Ein Konter auf Todenhöfer’s Konter

Nach erheblicher Kritik (auch meinerseits) an seinem neuesten Interview gegenüber einem angeblichen Jabhat Fateh al-Sham (JFS)-Kommandanten scheint er auf die Widerlegungen zu reagieren und veröffentlichte selber eine Gegenargumentation gegenüber dieser Kritik. Ein Gegenargumentationsgegenargumentationsversuch.

„Dass Jabhat Al Nusra (Al Qaida) das Interview bestreiten würde, war von Anfang an klar. Die Offenheit, mit der ein einfacher, nicht hochrangiger Kommandeur, über die wahren Ziele von Al Qaida sprach, muss der obersten politischen Führung äußerst unangenehm sein. Der US-Regierung geht es genauso. Der Al Qaida-Kommandeur spricht aus, was eigentlich die ganze Welt vermutet.“

Abgesehen von der fehlenden Differenzierung zwischen al-Qaida und Fateh al-Sham [1] der sich scheinbar über den gesamten Text hinwegzieht, handelt es sich bei dem Argument nicht um die Verifizierung irgendeiner Behauptung, sondern wird einfach eine weitere These in den Raum geworfen. Natürlich hat ein niederer Kommandant (Abu al-Ezz soll angeblich rund ~200 Mann befehligen) der außerdem in einem Interview „anyonym“ bzw. verkleidet erscheint wesentlich niedrigere Hemmungen den Plänen der JFS-Politik zum Ausdruck zu bringen. Es stellen sich nur mehrere Fragen: Wie schafft es die USA einerseits als gemeinsamer Feind von JFS dazustehen (vor allem aufgrund von Verhandlungen mit Russland), sie mehrmals mit Luftschlägen angegriffen zu haben und weitere nationale Flügel von al-Qaida wie in Jemen, oder Afghanistan anzugreifen aber zugleich als größter Waffenlieferant, Ausbilder und grundsätzlich Unterstützer dazustehen? Ebenfalls könnte der Kommandant aufgrund seiner relativ niedrigeren Position ganz simpel keinerlei Ahnung von den machtpolitischen Machenschaften der oberen Ebenen haben und seine Rhetorik einfach aus reinem „Machogehabe“ bestehen. Eine wesentlich bessere Frage wäre außerdem, wie gelingt es der USA von der vergleichsweise „moderateren“ und bewiesenermaßen unterstützten FSA in al-Rai verjagt zu werden, aber scheinbar Seite an Seite mit al-Qaida-Mitgliedern auszukommen? Ganz zu schweigen davon, dass aufgrund der amerikanischen Präsenz in al-Rai einerseits mehrere Gruppierungen (u.a. Ahrar al-Sharqya) sich aus dem Gebiet zurückzogen und sogar die Gruppe Suqur al-Sham sich von Ahrar al-Sham abgespaltet hatte, um später dann der islamistischen Jaysh al-Fateh beizutreten. Ebenfalls drohte ein Gründer von der zweitgrößten Oppositionsgruppe Ahrar al-Sham Abu al-Abbas al-Shami gegenüber der USA und bezeichnete deren Präsenz in al-Rai als Okkupation.

Nun soll also die Opposition überhaupt gegen eine Präsenz der USA sein, aber gerade der ehemalige, syrische al-Qaida-Ableger JFS/al-Nusra lebt friedlich und koexistent neben amerikanischen und israelischen Ausbildern, deren größten Feinden neben der syrischen Regierung? [2]

„Zur Identität des Al Qaida- Kommandeurs. Wir haben seine Identität genau recherchieren können und wissen praktisch alles über ihn. Auch über seinen privaten Hintergrund. Das Interview wurde über einen Rebellen aus Aleppo arrangiert. (Ich habe seit Jahren Kontakte zu syrischen Rebellen.) Es fand außerdem an einem Ort in unmittelbarer Sicht-und Schussweite von Jabhat al Nusra statt, den nur ein Mitglied von Al Nusra gefahrlos erreichen konnte. Ein Teil seiner Aussagen wurde darüber hinaus kurz darauf vom Al Nusra-Mufti von Aleppo fast wörtlich bestätigt.“

Im momentanen Zeitpunkt reine Phrasenschlagerei und in keinster Weise für eine Diskussion hilfreich, da keinerlei Beweise für diese Behauptung vorgelegt werden. Sollte Todenhöfer tatsächlich über diese Informationen verfügen wären sicherlich alle erfreut Diese auch zu erfahren.

Der zweite Teil ist wiederum ein wenig verwirrend, welche Qualitäten und Fähigkeiten besitzt JFS um diverse Gebiete gefahrlos zu erreichen, andere Teile der Opposition hingegen nicht respektive die Regierung? Ebenfalls erwähnte er dass das Interview im Niemandsland entstanden ist, inwiefern kann JFS also einfach „gefahrlos“ erreichen? Eine Erklärung wäre dort ebenfalls wünschenswert.

Besonders heftig irrt sich der Herr ‚Geolocator‘. Der Schmarren, den er erzählt, ist richtig peinlich.

Er hat offenbar nicht einmal meinen Text zum Video gelesen. Das Interview fand – so mein Text – ‚im Niemandsland zwischen den Fronten‘ – statt. Niemand hat an irgendeiner Stelle behauptet, der Steinbruch sei Rebellengebiet.

Abgesehen davon dass der Herr Todenhöfer in eine gewisse Polemik in dem Punkt verfällt: Der Steinbruch befindet sich auch nicht im Niemandsland (Dieses ist eher weiter nördlich bei dem Sheikh-Saeed-Distrikt zu finden), sondern fest in Regierungshänden. Wie bereits vorgezeigt wird ein Niemandsland wohl höchst wahrscheinlich nicht zivil und landwirtschaftlich genutzt werden, geschweige würde sich dort völlig unbeschwert ein ziviler PKW oder mehrere JFS-Kämpfer bewegen können. Dies wäre nur möglich wenn dort wohl seit Langem eine Waffenruhe initiiert worden wäre, was definitiv nicht der Fall ist/war.

Wir waren südwestlich von Aleppo , und nicht südlich, wie vom Geolocator behauptet wird.

Der Geolocator behauptet, wir hätten unser Interview beim Haraybel Checkpoint geführt. Das ist falsch. Wir haben das Interview in Wirklichkeit bei Khan Tuman aufgenommen. Unsere Satellitenbilder zeigen nicht nur genau wo wir waren, sondern auch, dass das Gebiet nicht unter der Kontrolle der syrischen Armee ist.

Der Ort, den er nennt, unterscheidet sich auch farblich vom Ort des Interviews. ‚Unser‘ Steinbruch war, wie Ihr in dem Interview sehen könnt, schneeweiß, nur ein kleiner Fleck war schwarz. Während die Location des ‚Geolocators‘ nur außen hell und innen dunkel ist.

Nun, die Steingruben östlich von Khan Thouman bestätigen seinen Tenor von Niemandsland, auch wenn diese Gegend dort zurzeit zu den am härtesten Umkämpften zählt. Wie oben bereits erwähnt wäre ein derart freies Geleit bei absoluter Ruhe und einem einfachen PKW sehr unwahrscheinlich. Ich möchte mich gar nicht lange dort mit der Geolocation aufhalten (es wurden ja auch keine Bilder widerlegt), da bereits der angebliche JFS-Kommandant in seinen letzten Sätzen diese gesamte Behauptung widerlegt:“Wir sind hier auf der vordersten Beobachtungsstation im Gebiet „Scheikh Said“ […] Hinter den Häusern und in Al Majbal sind die Regime-Soldaten.“ [3] Damit widerlegt Abu jegliche Behauptung von einem Interview selber, Khan Thouman ist weit von Sheikh Saaed entfernt, vor allem keine 200 Meter wie das Gespräch weiter fortgeführt wird.

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Freddy hat noch mehr Videos, die den Weg zu ‚unserem‘ Steinbruch genau zeigen. Dass wir jetzt derartige Details rauskramen müssen, um Al Qaida, seine Propagandisten und einige Ignoranten zu widerlegen, ist eigentlich Zeitdiebstahl.

Ergebnis: Manche Dinge kann man eben nicht am Computer herausfinden, sondern man muss höchstpersönlich seinen Arsch unter großen Risiken in die Kriegsgebiete bewegen. Computer-Helden machen das leider nie. Und das ist nicht geschenkt, das ist dilettantisch und unverantwortlich.
Ich muss offenbar noch viel häufiger aus dieser Region berichten. Die Unwissenheit einiger Kritiker tut fast schon weh. Insoweit war mein Konter eigentlich viel zu nett. Ich möchte auch einmal ganz offen sagen,dass ich Zeit meines Lebens auf der Suche nach der Wahrheit war. Und bin. Das gilt auch für meine Reisen und Recherchen in Syrien. Manche Wahrheiten sind leider unbequem, das weiss ich auch. Trotzdem werde ich das, was ich nach sorgfältiger Recherche als wahr erkannt habe, immer aussprechen. Ich halte das für meine Pflicht. Auch wenn es Kritik hagelt.

Ergebnis: Todenhöfer hat in seinem neuen Kommentar die zwar simpelsten und offensichtlich falschen Gegenargumente (z.B. Goldring, Bärte, SAA-Uniformen) widerlegt, dennoch konnte er weiterhin keinerlei Beweise für die aussagekräftigste Theorie bringen: Dass der Interviewort in Regierungsterritorium war. Er kündigt weitere Beweisvideos an, ob Sie seine Behauptung von Khan Thouman unterstützt oder sich mit der Aussage noch weiterhin blamiert, bleibt offen. Ich denke wir können alle gespannt auf diese „rausgekramten“ Videos freuen, sie werden höchst wahrscheinlich Licht ins Dunkle bringen…auf die eine oder andere Weise.

Anmerkungen:

[1] Ohne Frage besitzt JFS weiterhin enge Beziehungen zur offiziellen al-Qaida & Mitgliedern, die von beiden Seiten unterstützte Teilung hat aber vor allem taktische Gründe wie ich 2 Wochen vor der offiziell verlautbarten Aufspaltung schrieb. Dennoch ist der Austritt und Übertritt wie z.B. nach Jund al-Aqsa von al-Qaida-Mitgliedern genauso ein relevanter Faktor, vor allem auf machtpolitischer Ebene unter al-Joulani herrscht eine Diskrepanz zu al-Qaida. Beide im gleichen Sinne zu nennen wäre insofern derart undifferenziert wie „PKK=PYD“. Nicht falsch, aber sachlich auch nicht richtig.

[2] Es ist ebenfalls außer Frage dass JFS Unmengen an amerikanischen Waffen (vor allem TOW’s) besitzt. Diese sind aber nicht wie dargestellt durch direkte Wege bei JFS gelandet, sondern ist dies vor allem durch arabische Länder, Erbeutungen und FSA-Gruppierungen erhalten.

[3] Ebenfalls wurde in dem Interview der Ort „al-Majbal“ erwähnt, der aber in dieser Schreibform in Aleppo weder existiert, noch sich irgendwo in Südaleppo befindet. Möglicherweise handelt es sich um den Ort „al-Majdal“ im Norden Aleppos nahe dem zentralen Gefängnis der Stadt. Ironischerweise gibt es dort ebenfalls einige Steingruben. Höchst wahrscheinlich handelt es sich um al-Ma’amel südlich von Sheikh Saeed.

[4] Mit Textteilen die ich nicht näher beleuchtet habe/nicht zitiert habe gehe ich grundsätzlich d’accord und/oder wurden sie bereits thematisiert.

Todenhöfer interviewte kein Mitglied von al-Nusra

Der Journalist Jürgen Todenhöfer ist berühmt für seine investigativen Interviews im Nahen Osten, sei es mitten im von Daesh beherrschten Raqqa oder für Journalisten unzugängliche Gebiete im Irak. Nun soll ihn ein neuer Coup gelungen sein: Ein Interview mit einem Kommandanten der „Jabhat Fateh al-Sham“ (JFS), früher bekannt als syrischer al-Qaida-Ableger „al-Nusra“ mitten im belagerten Ostaleppo. Doch inzwischen verdichten sich die Beweise, dass Todenhöfer weder im von der Opposition gehaltenen Aleppo war, geschweige einen JFS-Kommandanten interviewte, sondern sich mitten in den von der Regierung gehaltenen Teile von Aleppo befand.

 

Der Anfang macht das Ende des Videos, es zeigt den simpelsten visuellen Eindruck vom Standort des Interviews. Die letzten 10 Sekunden zeigen höchst wahrscheinlich die Abreise vom Schauplatz des Geschehens. Es ist klar ersichtlich dass das Auto sich auf dieser Straße südwärts in Richtung des militärischen „Haraybel-Checkpoints“ bewegt. Dieser Checkpoint hat eine leicht zu identifizierbare Struktur, wie man z.B. klar ersichtlich in diesem Video von einer normalen Perspektive erblicken kann. Hier nun der einfache Vergleich eines Screenshots vom Video:

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 Aus der Fahrtrichtung und der Position zu entnehmen befindet sich der nächste Steinbruch direkt nördlich, auch bekannt als Ayn as-Safeer-Steinbruch. Die ersten 25 Sekunden des Videos genügen um zu erkennen von welcher Position des Steinbruchs die Kameraufnahmen gedreht wurden:
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Um nochmal sicherzugehen wurde ein ähnliches Bild von der Fahrt (in dem Steinbruch) und dem Versteck genommen:
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Das wichtige Detail was bis jetzt nicht erwähnt wurde: Dieser Steinbruch ist seit Monaten in Hand der Syrisch-Arabischen Armee bzw. der syrischen Regierung. Während sich der Steinbruch zwar sehr nahe den Frontlinien in Südaleppo befindet, zeigen Satellitenaufnahmen eindeutig die zivile Nutzung dortiger Straßen und landwirtschaftlicher Nutzung des Gebietes. Insofern scheint entweder kein Interesse an dem Beschuss dort zu liegen, oder die Frontlinien befinden sich weiter entfernt. Möglicherweise ist die militärische Priorität dort auch unsagbar gering, gerade in Zeiten der Belagerung gibt es relevantere Positionen.
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Position des Steinbruches in Aleppo

Zusammenfassung: Bereits der Standort des Interviews lässt die Chance auf ein wirklich authentisches Gespräch zu einem JFS-Kommandaten als verschwindend geringen erscheinen. Dennoch gibt es durchaus weitere Aspekte die gegen Todenhöfer’s Behauptung sprechen.

 

Ein populäres Argument welches gegen die Thesen des Interviews sprechen ist der Goldring des JFS-Kommandaten „Abu al-Ezz“. Goldschmuck gilt nach streng orthodox-islamischer Lehre als absolut verboten. Wieso sollte also ein Islamist des JFS mit klaren Verbindungen zu al-Qaida solchen Schmuck tragen? Nun, zwei wichtige Faktoren werden dort außer Acht gelassen: Einerseits sind Goldringe in Syrien bei Männern ein absolut normales und beliebtes Accessoire, insofern auch von eher konservativeren Personen getragen wird. Andererseits ist das Tragen von Goldringen durch Islamisten tatsächlich nichts Seltenes: Bereits Osama bin Laden trug sehr gerne einen Goldring und weiteren Schmuck.

 

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Auch die offizielle „Medienabteilung“ für Fateh al-Sham behauptet niemals ein Interview mit einem deutschen Journalisten geführt zu haben. Relevant ist dabei zu erwähnen, dass JFS offizielle englische Vertreter besitzt die eigentlich derartige Medienangelegenheiten wie z.B. Interviews regeln. Dass sich ein Kommandant zufällig aufgrund von guten Beziehungen von Todenhöfer für ein Interview bereit erklärt hat ist nicht unmöglich, angesichts der sonstigen Handhabung aber recht unwahrscheinlich.

Weiterhin könnte man auch diverse Aussagen innerhalb des Gespräches als äußerst dubios bezeichnen. Während noch vor einigen Wochen JFS in einem Positionspapier Russland und die USA als Verbündete und zwei Seiten der selben Medaille bezeichnet hatte, müsste sich die Ansicht um 180° gedreht haben, was doch aufgrund der Feindschaft und vereinzelter Luftangriffe auf JFS durch die USA als sehr unwahrscheinlich erscheint. Auch ist die Behauptung von ausländischen Ausbildern & Experten zur Unterstützung von islamistischen Kräften eher eine propagandistische Erfindung des Irans, als dass es tatsächlich dafür konkrete Beweise gibt. Ebenfalls würde niemals eine islamistische Gruppierung derart öffentlich ihre Beziehungen zum Westen/USA preisgeben, die USA gilt der Opposition als gemeinsamer Feind, man erfreut sich aber natürlich an amerikanischer Ausrüstung, hinterrücks aber machen die Gruppen keinen Hehl aus ihrer antiamerikanischen Rhetorik.

 

Letzten Endes kann man wohl zusammenfassen, dass die Wahrscheinlichkeit eines verifizierten, authentischen Gespräches zwischen Todenhöfer & JFS sehr unwahrscheinlich ist, wie ebenfalls die zahlreichen Beweise zeigen. Die konkretere Frage sollte also dementsprechend lauten: Wurde Todenhöfer angelogen oder wollte er uns anlügen?

Syrische Armee beginnt Operation zur Eroberung von Ostaleppo

Das Generalkommando der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) verkündet den Beginn der Operation für die „Befreiung“ der von der Opposition besetzten Viertel in Aleppo. Das Generalkommando unter Führung eines neu eingesetzten Kommandanten (nach der Blamage in Südaleppo), einem erfahrenen Mitglied der Republikanischen Garde die eindrucksvoll das Bani Zayd und Layramoun-Viertel im Norden der Stadt erobert hatten, empfahl den Zivilisten im Osten für ihre eigene Sicherheit zu sorgen und sich von Stützpunkten der Opposition fernzuhalten.

Weitere Viertel kapitulieren

Währenddessen kapitulierte das al-Qadam-Viertel im Süden von Damaskus nach langer Zeit der Belagerung und offizieller Waffenruhe. 250 Kämpfer ergaben sich und warten nun auf ihre Generalamnestie. Die Bevölkerung wurde in temporäre Flüchtlingsunterkünfte gebracht.

Selbiges geschah im al-Waer-Wohnbezirk in Homs. Nachdem vor 2 Jahren die Kämpfer zustimmten sich von der Innenstadt nach al-Waer zurückzuziehen kapitulieren Diese nun auch und nehmen zum 2. Mal eine UN-Vermittlung an, um das Gebiet zu räumen und Kämpfer nach Idlib zu transportieren. Den Verhandlungen sind mehrere Luftangriffe vorausgegangen.

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Zivilisten aus al-Qadam

Syrische Regierung erklärt die Beendigung der Waffenruhe

Die syrische Regierung und das Generalkommando der Syrisch-Arabischen Armee veröffentlichten eine Pressemitteilung, die die Aufhebung der 2. russisch-amerikanischen Waffenruhe am 19.9.16 um 19 Uhr Ortszeit verkündet. Damit endet die Waffenruhe auch de jure nach 7 Tagen; dem Zeitpunkt wo nach Vereinbarung eigentlich die amerikanische und russische Luftwaffe eine gemeinsame Kommunikationszentrale aufgestellt hätten, um gemeinsam gegen Fateh al-Sham (JFS) und seine Verbündeten vorzugehen.

Als primäre Gründe wird einerseits die Verletzung der Waffenruhe in über 300 Fällen, die fehlende „Abkoppelung“ der Opposition gegenüber Fateh al-Sham wie es von der Waffenruhe geplant war, das fehlende Engagement der USA und die weiterhin anthaldeten Offensiven in Aleppo, Quneitra und Hama durch Islamisten genannt.

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Statement

 

Eine von „oben“ imitierte Waffenruhe war ohnehin zum scheitern verurteilt, weder die USA geschweige der Westen besitzt einen genügend großen Einfluss um die Opposition dazu bewegen zu können, die Waffenruhe einhalten zu können/wollen. Wie die letzte UN-Waffenruhe gezeigt hatte führte dies zu inneren Spannungen und Kämpfen, z.B. zwischen (damals) al-Nusra und der 13th Division (FSA). Da bereits von allen möglichen Oppositionsgruppierungen klar gemacht wurde, dass al-Qaida-Gruppen wie Fateh al-Sham (oder Ahrar al-Sham, TIP, Jund al-Aqsa usw.) ein integraler Teil der „Revolution“ ist, erfüllte die Opposition ebenfalls nie die Erfüllung der Pläne, sich von al-Nusra genügend zu entfernen. Ohnehin würde eine Opposition ohne Islamisten wie Jaysh al-Fateh, Ahrar al-Sham, Fateh al-Sham etc. als äußerst schwach und labil erscheinen.

 

 

USA bombardiert Regierungsstellungen, unterstützen IS-Offensive

Vor wenigen Minuten griff die USA mithilfe von Luftschlägen Positionen der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) in der belagerten Stadt Deir ez-Zor an, eine rund 200.000 Einwohner große Exklave im Osten des Landes. Die Luftschläge traf Stellungen in Jabal Thirdeh, ein Berg der den dortigen Flughafen als einzige Versorgungsroute überblickt.

Berichten zufolge sollen mehrere Soldaten dabei gestorben sein (Schwankungen zwischen 30-60 Soldaten momentan), während sie eine Offensive des Islamischen Staates auf die Positionen abgewehrt hatte. Inwiefern die Luftschläge der Offensive geholfen haben ist derzeit unklar, es gibt Berichte von der vollständigen Eroberung des Berges (& Tell Kroum) durch Daesh bis hin zur vollständigen Rückeroberung aller kurzzeitig verlorenen Punkte durch die SAA.

Die rund 160km von Palmyra/Tadmur entfernte Bastion der Regierung hat sowohl für Daesh als auch für die Regierung eine enorme Bedeutung. Dementsprechend sind dort zum großen Teile Eliteeinheiten der Republikanischen Garden unter ihrem Anführer Zahreddine positioniert. Ebenfalls soll es neuerdings kleinere Sektionen der Hisbollah und weiterer schiitischer Milizen dort geben.

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Situation in Deir ez-Zor (Thardi südöstlich)

Oppositionsgruppen die die Waffenruhe öffentlich ablehnen

Die 2. russisch-amerikanische Waffenruhe scheint bis auf einige Fronten durchaus erfolgreich zu sein und zumindest die Kämpfe momentan auf ein Mindestmaß reduziert zu haben. Nichtsdestotrotz lehnen einige FSA-Gruppierungen und Islamisten die Waffenruhe ab, primär aus den Grund dass man sich nicht von al-Qaida/al-Nusra/Fateh al-Sham „abkoppeln“ möchte und sie weiterhin als einen Teil der „Revolution“ angesehen werden. Dementsprechend wird die Waffenruhe auch zumeist als konspirative Verschwörung angesehen, wo Russland & die USA einen Keil zwischen der vereinten Islamfront schieben wollen.

Folgende Gruppen lehnen momentan die Waffenruhe ab:

  • Faylaq al-Sham (ebenfalls in der türkischen Offensive aktiv)
  • Harakat Nour al-Din al-Zenki (große Gruppe in der Aleppo-Provinz, bekannt für die Köpfung eines Kindes)

  • Fastaqim al-Sham
  • Ajnad al-Sham (in Nordhama aktiv)
  • Division 101 (FSA)
  • 13th Division (FSA, auch bekannt für ihre Zusammenarbeit mit al-Nusra)
  • Faylaq al-Homs (in Homskessel aktiv, mehrmals bereits Dörfer (z.B. Tansin, Kafr Nan) in der Waffenruhe angegriffen)
  • Ansar al Islam
  • 1st Division (FSA)
  • Liwa al-Fateh (in der türkischen Offensive aktiv)
  • Northern Division (FSA)
  • Levant Front (aka al-Shamiyah, in Ostaleppo aktiv)
  • Bader 313 Battalion
  • Safwat al Islamiya
  • Authenticity and Development Front (unklar ob FSA, aus ihr entsprang die Neue Syrische Armee)
  • Jaysh al-Nasr (in Nordhama aktiv)
  • Jaysh al-Tahrir (FSA, auch in Ostaleppo aktiv)
  • Central Division (FSA)
  • Liwa’ Suqour al Jabal (aka Mountain Hawks Brigade, FSA)
  • Jaish al Farouq
  • Jaysh al-Islam (drittgrößte Oppositionsgruppe)
  • Ahrar al-Sham (zweitgrößte Oppositionsgruppe, genießt große materielle Unterstützung aus dem Ausland)
  • Jabhat Fateh al-Sham (JFS) (logischerweise, da die Waffenruhe auf sie abzielt; größte Oppositionsgruppe)
  • „Revolutionaries of Aleppo“ (FSA, der Name war nur die Unterschrift der Unterzeichner in Ostaleppo, eine derartige Gruppe mit dem Namen existiert nicht)

Gruppen deren Position derzeit unklar ist/kein offizielles Statement existiert:

  • Jund al-Aqsa (enge Beziehungen zu al-Qaida/JFS, sind derzeit weiterhin an der Offensive in Nordhama beteiligt, insofern scheint eine Beteiligung unwahrscheinlich)
  • Islamische Front (Oppositionsbündnis welches von Ahrar al-Sham dominiert wird; unbekannt ob die restlichen Gruppen sich an Ahrar al-Sham halten)
  • Jaysh al-Fateh (größtes Oppositionsbündnis wo JFS und Ahrar al-Sham dominieren. Da sie alleine durch die Bündniszugehörigkeit mit JFS vernetzt sind erscheint die Unterstützung der Waffenruhe unwahrscheinlich)
  • Southern Front (FSA, starteten in der Waffenruhe eine Offensive an Seite von JFS in Quneitra)
  • Fajr Tahwid (FSA, starteten in der Waffenruhe eine Offensive an Seite von JFS in Quneitra)
  • Forsan Jolan (FSA, starteten in der Waffenruhe eine Offensive an Seite von JFS in Quneitra)
  • Liwa Ahrar Jabata (FSA, starteten in der Waffenruhe eine Offensive an Seite von JFS in Quneitra)
  • Jabhat Ansar al-Sham (FSA, starteten in der Waffenruhe eine Offensive an Seite von JFS in Quneitra)
  • al-Forqan (FSA, starteten in der Waffenruhe eine Offensive an Seite von JFS in Quneitra)
  • Sayf al-Sham (FSA, starteten in der Waffenruhe eine Offensive an Seite von JFS in Quneitra)
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Farouq Statement

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Fateh al-Sham Statement

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Ahrar al-Sham Statement

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21 Gruppen lehnen die Waffenruhe ab

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„Revolutionaries of Aleppo“ lehnen die Waffenruhe ab

Syrisches Verteidigungsministerium berichtet vom Abschuss einer israelischen Drohne & eines Jets

Das syrische Verteidigungsministerium berichtet von dem Abschuss einer israelischen Drohne & Jets um 1 Uhr Ortszeit nahe der besetzten Golanhöhen. Der Abschuss war eine Reaktion auf die wiederholten Luftangriffe der Israelischen Luftwaffe auf Positionen der syrischen Armee innerhalb Quneitras, Syriens.

Der Grund für die Luftangriffe ist eine islamistische Offensive, angeführt von Fateh al-Sham, in Quneitra. Die IDF wirft vor, dass mehrere Mörsergranaten in Israel (besetzte Golanhöhen) einschlugen und man dementsprechend darauf reagiert hätte.

Die IDF bestreitet momentan den Abschuss ihrer Flugzeuge, bestätigt aber dass sie von 2 Rakteten der S200 angegriffen wurden.

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Statement der SAA

Assad zum Islamischen Opferfest in Daraya zu Besuch

Anlässlich des wichtigen islamischen Feiertages „Eid al-Adha“/Islamische Opferfest besuchte der syrische Präsident Bashar al-Assad die Saad-Ibn-Muaz-Moschee in Daraya, um gemeinsam mit hohen geistlichen und politischen Würdenträgern zu beten. Die Auswahl des Ortes hat eine besonders symbolische Bedeutung, da der Vorort von Damaskus lediglich ~5km vom Präsidentenpalast entfernt ist und erst vor wenigen Wochen ein Vertrag mit den Aufständischen geschlossen wurde, der zu ihrer Kapitulation führte. Davor war Daraya für 4 Jahre belagert und galt dementsprechend als wichtiges Symbol der Revolution.

Wichtigste Oppositionsgruppen lehnen die Waffenruhe ab

Mehrere islamistische und von Westen als „moderat“ angesehene Oppositionsgruppen lehnten die 2. amerikanisch-russische Waffenruhe mit der Begründung ab, die syrische Regierung dabei zu stärken und dass Fateh al-Sham (ahemalig al-Nusra/al-Qaida) weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Revolution ist und damit nicht hintergangen werden kann.

Als Reaktion lehnen momentan folgende Gruppierungen die Waffenruhe ab: Fateh al-Sham (größte Oppositionsgruppe), „Revolutionairies of Aleppo“ (es handelt sich um ein Positionspapier der FSA in Ostaleppo), Jaysh al-Fateh (größtes Bündnis und dominierend im Nordwesten des Landes) und Ahrar al-Sham, welches wiederum als die zweitgrößte Oppositionsgruppe gilt und sowohl in Jaysh al-Fateh als auch in der Islamischen Front eine bedeutende Rolle einnimmt.

Währenddessen verlangen Teile der Opposition nähere Details der Waffenruhe und seinen Auswirkungen innerhalb von 14 Stunden durch die USA & Türkei. Sie verlangen dabei die Beendigung von Luftangriffen durch die syrische Luftwaffe, Klarheit über einsetzende Mechanismen wenn die Waffenruhe beendet wird und warfen der Regierung Heuchelei aufgrund fehlender Abgrenzung von schiitischen Milizen (ähnlich Opposition – Fahteh al-Sham) vor. Damit zeigt sich dass ausländische Mächte erneut ohne wirklich Grundbasis in Syrien einen Vertrag bzw. Waffenruhe geschlossen haben.

Dementsprechend ist ein Erfolg noch unwahrscheinlicher.

Regierungsoffensive in Latakia

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Pro-Oppositionelle Karte zeigt die gestrigen Eroberungen (blau)

Die Syrische Armee startete mit der Unterstützung einiger Milizen wie Suqur al-Sahara, Nusur al-Zawba’a, Syrian Resistance und der NDF im Norden der Provinz Latakia eine Offensive um die letzten verbliebenen Gebiete unter die Kontrolle der syrischen Regierung zu bringen.

Die Operation begann am frühen Morgen des 9. Septembers und konnte bereits innerhalb von wenigen Stunden unerwartet erfolgreiche Eroberungen verbuchen. So wurde z.B. Nahshabba, Tell Rasha, Mazghulah, oder al-Ra’ai erobert. Ebenfalls konnte zwei Hügel (Point 540 & 650) in der Provinz Idlib erobert werden wodurch die SAA endlich wieder in den westlichen Gebieten der Provinz präsent ist.

Es gibt mehrere Berichte die bestätigen, dass innerhalb den oppositionellen Kämpfern alles völlig unorganisiert und unerwartet war und man dementsprechend die immensen Erfolge erzielen konnte. Wohl möglich sind Teile der Kämpfer nach Jarablus & Nordaleppo oder nach Südaleppo abgezogen worden. Möglicherweise auch zur Hamaoffensive.

Ostaleppo erneut belagert, Daesh verliert türkische Grenze

JRdwg9rXtSf_CE7ODIRT8yCzP_mBBHJZNn7-eTzWZTg.jpgOstaleppo ist wieder faktisch belagert

Nach wochenlangen Kämpfen und enormen Verlusten auf beiden Seiten konnte sich die syrische Armee mit primärer Hilfe der Eliteeinheit der Tiger Forces & weiteren Milizen durchsetzen und die Ramouseh-Artillerieschule und ihre Sektionen vollständig zurückerobern, um damit den letzten Nachschubweg (auch wenn Dieser seit Wochen nicht passierbar war) schließen.

Die Verluste auf beiden Seiten sind enorm, man spricht von rund 1000 Toten auf oppositioneller/islamistischer Seite (die Hauptlast trugen islamistische Gruppierungen wie Fateh al-Sham, Suqur al-Sham, al-Zinki, Sultan Murad usw.) und zwischen 500-700 Toten auf regierungsunterstützender Seite. Die Todeszahlen können aber nicht genauer überprüft werden. Nach der Eroberung sollte es prinzipiell nur eine Frage der Zeit sein bis ebenfalls die westlich und östlich befindenen Ramouseh-Viertel und das 1070 Housing Project ebenfalls fallen werden.

Ebenfalls gibt es Berichte von weiteren Eroberungen weiter südlich nahe der Stadt Qarassi und deren Steingruben. Es gibt ebenfalls einige Bilder die russische Spezialeinheiten in Aleppo zeigen, ob sie in der Offensive involviert waren ist unklar aber durchaus denkbar. Die russische Luftwaffe ist laut Angaben oppositioneller „Aktivisten“ den ganzen Tag aktiv gewesen und soll über 75 Luftschläge ausgeführt haben.

 

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Daesh schließt türkische Grenze

Die von der Türkei unterstützten Gruppierungen der FSA und weiteren islamistischen Fraktionen (z.B. Ahrar al-Sham) konnten nun ihr primäres Ziel der Operation „Euphrates Shield“ absolvieren und damit Daesh von der Türkei trennen bzw. ihre beiden Teile im Norden Aleppos verbinden. Da es kaum Berichte von Kämpfen gab werden die Opferzahlen äußerst gering sein. Es zeigt wiederum den Beweis dass die Türkei Daesh als quasi-Verbündeten fallengelassen hat und kein wirkliches Interesse zumindest als Handelspartner existiert, bei der momentanen Schwäche des Islamischen Staates kein Wunder.

Türkische Armee attackiert Zivilisten in Kobane – Tote

Nachdem die türkische Armee auf 20 Meter in das syrische Territorium nahe Kobane eingedrungen ist,mit dem Ziel eine große Mauer/Schutzwall an der syrischen Grenze zu errichten, kam es zu Demonstrationen und Ausschreitungen der dortigen Bevölkerung.

Berichten zufolge kam es bis zu dem momentanen Zeitpunkt zu einem Toten und weiteren 80 Verletzten, wovon knapp 20 sich in kritischen Zustand befinden. Die Verletzungen sind höchst wahrscheinlich auf Schüsse und weitere polizeiliche Maßnahmen zurückzuführen. Momentane Videos zeigen die Proteste der kurdischen Bevölkerung die weitestgehendst zu kurdischer Musik friedlich protestieren und dabei von türkischen Wasserwerfern angegriffen werden.

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Ereignisse der letzten Woche – Nordhama, Südaleppo, Jarablus und Rif Dimashq

Die letzte Woche war eine äußerst Ereignisreiche für Syrien: Von unerwarteten Ereignissen wie der türkischen Invasion/Intervention in Syrien bis hin zu einer erstaunlich erfolgreichen Oppositionsoffensive in Nordhama, oder Waffenruhen und Generalamnestie für einige Städte in Rif Dimashq und Homs. Ein Überblick.

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Islamistische Großoffensive im Norden von Hama

Im Norden der traditionell regierungstreuen Provinz und Stadt Hama startete die IS-freundliche und aus ehemaligen al-Qaida-Mitgliedern bestehe Gruppierung Jund al-Aqsa eine Offensive mit dem Ziel, die mehrheitlich sunnitischen und christlichen Dörfer im Norden der Großstadt Hama zu erobern und auf die Stadt selber gefährlich nahe zu rücken. Primäres Ziel der Operation, die nach dem Massenmörder und Islamisten „Ghazwan Al-Shaheed Marwan Hadid“ benannt ist, wird wohl die Ablenkung von Südaleppo sein, wo weiterhin schwere und wichtige Kämpfe andauern.

Die Erfolge der Opposition die unter dem Kommando von Jund al-Aqsa steht und von semi-moderaten Gruppierungen wie Jaysh al-Nasr oder Jaysh al-Izzah der FSA verbündet sind, führen vor allem (erneut) aus der Inkompetenz der christlichen und muslimischen Verteidigungsmilizen (u.a. NDF) zurück, die größere Städte (z.B. Suuran oder Teybat al-Imam) einfach völlig ungeschützt zurückgelassen wurden. Es gibt inzwischen aber Berichte dass die Eliteeinheiten der „Tiger Forces“ teilweise dorthin transportiert wurden, um weiteren Fortschritt zu verhindern. Dies wiederum schwächt in gewissen Maße die Offensivkapazitäten in Südaleppo. Diese Eroberungen führten zum Massenexodus der dortigen Bevölkerung einerseits vor den Kämpfen als auch von dem drohenden Genozid durch Jund al-Aqsa.

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Flucht der Bevölkerung

Auch wenn die Situation definitiv kritisch mit steigender Stabilisierung ist, so muss man dennoch die militärisch eher irrelevante Position der Region betonen. Dennoch für eine derartig statische Front wie die von Nordhama ist dies eine große und verlustreiche Veränderung.

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Fortschritte der SAA in Südaleppo

Die SAA angeführt von der offensiven Eliteeinheit der „Tiger Forces“ und der in Aleppo beheimateten Miliz Liwa al-Quds konnte deutliche Erfolge in Südaleppo verzeichnen. Es wurden nicht nur große Teile der nördlichen Ramouseh-Artilleriebasis bzw. der Flugschule (siehe Bild) erobert (die Angaben schwenken zwischen 50-100%), sondern ebenfalls weiter südlich die Verteidigungslinien der Opposition durchbrochen und mehrere strategisch wertvolle Hügel und Dörfer erobert. Beispiele hierfür wären z.B. Tell Mahrouqat, Qarassi oder diverse Steinbrüche dort.

Bei fortführender Tendenz könnte die Entscheidung um Aleppo in wenigen Tagen/Wochen erneut getroffen werden und eine zweite Belagerung Ostaleppos initiiert werden.

Waffenruhen in belagerten Orten erreicht

Nicht nur in Daraya wurde eine Waffenruhe angenommen die zur direkten Kontrolle der syrischen Regierung in dem Ort führte, sondern ebenfalls in weiteren Vorstädten von Damaskus und Homs. Die belagerte „Nachbarstadt“ direkt westlich von Daraya namens al-Moadamyeh scheint inzwischen ebenfalls Überlegungen zu unternehmen nun zu kapitulieren und die Generalamnestie zu akzeptieren. Daraya und Moadamyeh waren lange Zeit eine gesamte Front, erst vor einigen Monaten kam es zu einem Kessel zwischen den beiden Städten.

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Forderungen aus Homs

Wesentlich konfliktreicher geht es momentan in Homs zu, um genau zu sein im Waer-Wohnungsviertel nordwestlich der Stadt. Nachdem es aufgrund von gegenseitigen Beschuss zu einer Eskalation und Luftschlägen gekommen war, forderten einige Zivilisten und dortige Kleriker die Kapitulation der Kämpfer um weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Auf diese Forderung wurde von den Oppositionellen nicht eingegangen und es kam lediglich zu einer temporären Waffenruhe und Hilfslieferungen.

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Situationsupdate in Nordaleppo

Die türkische Intervention/Invasion auf syrischen Territorium hatte wohl Niemand erwartet, es gab zwar Berichte dass verschiedene Oppositionsparteien von der Türkei aus Jarablus attackieren wollen, aber ein direkter Einsatz türkischer Streitkräfte war sehr unerwartet. Nachdem die Operation 2 Wochen andauert und vor allem die SDF bis zum Sanju-Fluss zurückgetrieben wurde und damit momentan größter Verlierer dieser Offensive ist, gilt das Interesse momentan eher Daesh bzw. der Verbindung ihrer zwei Terrarien an der türkischen Grenze. Die Kämpfe zwischen Daesh und der Opposition/Türkei gelten immer noch als sehr niedrig und lediglich konnte man kurzfristig die Dörfer östlich von al-Rai zurückerobern. Dennoch herrscht in den letzten Tagen ziemliche Stagnation an der Front, eine Gruppe der FSA dort berichtet aber von Eroberung von Sabuniyah, Tell Aghbar & Sha’inah westlich von Jarablus vor wenigen Minuten.

Währenddessen startete die YPG/SDF von ihrem westlichen Efrin-Kanton eine Offensive auf Daesh und konnte dabei die 3 Städte Umm al-Kura, Umm Housh und Harbal erobern. Damit erleichtern sie sich den Weg die beiden Kantone bzw. Rojava zu vereinigen und damit den Albtraum von Erdogan zu erfüllen. Er würde dies selbstverständlich aber nicht dulden und die momentan herrschende Waffenruhe (im Sinne dass Beide einfach nicht angreifen wollen) problemlos beenden.

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„Nummer 2“ des Islamischen Staates getötet

In der Zwischenzeit wurde die Nummer 2 des Islamischen Staates, Abu Mohammed al-Adnani, nahe al-Bab getötet. Er galt als Anführer für den IS in Syrien als auch der Koordinator für terroristische Anschläge im Ausland (vor allem Frankreich) und Propagandist. Zum momentanen Zeitpunkt gibt es mehrere Behauptungen, wer ihn umgebracht hatte. Sowohl das Pentagon bzw. die Internationale Koalition als auch das russische Verteidigungsministerium beanspruchen die Ermordung. Ebenfalls gibt es aber Berichte von „türkischen Querschlägern“ was aber aufgrund der Entfernung zur Front eher unwahrscheinlich ist. Die spannendste Theorie wiederum ist die, dass der ehemalige Emir von Raqqa Abu Luqman das Attentat veranlasst hat, es insofern also ein „Inside Job“ war. Dementsprechend soll er angeblich durch eine IED in seinem Auto getötet worden sein.