Mosul-Offensive gestartet

 

Nachdem bereits 2 Tage zuvor von einem angeblichen Beginn der Mosul-Offensive durch türkische und kurdische Medienhäuser berichtet wurde, ist der Beginn am 17. Oktober nun offiziell: Der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi und das irakische Verteidigungsministerium verkünden die Operation zur Befreiung von Mosul. Mosul ist die letzte große Stadt und Provinz im Norden des Iraks, die sich fest in der Hand des Islamischen Staates/Daesh befindet und damit auch aufgrund sehr geringen Widerstandes 2014 als Hochburg angesehen wird.

Den Start der Operation soll schweres Artilleriefeuer unter primärer Führung der US-Armee begonnen haben mit dem Ziel, Positionen von Daesh im Süden und Westen der Stadt zu zerstören. Außerdem gibt es Berichte von mehreren Luftangriffen der irakischen Luftwaffe. Insgesamt sollen laut irakischen Quellen 65.000 Soldaten der irakischen Armee unterteilt in 6 Divisionen, 10.000 Soldaten der Peschmerga und 24.000 weitere Unterstützungseinheiten von verschiedenen „Polizeimilizen“ gegen die 5.000 Daesh-Kämpfer in der Stadt antreten. Dabei sollen weiterhin rund 1,3 Millionen Zivilisten sich noch in Mosul befinden.

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Situation um Aleppo

Die erst in einer Operation im März eroberten Gebiete um die große Luftbasis und Stadt al-Qayyarah südlich von Mosul ist das „Absprungbrett“ der irakischen Armee, von hier aus soll die primäre Streitkraft agieren, allen voran 13 Regimenter des „Antiterrorismus-Direktorat“, die 37. Armee-Brigade, 9. Panzerbrigade (ausgestattet mit Abrams) und die „Goldene Division“ der Irakischen Armee. Die Führung unternimmt dabei Abd Al Wahhab Al Saidy, welcher ebenfalls für die Rückeroberung von Fallujah, Tilrit und den Baiji-Raffinieren verantwortlich war.

Westlich haben sich die 15. & 16. Brigade der Armee und zwei weitere Antiterrorismus-Brigaden bereitgestellt.

Den gesamten Norden wiederum deckt die Peschmerga mithilfe verschiedener Milizen ab, darunter schiitische Milizen wie al-Hashd al-Shaabi oder christliche Milizen wie z.B. al-Hashd al-Masehi. al-Hashd al-Shaabi soll bereits in den letzten Tagen insgesamt 14 Kämpfer verloren haben, nachdem Diese von Katyusha-Raketen auf Camp Zilkan angegriffen wurden.

Weitere Gruppierungen die ebenfalls involviert, deren genaue Position aber unbekannt sind, sind u.a. Afar-Brigade, Federal Police, al-Asheari, al-Watani, „Rapid Reaction Brigade“, der militärische Arm der Badr-Organisation, PKK, YBS, assyrische NPU und verschiedene Milizen der PMU.

Türkei unerwünscht

Dem Beginn der Operation gehen mehrere Zerwürfnisse zwischen der Türkei und dem irakischen Parlament, schiitischen Milizen und der PKK nahe stehende Organisationen hervor, welche alle die Beteiligung der jeweilig anderen Seite kritisch sehen. Da die Türkei auf irakischen Boden lediglich von der kurdischen KDP bzw. dem Bahrzani-Clan und nicht der irakischen Regierung eingeladen wurde, sorgte dies stets für Unbehagen in Bagdad. In den kritischen Zeiten rief sowohl Ministerpräsident Abadi als auch das Parlament die Türkei dazu auf, ihre Militärbasis in Bashiqa zu räumen. Selbiges galt für die finanzierten und ausgerüsteten „Ninaveh-Garden“ der türkischen Armee.

Erdogan schien für diese Forderungen nur ein müdes Lächeln übrig zu haben und polterte mit mehreren Forderungen, sowohl die PKK als auch schiitische Milizen von der Offensive fernzuhalten. Die wohl verrückteste Aussage hingegen: Nur noch sunnitische Araber, Turkmenen und Kurden sollten in Mosul verbleiben. Außerdem beanspruchte Erdogan mit 700 türkischen Soldaten ebenfalls in der Operation aktiv zu sein. Die PMU bezeichnete solche Politik als rassistisch, diskriminierend und religiös-konfessionell. Nach der vorgeworfenen Kritik legte Erdogan an aggressiver Rhetorik zu und warnte vor Konsequenzen und „Übergang zu Plan B oder C“, falls die Türkei nicht beteiligt sei.

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Irakischer Soldat im Süden Mosuls

Rebellion in Mosul niedergeschlagen

Währenddessen kam es innerhalb der Stadt vor wenigen Tagen auch zu einem Protest der Bevölkerung, als die Befreiung der zweitgrößten Stadt näher rückte. Diese wurde aber frühzeitig aufgedeckt und 58 angebliche Mitglieder & Drahtzieher der Verschwörung wurden durch Ertrinken hingerichtet. Darunter sollen auch einige ranghohe Mitglieder von Daesh gewesen sein, die Beziehungen zu al-Baghdadi pflegten. Viele sehen dies als Zeichen für innere Zerwürfnisse und den Untergang von Daesh zumindest im Irak an, die fehlende Unterstützung der Bevölkerung ist ebenfalls ein Faktor.

Nicht nur deswegen rief Daesh auch den Ausnahmezustand in der Stadt aus, viele Autoreifen und Ölfelder wurden als Reaktion in Brand gesetzt um feindlichen Flugzeugen die Sicht zu erschweren. Auch soll die westliche Seite der Stadt aus unbekannten Gründen größtenteils geräumt sein und viele Teile der Stadt mit improvisierten Sprengstoff (IED’s) bestückt worden sein.

Russische Medien werfen USA & Saudi-Arabien freies Geleit für Daesh nach Syrien vor

Außerdem warfen mehrere russische Staatsmedien derweil Saudi-Arabien und der USA vor, freies Geleit für 9.000 Daesh-Kämpfer von Mosul nach Syrien anzubieten mit dem Ziel, sich für eine Großoffensive auf Deir ez-Zor und Palmyra vorzubereiten und damit die syrische Regierung zu bekämpfen respektive deren Pläne für einen Regime Change zu unterstützen. Angeblich sollen bereits vor Start der Operation 35 Fahrzeuge Mosul in Richtung Raqqa verlassen haben. Davon sollen primär VIP’s und deren Familien transportiert worden sein, viele Daesh-Mitglieder stammen aus regionalen Stämmen und wollen Mosul nicht einfach aufgeben.

 

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