al-Nusra’s gegen die SRF unternahm und seitdem deutliche Tendenzen zu al-Nusra zeigt.

Ehemals bekannt als Sarayat a-Quds wurde sie vom syrischen Abu Abdul ‚Aziz al-Qatari gegründet, einem engen Freund von Sheikh Abdul ‚Azzam, der wiederum ein enger Verbündeter von Osama bin Laden und Ayman al Zawahiri (Gründer von al-Qaida) war und für seine Karriere im afghanischen Jihad der 80er bekannt wurde. Ideologisch stützt er sich auf Personen wie Hamid bin Hammad al-‘Ali al-Kuwaiti, Sheikh Maqdisi und Sheikh Suleiman Ulwan.

Sie startete als kleines Battalion innerhalb der Nusra-Front, doch trennte man sich ebenfalls recht schnell wieder aufgrund von Finanzproblemen und Überdehnung. Außerdem unterstützte sie nicht den Kampf gegen andere Oppositionsparteien und sah dies als „schweren Fehler“ an.

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Öffentliches Bekenntnis zum Tode von al-Qatari

Die Zeit als unabhängige Partei war äußerst erträglich, man erhielt viele Geldgeber von der arabischen Halbinsel die vor allem an Gruppen interessiert waren, die sich nicht innerhalb der Opposition bekämpften. Sie konnte sogar zwischen den verschiedenen Oppositionsparteien verhandeln, z.B. ist dies zwischen al-Nusra und ISIS geschehen. Wahrscheinlich wären derartige Schritte auch erfolgreich gewesen, wäre al-Qatari nicht von der Syrian Martyr Brigade umgebracht worden.

Über den Zeitraum danach ist recht wenig bekannt, durch Desertationen von anderen Gruppen über die gesamte ideologische Bandbreite (von FSA, zu Ahrar al-Sham bis ISIS) konnte sie sich zu einer der bedeutendsten, dschihadistischen Fraktionen im Norden Syriens aufbauen. Dabei wuchs ihr Anteil von syrischen Mitgliedern stetig und der von ausländischen Kämpfern  (z.B. Indien, Belgier, Niederländer, Australien usw.) sank. Sie waren in den Offensiven um Idlib und Hama aktiv, Jisr al-Shughour war eine bedeutende Eroberung Jund al-Aqsas.

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Symbol von Jaysh al-Fateh (Armee der Eroberung)

Anfang März 2015 traten sie als Gründungsmitglied in die islamistische Koalition „Jaysh al Fateh“ ein, einem Bündnis mit Sitz in der Stadt Idlib, primär bestehend aus Verbündeten von al-Nusra ( genauer al-Nusra, iwa al Haqq, Jaysh al Sunna, Ajnad al Sham, and Faylaq al Sham und Ahrar al-Sham). Dieses Bündnis ist auch heute noch eines der Stärksten und Wichtigsten im Konflikt, vor allem für den Norden Syriens.

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Öffentliche Verkündigung vom Tode al-Harbi

Am 26. April 2015 bekannte sich Jund al-Aqsa zum Tode ihres neuen Anführers, Adel Radi Saker al Wahabi al Harbi. Al-Harbi war ein gesuchtes al-Qaida-Mitglied und ehemalig ein hohes Mitglied im Al-Qaida-Netzwerk des Irans. Zur gleichen Zeit veröffentlichten sie eine Lobrede auf Ibrahim Rubaish, Nasir al Wuhayshi und Ayman al Zawahiri, alles Anführer der „al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (AQAP)“. Dies und die Verbindung lässt also enge Beziehungen zu al-Qaida/al-Nusra herstellen, zumindest auf Führungsebene.

Direkt einen Monat später starb ihr nächster militärischer Anführer, Said Arif. Er ist ebenfalls gesuchtes Mitglied von al-Qaida und Teil der „Khorasan-Gruppe“, Veteranen innerhalb von al-Qaida. Danach ist die Führerschaft bis heute unbekannt, es wird sich wahrscheinlich um ein weiteres Mitglied von al-Qaida handeln, währenddessen auf unteren Ebenen eine gewisse Sympathie für IS gehegt wird.

Im späten 2015, etwa im September/Oktober kam es jedoch zum Bruch zwischen Jund al-Aqsa und vor allem Ahrar al-Sham, da sie die beiden Gruppen nicht um einen gemeinsamen Umgang mit IS einigen konnten. Während Ahrar al-Sham zu einem Kampf gegen IS aufruf, weigerte sich Jund al-Aqsa gegen einen derartigen Einsatz. Dieser Konflikt endete im offenen Kampf zwischen Jund al-Aqsa und Ahrar al-Sham, die Stadt al-Tamanah war ein Austragungsort und parallel  wurde durch eine Autobombe im Januar 2016 der damalige Anführer (Name unbekannt) von Jund al-Aqsa in seinem Haus bei Idlib ermordet, der Täter war vermutlich Ahrar al-Sham. Ebenfalls kam es (wieder) zum Konflikt im März 2016, nachdem Jund al-Aqsa den IS-Kommandaten Hassan Abboud in seinem Heimatort beerdigen wollte, Sarmin nahe Idlib.

Als Reaktion trat Jund al-Aqsa  am 23. Oktober aus Jaysh al-Fateh aus, ihre fehlende Unterstützung für einen Kampf gegen IS unterstützen sie mit der Begründung, dass sie sie nicht als „Khawaarij“ ansehen und damit auch keinen Grund sehen, mit ihnen zu kämpfen. Ihre Schlussfolgerung daraus waren die zwei Aspekte:

  1. „Du besitzt keine Ahnung von der islamischen Theologie und/oder fehlendes Wissen über die Positionen von IS/ASAQ.“
  2. „Du bist selber von den „Khawaarij“

Weitere Gründe für den Austritt waren neben dem Kampf um die Haltung zu IS die Zusammenarbeit mit De Mistura und die Errichtung, fehlende „Kriegserklärung“ an die USA und Zusammenarbeit mit „demokratischen Parteien“.

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Statement zum Austritt von al-Qaida-Mitgliedern

Als Reaktion darauf wiederum traten viele hohe Mitglieder (al-Qaida) der Gruppe aus, um sich al-Nusra anzuschließen. Dies konnte den „Bodensatz der Gruppe“ fördern, welcher schon immer Sympathien für IS hegte.

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Gemeinsame Offensive im Süden Aleppos

Diese Sympathien nahmen in einer gemeinsamen Offensive gegen die Versorgungsstraße von Itriyah nach Aleppo ihren höchsten Ausdruck im März 2016. die dennoch von keinem langen Sieg gekrönt waren.

Danach wurde es wieder recht ruhig um die Gruppe.

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