Oppositionsgruppen, die in der 2. Aufhebung der Belagerung involviert sind

Anmerkung: Aufgrund der Aktualität der Offensive können sich die beteiligten Gruppen jederzeit ändern bzw. zunehmen. Dementsprechend ist auch keine Vollständigkeit garantiert.

 

Laut Charles Lister sind ebenfalls folgende Gruppen aktiv, ohne genaue Beweise dazu zu nennen:

  • al-Jabhat al-Shamiya
  • 16th Division
  • Jaysh al-Tahrir
  • Jaysh al-Izza
  • Liwa Ahrar al-Sunnah
  • Jaysh al-Sunnah
  • Liwa al-Haqq

Der oppositionelle Beschuss der zivilen Fluchtkorridore nach Westaleppo

Sechs „humanitäre Fluchtkorridore“ für Zivilisten und zwei weitere Korridore für oppositionelle Kämpfer wurden am 20. Oktober um ~11 Uhr Ortszeit in Westlappo durch eine unilaterale Vereinbarung von Russland & der syrischen Regierung ins Leben gerufen, um fliehenden Zivilisten, Kranken, Verletzten und Kämpfern die Möglichkeit zu geben, sich aus Ostaleppo in Sicherheit zu begeben. Teil dieser Vereinbarung war eine zunächst 8-stündige Waffenruhe; in diesem Zeitraum wurden keine Luftangriffe der syrischen & russischen Luftwaffe gemeldet. Stunden zuvor wurde die Bevölkerung Ostaleppos durch den Abwurf von Flugblättern darauf aufmerksam gemacht, die Flugblätter zeigen die Korridore an folgenden Positionen:

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Ausschnitt des Flugblattes

 Zivile Flüchtlingskorridore:

  1. Im hohen Norden die Hauptstraße zu dem Sheikh Najjar-Industriedistriks, in Richtung der al-Reih-Brücke
  2. Das Berdag-Restaurant in Zentralaleppo bei der Michael Naima-Straße
  3. Al-Sakhour-Bahnstation bis zur Hjar-Moschee
  4. Im tiefen Süden im Sheikh Saeed-Viertel in Richtung von al-Hadher
  5. Im Osten bei der Haj-Menber-Schule in Richtung des Flughafens
  6. Von der Masjed-Moschee zur Qedis Giorgy-Kirche in Zentralaleppo

Militante Flüchtlingskorridore:

  1. Im Norden Aleppos, beginnend vom Jandoul-Kreisverkehrs entlang der Castello-Hauptstraße bis zum Castello-Restaurant
  2. Durch Zentralaleppo vom al-Kher-Markt bis zur Damaskus-Aleppo-Hauptstraße in der Idlib-Provinz

Trotz den Verlautbarungen sollen sich nur einige Familien (darunter eine Großfamilie von 9 Zivilisten) und einige verletzte Kämpfer von Ahrar al-Sham aus dem Gebiet gerettet haben. Der Vorwurf dafür wiegt schwer, laut russischen & syrischen Medien, als auch einigen geflohenen Zivilisten wie Wissam Zarqa wird die Opposition beschuldigt, die Zivilbevölkerung als Geißeln zu nehmen. Dieser Vorwurf wurde später durch verschiedene Medien verifiziert und es existieren mehrere Videos von den Mörsergranaten auf die Korridore. Das Hauptaugenmerk wird auf den einen militanten Fluchtkorridor vom Bustan al-Qasr-Distrikt geworfen.

Geolocation von verschiedenen Angriffen

Step News Agency

Der Beginn macht ein Video der pro-oppositionellen Nachrichtenagentur Step News, welches einen scheinbaren Angriff der Fasteqm-Union zeigt. Der interviewte Kommandant im Video behauptet, dass das „Regime“ versucht hatte im Distrikt vorzurücken, dies aber vereitelt wurde. Derweil sollen keine Zivilisten den Korridor genutzt haben. Unabhängig von der Authentizität der Aussage zeigt das Video eindeutig die Nutzung von Mörsern und „Hell Cannons“ auf Positionen in Westaleppo.

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Eine zweite Stelle im Video zeigt den direkten Beschuss des al-Masharqa-Distrikt nordöstlich der oppositionellen Positionen in Bustan al-Qasr


ANNA

Ein weiteres Video konnte die Abkhazian Network News Agency (ANNA) vorzeigen, ein Nachrichtendienst der stets mit Reportern an den Fronten der SAA und SDF präsent sind. Das Video zeigt nicht nur die Positionen von den bekannten „grünen Bussen“ in Westaleppo zum Abtransport von Zivilisten und Kämpfern am Korridor genutzt werden, sondern auch den mehrfachen Beschuss (zwischen Minute 2:58 und 3:07) des dortigen Stadions.

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ITV

Ebenfalls präsent war der britische Sender ITV mit ihren Korrespondenten Dan Rivers, welche aufgrund einer Reportage in Westaleppo aktiv war. Dort konnten sie direkt mehrere Angriffe von der Position des Dedeman Hotels aus filmen. Ob der Beschuss die gleichen Angriffe wie beim ANNA-Video zeigen ist aber unklar. Später soll er außerdem mehrere Geschosse der Hell Cannon gesehen haben.

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Al-Masdar

Die Position des Filmenden befindet sich auf der östlichen Seite der Kher Eddin al-Assadi-Straße und damit westlich des Stadions. Der Mörser (?) trifft in diesem Falle nicht das Stadion, sondern weiter nordwestlich in Richtung der al-Hariri-Nachbarschaft. Außerdem zeigt das Video, wie sich die Busse in südlicher Richtung zum vorgesehen Ort begeben, es sich insofern wahrscheinlich um einen früheren Zeitpunkt handelte.

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Murat Gazdiev (RT)

Der russische RT-Reporter Murat Gazdiev veröffentlichte über seinem Twitter-Account ein Video, welches ebenfalls Rauchschwaden über die Umgebung südwestlich des Stadions zeigt. Das Video scheint ebenfalls vom Dedeman Hotel zu stammen.


Livestreams der russischen Verteidigungsminsteriums

Die nützlichsten Beweise hingegen konnte das russische Verteidigungsministerium vorweisen, welches 6 Kameras an den verschiedenen Ausgängen installierte und über die ganze Zeit eine Übertragung lieferten. Ausschnitte davon lud RT separat hoch. Das Video zeigt die Position südwestlich des Stadions nahe der Positionen, wo sich die gesamten grünen Busse befunden haben.

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Weitere Fluchtkorridore

An weiteren Fluchtkorridoren soll es hingegen ruhig geblieben sein, so fiel die mediale Berichterstattung auch verhältnismäßig weniger auf und z.B. wurde nur ein Bild von dem zweiten, militanten Korridor entlang der Castello-Straße hochgeladen, der insgesamt einen ruhigen Eindruck macht. Weitere Videos zeigen ebenfalls den Salah al-Din-Korridor in einem leeren Zustand. Über weitere Checkpoints ist sehr wenig bekannt, es soll aber z.B. Kämpfe in Sheikh Saeed zwischen Islamisten und Soldaten gegeben haben, wo sich ebenfalls ein Korridor befindet.

Letzten Endes verifiziert das vorhandene Videomaterial auf mannigfaltige Weise, dass der Vorwurf vom Beschuss der Flüchtlingskorridore in jeglicher Weise absolut korrekt ist – wenn auch nicht in einer solchen quantitativen Weise. Der mehrmalige Beschuss zeigt zumindest im Bustan al-Qasr-Korridor die Absicht, Oppositionelle und wahrscheinlich auch Zivilisten von der Flucht fernzuhalten. Insgesamt kann man es als eindeutigen PR-Gewinn für die syrische Regierung & Russland werten, welches erneut die Opposition in Ostaleppo für ihre Skrupellosigkeit vorführt und die Brandmarkung als „Terroristen“ zu bestätigen scheint.

Syrische Armee droht mit dem Abschuss von türkischen Jets

Das syrische Verteidigungsministerium veröffentlichte vor wenigen Minuten eine Pressemitteilung mit der Verlautbarung, das bei zukünftigen Verletzungen des syrischen Luftraumes & Angriffen in Aleppo die „richtigen Vorkehrungsmaßnahmen“ in Form von Abschüssen getätigt werden.

Als Legitimation dafür wird die angebliche Tötung von über 150 Zivilisten durch das „Erdogan-Regime“ in Nordaleppo aufgeführt, vor allem auch durch Beschuss von kurdischen Dörfern und Städten im Afrin-Kanton. Ebenfalls wird wohl ein Zusammenhang von zukünftigen Angriffen auf die YPG/SDF in Nordaleppo stehen, da die syrische Regierung und die SDF durchaus gute Beziehungen besitzen und das SDF-Territorium sehr gut als Pufferzone für Regierungstellungen in Aleppo gegenüber der FSA & Islamisten in der von der Türkei unterstützten Operation „Euphrates Shield“ dienen kann. Möglicherweise handelt es sich auch nur um diplomatische Worthülsen, eine Bereitschaft der syrischen Luftwaffe ist kategorisch nicht auszuschließen, da bereits 2012 ein türkischer Jets abgeschossen wurde.

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Statement

Russland verkündet 8-stündige Waffenruhe für Ostaleppo

Das russische Verteidigungsministerium verkündete am Montag, eine unilaterale Waffenruhe für den 20. Oktober auszurufen, die insgesamt 8 Stunden anhalten soll und sowohl Zivilisten als auch Oppositionskämpfern die Möglichkeit bietet aus Ostaleppo durch die verschiedenen Fluchtkorridore zu entkommen.

Der russische Offizier Sergei Rudskoi bezeichnet diese Waffenruhe als „humanitäre Pause“, um sowohl Zivilisten als auch Verletzte und Kranken eine Option zu ermöglichen, aus dem Kriegsgebiet zu fliehen.

Ein möglicher Erfolg erscheint alleine aufgrund des unilateralen Aufbaus sehr unwahrscheinlich, der Großteil der Zivilbevölkerung wird weiterhin als „Geiseln“ für die islamistische Opposition in Ostaleppo missbraucht. Primär wird es sich um einen PR-Versuch handeln, Russland als humanitären Helfer zu inszenieren.

Mosul-Offensive gestartet

 

Nachdem bereits 2 Tage zuvor von einem angeblichen Beginn der Mosul-Offensive durch türkische und kurdische Medienhäuser berichtet wurde, ist der Beginn am 17. Oktober nun offiziell: Der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi und das irakische Verteidigungsministerium verkünden die Operation zur Befreiung von Mosul. Mosul ist die letzte große Stadt und Provinz im Norden des Iraks, die sich fest in der Hand des Islamischen Staates/Daesh befindet und damit auch aufgrund sehr geringen Widerstandes 2014 als Hochburg angesehen wird.

Den Start der Operation soll schweres Artilleriefeuer unter primärer Führung der US-Armee begonnen haben mit dem Ziel, Positionen von Daesh im Süden und Westen der Stadt zu zerstören. Außerdem gibt es Berichte von mehreren Luftangriffen der irakischen Luftwaffe. Insgesamt sollen laut irakischen Quellen 65.000 Soldaten der irakischen Armee unterteilt in 6 Divisionen, 10.000 Soldaten der Peschmerga und 24.000 weitere Unterstützungseinheiten von verschiedenen „Polizeimilizen“ gegen die 5.000 Daesh-Kämpfer in der Stadt antreten. Dabei sollen weiterhin rund 1,3 Millionen Zivilisten sich noch in Mosul befinden.

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Situation um Aleppo

Die erst in einer Operation im März eroberten Gebiete um die große Luftbasis und Stadt al-Qayyarah südlich von Mosul ist das „Absprungbrett“ der irakischen Armee, von hier aus soll die primäre Streitkraft agieren, allen voran 13 Regimenter des „Antiterrorismus-Direktorat“, die 37. Armee-Brigade, 9. Panzerbrigade (ausgestattet mit Abrams) und die „Goldene Division“ der Irakischen Armee. Die Führung unternimmt dabei Abd Al Wahhab Al Saidy, welcher ebenfalls für die Rückeroberung von Fallujah, Tilrit und den Baiji-Raffinieren verantwortlich war.

Westlich haben sich die 15. & 16. Brigade der Armee und zwei weitere Antiterrorismus-Brigaden bereitgestellt.

Den gesamten Norden wiederum deckt die Peschmerga mithilfe verschiedener Milizen ab, darunter schiitische Milizen wie al-Hashd al-Shaabi oder christliche Milizen wie z.B. al-Hashd al-Masehi. al-Hashd al-Shaabi soll bereits in den letzten Tagen insgesamt 14 Kämpfer verloren haben, nachdem Diese von Katyusha-Raketen auf Camp Zilkan angegriffen wurden.

Weitere Gruppierungen die ebenfalls involviert, deren genaue Position aber unbekannt sind, sind u.a. Afar-Brigade, Federal Police, al-Asheari, al-Watani, „Rapid Reaction Brigade“, der militärische Arm der Badr-Organisation, PKK, YBS, assyrische NPU und verschiedene Milizen der PMU.

Türkei unerwünscht

Dem Beginn der Operation gehen mehrere Zerwürfnisse zwischen der Türkei und dem irakischen Parlament, schiitischen Milizen und der PKK nahe stehende Organisationen hervor, welche alle die Beteiligung der jeweilig anderen Seite kritisch sehen. Da die Türkei auf irakischen Boden lediglich von der kurdischen KDP bzw. dem Bahrzani-Clan und nicht der irakischen Regierung eingeladen wurde, sorgte dies stets für Unbehagen in Bagdad. In den kritischen Zeiten rief sowohl Ministerpräsident Abadi als auch das Parlament die Türkei dazu auf, ihre Militärbasis in Bashiqa zu räumen. Selbiges galt für die finanzierten und ausgerüsteten „Ninaveh-Garden“ der türkischen Armee.

Erdogan schien für diese Forderungen nur ein müdes Lächeln übrig zu haben und polterte mit mehreren Forderungen, sowohl die PKK als auch schiitische Milizen von der Offensive fernzuhalten. Die wohl verrückteste Aussage hingegen: Nur noch sunnitische Araber, Turkmenen und Kurden sollten in Mosul verbleiben. Außerdem beanspruchte Erdogan mit 700 türkischen Soldaten ebenfalls in der Operation aktiv zu sein. Die PMU bezeichnete solche Politik als rassistisch, diskriminierend und religiös-konfessionell. Nach der vorgeworfenen Kritik legte Erdogan an aggressiver Rhetorik zu und warnte vor Konsequenzen und „Übergang zu Plan B oder C“, falls die Türkei nicht beteiligt sei.

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Irakischer Soldat im Süden Mosuls

Rebellion in Mosul niedergeschlagen

Währenddessen kam es innerhalb der Stadt vor wenigen Tagen auch zu einem Protest der Bevölkerung, als die Befreiung der zweitgrößten Stadt näher rückte. Diese wurde aber frühzeitig aufgedeckt und 58 angebliche Mitglieder & Drahtzieher der Verschwörung wurden durch Ertrinken hingerichtet. Darunter sollen auch einige ranghohe Mitglieder von Daesh gewesen sein, die Beziehungen zu al-Baghdadi pflegten. Viele sehen dies als Zeichen für innere Zerwürfnisse und den Untergang von Daesh zumindest im Irak an, die fehlende Unterstützung der Bevölkerung ist ebenfalls ein Faktor.

Nicht nur deswegen rief Daesh auch den Ausnahmezustand in der Stadt aus, viele Autoreifen und Ölfelder wurden als Reaktion in Brand gesetzt um feindlichen Flugzeugen die Sicht zu erschweren. Auch soll die westliche Seite der Stadt aus unbekannten Gründen größtenteils geräumt sein und viele Teile der Stadt mit improvisierten Sprengstoff (IED’s) bestückt worden sein.

Russische Medien werfen USA & Saudi-Arabien freies Geleit für Daesh nach Syrien vor

Außerdem warfen mehrere russische Staatsmedien derweil Saudi-Arabien und der USA vor, freies Geleit für 9.000 Daesh-Kämpfer von Mosul nach Syrien anzubieten mit dem Ziel, sich für eine Großoffensive auf Deir ez-Zor und Palmyra vorzubereiten und damit die syrische Regierung zu bekämpfen respektive deren Pläne für einen Regime Change zu unterstützen. Angeblich sollen bereits vor Start der Operation 35 Fahrzeuge Mosul in Richtung Raqqa verlassen haben. Davon sollen primär VIP’s und deren Familien transportiert worden sein, viele Daesh-Mitglieder stammen aus regionalen Stämmen und wollen Mosul nicht einfach aufgeben.

 

Dabiq und Daesh

Am 14. August 2014 erobert der bis dato recht unbekannte Islamische Staat das kleine Dorf Dabiq im Norden Aleppos von der restlichen Opposition, bis vor kurzem galt die FSA und Daesh immerhin als enge Verbündete in der „Revolution gegen das Assad-Regime“. Trotz versuchter Gegenoffensive der FSA starben rund 40 eigene Kämpfer, Daesh verlor hingegen nur 12 eigene Soldaten.

Die daraus resultierende Freude im Machtapparat und dem restlichen Territorium von Daesh speist sich aber nicht aus irgendeiner strategischen Relevanz eines kleinen Dorfes, sondern in der islamistischen Eschatologie der Gruppe und der Bedeutung für ihre religiöse Doktrin.

Ohnehin gilt Sham/Großsyrien/Levante als ein bedeutender Ort für den islamistischen Narrativ, der durch verschiedene Ereignisse das Ende der Welt und Tag des jüngsten Gerichts einläuten wird, auch bekannt als „Yawm al Qiyamah“ (Tag des Wiedererwachens). Diese Ereignisse werden aber von unterschiedlichen Sekten & Richtungen verschieden bewertet, sowohl in ihrer Reihenfolge als auch in der Relevanz von einzelnen Individuen und Ereignissen. Der Grund darin liegt vor allem in der Quelle: Nicht der Koran sondern die Hadithe (Überlieferungen der Aussprüche und Handlungen des Propheten Mohammed) werden als Informationsquelle genutzt, welche unterschiedlich von ihrer Authentizität her bewertet werden. Während nicht nur Sunniten und Schiiten sich auf verschiedene Hadithe beziehen, herrscht zumindest in der Allgemeinheit die gleiche Ansicht; dass es zu einem großen Aufruhr im Levante vor dem Qiyamah kommen wird.

Einige Hadithe erwähnen dabei eine Person namens „Sufyani“, er soll der despotische Anführer des Banu Kalb-Stammes sein und Korruption in Syrien streuen und dabei Unschuldige töten und denunzieren. Er soll eine Armee schicken, die den prophezeiten Mahdi (Nachkomme des Propheten Mohammed) besiegen wird. Schiiten dagegen glauben an die Geburt des Sufyani als einen Tyrannen und Nachkommen von Abu Sufyan, dem Vater von Muawiya, welcher wiederum gegen den ersten Imam Ali (und laut Schiiten dem rechtmäßigen Nachfolger von Mohammed) kämpfte. Sunniten hingegen akzeptieren diese Beschreibungen des „Sufyani“ als unglaubwürdig und damit „daif“. Trotzdem glauben sie ebenfalls an einen Verfall & Korruption im Levante/Sham vor dem Tag des jüngsten Gerichts.

 Außerdem soll es zu einer großen Schlacht zwischen Muslimen und „Römern“ kommen, welche für beide Seiten und das Land äußerst brutal und verheerend sein soll. Am Ende soll die muslimische Armee unter großen Verlusten siegreich sein, ⅓ der Armee soll sterben, ⅓ soll desertieren und das letzte ⅓ wird Konstantinopel erobern und dort ausgelassen feiern, bis der Dajjal respektive Antichrist erscheinen wird. Trotz intensiver Versuche der Armee unterliegen sie dem Dajjal. Laut Sunniten soll an diesem Zeitpunkt Jesus vom Himmel absteigen und die Armee in der Schlacht gegen den Antichristen anführen und siegen. Nach dem Sieg wird er eine gerechte Regierung etablieren, kurz vor Qiyamah aber sterben. Zwölfer-Schiiten glauben dass der Mahdi, welcher in ihrer Tradition der 12. Imam Muhammad al Mahdi ist und 874 verschwand, sowohl Jesus als auch den Dajjal besiegen wird.
Ein weiteres Symbol des Qiyamah soll die Verwandlung des Wassers im Euphrat zu Gold werden, über welches viele Menschen kämpfen und sterben werden.
Die Relevanz des Ortes für Daesh ist hingegen eher ein aktuelleres Phänomen, die Gründe aber klar ersichtlich. Abgesehen davon dass man dadurch natürlich wesentlich mehr Rekruten anzieht existieren auch wesentlich banalere Gründe: Es sollte selbstverständlich für derartige Sekten und Gruppen wie Daesh sein, dass sie liebend gerne ein Weltuntergangsszenario für ihre propagandistischen Zwecke nutzen, sowohl innen- als auch außenpolitisch. Laut islamischer Tradition gibt es auch kleinere Zeichen für den Qiyamah, darunter Korruption in der Wirtschaft, Alkoholismus, exorbitante Preissteigerungen, Hedonismus und der Umgang mit verschiedenen Sexualitäten und -praktiken, z.B. Homosexualität. All dies wird als grundsätzlicher Werteverfall bewertet und damit auch vor allem im Hinblick auf Muslime im Westen ein Zeichen für den bevorstehenden Qiyamah.
Die Unruhen im Levante in Form des Syrischen Stellvertreterkrieges sind ebenfalls eine Bestätigung der Prophezeiung, die tyrannische Figur des „Sufyani“ kann je nach Interpretation in Bashar al-Assad wiedergefunden werden. Hinzu glauben viele Mitglieder daran, die muslimische Armee zu sein, die sowohl gegen den Antichristen als auch gegen die „römische Armee“ erfolgreich zu sein. Dementsprechend hohe Freude entwickelte sich auch bei der türkischen Intervention, da angeblich die römische Armee aus 80 Nationen besteht und Türkei nun mal Heimat von Istanbul/Konstantinopel ist.
Der Kontext der römischen Armee ist aus moderner Sichtweise hingegen schwierig, man könnte es grundlegend als Interpretation für den Westen deuten.
Daraus resultierend scheint es nur logisch, für Daesh sowohl in den Endzeiten zu leben als auch diese Offensichtlichkeit propagandistisch auszunutzen.
Am 16. Oktober 2016 verlor Daesh Dabiq bei minimalen Kämpfen an die Opposition. Die von der Türkei angeführte Koalition des „Euphrates Shield“ besteht primär aus sunnitischen Turkmenen und Arabern. Die Medien des Islamischen Staates sagen, dass die entschiedene Schlacht um Dabiq erst später anbrechen wird.

Erneut Kämpfe innerhalb von islamistischen Gruppen

Die salafistisch-jihadistische Jund al-Aqsa gerät in Kämpfe gegen die islamistische und zweitgrößte Oppositionsgruppe Ahrar al-Sham – erneut. Deren Auswirkungen und Gründe für das erneute Aufflammen eines wohl nicht enden wollenden Konfliktes.

Vor knapp einer Woche brachen erneut Grabenkämpfe zwischen Jund al-Aqsa und Ahrar al-Sham aus, der folgende Vorwurf lautete: Jund al-Aqsa (JaA) soll den führenden Kommandanten der Abo Dujana-Gruppierung, einer Untergruppe von Ahrar al-Sham (AaS), in al-Bara (Idlib-Provinz) entführt haben. Zum gleichen Zeitpunkt sollen mehrere Basen von AaS in Saraqib & Khan Sheikhoun angegriffen worden sein, laut Vorwürfen von AaS sollen daran auch mehrere Daesh-Schläferzellen mit Verbindungen zu Raqqa aktiv gewesen sein. Als Resultat warf AaS der JaA vor, Daesh-Schläferzellen in der Idlib-Provinz zu schützen und dabei die „Revolution“ zu verraten. Ebenfalls veröffentlichte AaS ein 24-stündiges Ultimatum, was die Freilassung der Gefangenen vorieht.

Daraus resultierend publizierte JaA ebenfalls ein Statement welches wiederum AaS vorwirft, mehrere JaA-Kämpfer zu entführen und damit die wichtige Offensive in Nordhama zu unterbrechen, wo JaA die Speerspitze bildet. Die Zeichen standen also – erneut – auf eine höchstmögliche Eskalation beider Fraktionen, beide warfen sich gegenseitig die Entführung von Mitgliedern vor, JaA griff mehrere Basen an. Auch die verzweifelten Versuche von verschiedenen Schariakomitees eine Schlichtung zu vollführen waren nicht von Erfolg geprägt. Alle Zeichen deuteten auf Krieg.

Die quantitativ und qualitativ unterlegene JaA (eine eher mittelgroße Oppositionsgruppe) konnte zu Beginn bis auf einige weitere Entführungen (z.B. in Kafr Sajna oder al-Tulaysiyah ), Ermordungen von einigen Kommandanten der AaS (zweitgrößte Oppositionsgruppe) und kleineren Scharmützeln vor AaS-Basen keine besonderen Erfolge verzeichnen, sie wurde nach einigen Tagen in Marat al-Numan, Al-Hamdaniya, Jarjanaz, Sarmada, Al-Mastouma, Kafrouma und Sarmin zurückgedrängt. Die Unterlegenheit konnte JaA aber mit ihren Radikalismus wett machen: Als Reaktion darauf entführte man weitere AaS-Mitglieder in Kafrsejna, Maarzita, Saraqib, Kafrsejna und verursachte angeblich ein Massaker vor einem Krankenhaus in der Hama-Provinz: Über 30 Kämpfer von Ahrar al-Sham sollen dabei ermordet worden sein. JaA konzentrierte sich danach eher auf das Zentrum von Idlib, zog sich aus weniger relevanten Positionen wie in Sukayk & Saraqib zurück.

Aus anfänglichen Verlusten wurden durchaus auch Erfolge, so wurde der AaS-Kommandant der Hama-Region Abu Abdullah bei einem Überfall in Jabal Zawiyah (Idlib) getötet, Abo Osama Jedraya als Anführer des „Abo Talha al-Ansari Battalion“ in Adlin und Ali Hilal al-Ahmad in Saraqib ermordet, alles dank Schläferzellen und Unterstützung in besonders radikalen Teilen der Opposition. Verschiedene Checkpoints wie in Kafranabel oder al-Tulaysiyah wurden erobert. Dennoch gab es am selben Tag auch Rückschritte, so wurde der Anführer des „Ja’far al-Tayyar Battalion“ Mohamad Abo Hashem in Miri festgenommen. Ebenfalls fand AaS mehrere gestohlene Kunstschätze in einigen JaA-Basen. Auch hatte man Desertationen sowohl nach Jaysh al-Fateh (z.B. vom Pressesprecher der Gruppe Abu Abdullah) als auch angeblich von 75 bis 100 Kämpfern nach Daesh zu beklagen; immerhin war JaA weiterhin die Gruppierung mit einem höchstmöglich radikalen Profil und den guten Verbindungen zu Daesh, wie bereits ähnlich hier niedergeschrieben wurde. Außerdem erhöhte sich ebenfalls der Druck von Seiten der Regierung, in der Zwischenzeit organisierte sich die Syrisch-Arabische Armee (SAA) neu und konnten mithilfe der Tiger Forces eine Gegenoffensive einleiten und dabei verschiedene Dörfer im Osten einnehmen, darunter Ma’an oder Kawkab, worunter auch einige JaA-Kommandanten wie Hanan Abo al-Leith starben.

Letzten Endes war der entschiedene Faktor dennoch die verschiedenen Oppositionsgruppen und deren Umgang mit dem Konflikt; von den bereits angesprochenen Schariakomitees gab es ebenfalls auch einige Zivilgruppen und weitere militärische Fraktionen die sich alle recht einseitig auf Seiten von Ahrar al-Sham stellten. Jabhat Fateh al-Sham (JFS) aka al-Nusra als dominierende Macht agierte in dem Falle als objektiver Vermittler beider Rollen, verschiedene Schariakomitees  (besonders die mit Einfluss von AaS) riefen eine „Fatwa“ gegenüber JaA aus. Verschiedene Gruppen organisierten Proteste der „Bevölkerung“ gegen die inneren Grabenkämpfe.

Die restlichen Oppositionsparteien involvierten sich recht schnell, Faylaq al-Sham13th Division halfen AaS bei Angriffen in Saraqib. Weitere Gruppen wie Jaysh al-Tahrir, Suqor al-Sham (welche wiederum später von JFS in Ariha angegriffen wurden dafür), Fastaqem Kama Umirt,  Jaish al-Mujahideen, das zweitgrößte Aleppo-Bündnis Fateh Halab und 15 weitere Oppositionsgruppen (u.a. al-Zenki, Jaish al-Islam, Faylaq al-Sham) stellten sich offiziell in der Angelegenheit auf der Seite von Ahrar al-Sham.

Nachdem also die Kräfteverhältnisse für alle beteiligten Seiten offensichtlich waren und JaA in ihrer letzten großen Bastion in Idlib (Sarmin) von Ahrar al-Sham belagert wurde kam es zu einer interessanten Entwicklung, die den Kreis der Entwicklung von Jund al-Aqsa erneut schließt: JaA  schwor als letzten Ausweg seine Treue zu JFS, der Gruppe wo sie sich vor rund 3 Jahren losgelöst haben. Dem Treueeid (Bay’ah) sollen rund die Hälfte der ehemaligen Größe (geschätzte ~1.600 Kämpfer) gefolgt sein. Als Reaktion darauf veröffentlichte angeblich Ahrar al-Sham ein Pressestatement welches diesem Deal zustimmt, solange man nun aufhöre Daesh-Schläferzellen zu unterstützen und „Kriminelle“ an die jeweiligen Schariagerichte übergebe.

Die Au­then­ti­zi­tät dieses Papiers wird aber angezweifelt, es soll sich maximal nur um ein Positionspapier niedrigerer Kommandanten handeln. Pressesprecher von Ahrar al-Sham Abo Yusuf al-Muhajir sagte hingegen dass man diesen „Bay’ah“ nicht akzeptieren werde und weiterhin entschlossen gegen JaA kämpfen wird. Weiterhin sagten auch weitere Gruppen, dass es sich hierbei um einen „Verrat“ von JFS handelt und man diese Verhandlungen nicht akzeptieren wird. Kurz danach attackierte AaS in Sarmin, Hish & al-Nayrab. Die Beziehungen schienen sich zu verschlechtern, als man erneut einen Diplomatieversuch unter der Obhut von JFS startete. Es kam zu gegenseitigen Zugeständnissen: JFS beteuerte dass es bei dem Treueschwur nur um Mitglieder handelt die nicht aktiv an den Kämpfen teilnehmen (ergo nicht die gesamte Gruppierung) und dafür es zu gegenseitigen Entlassung von Gefangenen kommt. 2 Tage später wurden auch 57 Gefangene gegenseitig ausgetauscht/entlassen.

Nachdem scheint sich die Situation wieder abgekühlt zu haben, es kommt angeblich weiterhin zu sporadischen Plänkeleien in Idlib, Diese sollten sich aber schnell von selber auflösen. Dieser Konflikt war wohl nicht nur die größte Eskalation zwischen Ahrar al-Sham & Jund al-Aqsa, sondern auch stärkstes Überbleibsel von der Bewertung vom Umgang mit Daesh, nachdem Daesh sich 2013 unabhängig erklärt hatte. Während Jund al-Aqsa sie weiterhin als ideologischen Verbündeten ansehen, sieht der Rest der Opposition sie weiterhin als machtpolitischen Gegner trotz fehlender, ideologischer Differenzen.  Außerdem war es auch eine Zerreißprobe für die Beziehungen zwischen Ahrar al-Sham und Jabhat Fateh al-Sham, die größten Gruppen und Mitglieder im größten Oppositionsbündnis Jaysh al-Fateh. Eine für ehemalig gar nicht unwahrscheinlich gehaltene Fusion beider Gruppen rückt dadurch in die Ferne. Größer Nutznießer kurz- und langfristig wird die syrische Regierung sein. Und ein Einblick auf ein Nachkriegssyrien, wo die Opposition gewinnen würde.