Wer ist an den neuen Friedensverhandlungen beteiligt?

Am 23. Januar sollen sich im Kontext der türkisch-russischen Waffenruhe (mit Ausnahmen) die verschiedenen Interessengruppen in Astana (Kasachstan) treffen, um einen gemeinsamen Friedensprozess auszuhandeln, ein politischer Deal ist nicht das Ziel dieser Gespräche. Welche Gruppen sind an der Waffenruhe beteiligt um einen wirklichen Frieden durchzusetzen, oder wird ein Frieden überhaupt möglich sein?

Insgesamt sind alle Nationen zu den Verhandlungen eingeladen, insofern sie irgendeinen Fuß im Stellvertreterkrieg in Syrien haben. Als Hauptinitiatoren der Verhandlungen sind Russland und die Türkei an Bord, Saudi-Arabien oder die USA sind ebenfalls dazu eingeladen. Wesentlich interessanter aber sind die syrische Gruppierungen, die dort involviert bzw. abwesend sind. Anwesende Länder sind Syrien, Iran, Türkei und Russland. Das irakische Kurdistan und die Turkmenen schicken ebenfalls eine Delegation, die USA erscheint nur mit ihren kasachischen Botschafter als Beobachter.

Ablehnende Gruppen:

  • Ahrar al-Sham
  • Faylaq al-Rahman
  • Harakat Nour al-Din al-Zenki
  • Thuwar al-Sham
  • Jaysh Idlib
  • Jaysh al-Mujahideen
  • Jabhat Fateh al-Sham
  • Jund al-Aqsa

Zustimmende Gruppen:

  • Faylaq al-Sham
  • Sultan Murad
  • Sham Front
  • Jaysh al-Izza
  • Jaysh al-Nasr
  • 1st Coastal Division
  • Liwa Shuhada al-Islam
  • Fastaqem Union
  • Jaysh al-Islam
  • Soqour al-Sham
  • FSA Southern Front

Auffällig sind zwei Dinge: Zunächst sind die meisten zustimmenden Fraktionen in der türkischen Offensive „Euphrates Shield“ im Norden Syriens involviert, die aktiv bei al-Bab gegen den Islamischen Staat kämpfen. Diese kämpfen insofern auch nicht aktiv, oder zumindest in sekundärer Weise, gegen die syrische Regierung, was eine solche Waffenruhe vereinfacht. Der zweite Punkt ist für den Erfolg der Waffenruhe aber wesentlich entscheidender: Die zwei größten Fraktionen (Jabhat Fateh al-Sham und Ahrar al-Sham) lehnen den Deal kategorisch ab, immerhin werde er als „Verrat an der Revolution“ gesehen. Solche Ereignisse gibt es oft in kleinerer Dimension: Wenn Kämpfer im Kontext von verschiedenen Verträgen nach Idlib transportiert werden, werden einige dieser Kämpfer auf „mysteriöse Weise“ tot entdeckt. So z.B. wurde ein FSA-Kommandat aus Darayya bei Damaskus nahe der türkischen Grenze tot aufgefunden. Der Grund: Er soll in einem Fluss ertrunken sein.

Diplomatische und militärische Vertreter der jeweiligen Gruppierungen schicken folgende Diplomaten in die Verhandlungen:

Vertreter der Regierung: 

  • Bashar al-Jafaari, UN-Botschafter für Syrien in den Vereinten Nationen
  • Ahmed Arnous, Vertreter des Außenministeriums
  • Riad Haddad, Syrischer Botschafter in Moskau
  • Ahmed al-Kuzbari, Syrischer Parlamentarier
  • Haidar Ali Ahmed, Diplomat
  • Osama Ali, Syrisches Außenministerium
  • Amjad Elissa, Syrisches Außenministerium
  • 3 weitere Militärs

Vertreter der Opposition:

  • Mohammed Alloush, Verhandlungsführer & von Jaysh al-Islam
  • Yasser Abderrahim, Faylaq al-Sham
  • Mondher Seyras, Faylaq al-Sham
  • Said Neqrash, Liwa Shuhada al-Islam
  • Hossam Yassin, Sham Front
  • Mustafa Birou, Fastaqim Union
  • Ahmed Sultan, Sultan Murad
  • Mamoun Hajj Mustafa, Soqur al-Sham

Vertreter der politischen Opposition:

  • Abelkahim Bashar
  • Nadhir al-Hakim
  • Nasser al-Hariri
  • Osama Abu Zaid
  • Yahia al-Aridi
  • Hisham Marwa
  • Khaled Shehabiddine
  • Ammar Tebbab

 

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Mohammed Alloush

Die Delegation der Opposition besteht vor allem aus unbekannten Personen, die zuvor nicht ins Rampenlicht getreten sind. Die diplomatische Opposition hingegen spielt keinerlei Rolle für die faktische Situation in Syrien und wird dementsprechend auch keine relevante Position in den Gesprächen einnehmen.

Als wirklich erwähnenswerte Person gilt Mohammed Alloush, Stellvertreter für Jaysh al-Islam und ehemaliger Verhandlungsführer für die Friedensgespräche der UN in der Schweiz, die mehrmals scheiterten.

Mohammed Alloush ist der Bruder von Zahran Alloush, ehemaliger militärischer Führer von Jaysh al-Islam, welcher am 24. Dezember 2015 durch einen russischen Luftschlag in Ost-Ghouta getötet wurde. Zuvor galt er als „charismatische Führungsperson“, die vom Westen als Nachfolger als syrischer Präsident gehandelt wurde. Nichtsdestotrotz zeigte er in verschiedenen Interviews ganz klar eine islamistisch-extremistische Position in vielen verschiedenen Fragen, z.B. wollte er die Alawiten ermorden und ein typisches Kalifat errichten.

Sein Bruder tätigt solche Aussagen alleine aufgrund seiner diplomatischen Rolle nicht, aber auch er bewies wenig Fingerspitzengefühl in den Verhandlungen: Mitten in der ersten amerikanisch-russischen Waffenruhe zu Beginn des Jahres 2016 forderte er oppositionelle Kämpfer dazu auf, weiterhin gegen die Armee zu kämpfen (siehe Tweet). Seine „Erfolgskarriere“ in den verschiedenen UN-Friedensgesprächen in der Schweiz sollten ein böses Omen für den Ausgang des Versuches dieser Verhandlungen sein, nicht umsonst trat er später mitten in den Genf-Gesprächen aus der Delegation aus, einfach weil sie keinen Erfolg erzielten.

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