Syrische Armee vertreibt Daesh bei al-Bab und erreicht kurdische Kantone

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Einheiten der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) unter der Führung von Suleil al-Hassan und seinen „Tiger Forces“ konnten in den vergangenen Stunden symbolisch wichtige Eroberungen verzeichnen. In einem Blitzangriff konnten in den vergangenen Tagen die Dörfer Umm Kahraz, Berazi, Majmuah, Natabah Kahbira, Sagihra, Jub al-Sultan, Jub al-Hamam, Mushayrifah, Zuzurah, Jayiah, Khirbat ad-Zib und Jub al-Khafi erobert werden.

Dieser Blitzangriff bedeutete einige, wichtige Faktoren: Einerseits wird ein weiteres Vordringen der türkisch-oppositionellen Operation „Euphrates Shield“ in Richtung Süden verhindert, wie es Erdogan des öfteren angekündigt hat (und auch die Aussage öfters verneint hat). Dabei ist es aber eher eine „präventive Sicherheitsmaßnahme“, da nach den äußerst verlustreichen Kämpfen in und um al-Bab wohl keinerlei Interesse an weiteren Abenteuern in Richtung Süden besteht. Auf der anderen Seite wird damit Handel und Schmuggel zwischen den von der Türkei unterstützten Gruppen (TBF) und Daesh entscheidend gestört.Gerüchten zufolge waren ursprünglich Tadef und Qabasin als solche Orte vereinbart, wurden aber dennoch später erobert. Beide Seiten können auf eine langjährige Tradition des Handelns zurückblicken, solange es zum eigenen Vorteil (gegen die andere Seite) ist. Unabhängig davon wurde mit der Eroberung von al-Bab und dem vollständigen zunichte machen der Verbindung der beiden kurdischen bzw. SDF-Kantone das Hauptziel der Operation erfüllt. Auch dies ermöglicht es, mehr Kapazitäten der TBF und türkischen Armee auf den „Anti-Terrorkampf“ gegen die SDF zu konzentrieren.

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SAA in Tadef

Trotz türkischen Willens, eine Demarkationslinie bei al-Bab zu errichten und eine Waffenruhe zu initiieren, kam es zu einigen Kämpfen entlang des M4-Highways bei al-Bab. Dabei versuchte die TBF, die Stadt Tadef zu erobern. Die Angriffe waren eine einseitige Eskalation, die SAA schoss nicht zurück. Inzwischen beruhigte sich die Lage ohne Territorialveränderungen.

Die SAA konnte mit dieser militärischen Aktion unter anderem einen Kessel von mehreren Dörfern südöstlich von al-Bab erschaffen, in dem sich noch einige Kämpfer des Islamischen Staates aufhalten sollen. Eroberungen innerhalb des Kessels werden aber nicht von der SAA getätigt, sondern lediglich von der TBF, die im vergangenen Zeitraum die Dörfer Sukkayriah, Jubb Nassane und Zammar erobern konnten. Die Prioritäten der SAA scheinen weiterhin im Süden zu liegen, den 23km entfernten Euphrat zu erreichen und damit die Wasserverbindung für Aleppo zu sichern.

Außerdem besitzt die SDF und SAA nun eine gegenseitige Verbindung, die einen Transport von Damaskus bis nach Qamishli ermöglicht, welches positiv für beide Seiten ausfallen würde. Auf der einen Seite kann die SDF nun ungefährlicher die anderen Gebiete in Afrin und das Viertel in Aleppo Sheikh Maqsoud besuchen, der syrischen Regierung ist hingegen Zugang zu Qamishli, Hasakah und teilweise Deir ez-Zor ermöglicht. Auch Handelsbeziehungen könnten sich intensivieren: Das von der SDF gehaltene Nordsyrien besitzt weite Ackerflächen, besitzen aber kaum nötiges Saatgut. Dies könnte die syrische Regierung bereitstellen, dafür könnten die Elektrizitätsimporte erhöht werden, die meisten Orte haben nur wenige Stunden Strom am Tag. Ein Pressesprecher äußerte sich bereits über diese Fortschritte positiv.

 

Armee erobert mehrere Dörfer vom IS

 

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Ältere Karte zeigt Situation bei Deir Hafer

Die Syrisch-Arabische Armee (SAA) unter dem Kommando der legendären „Tiger Forces“ und Suleil al-Hassan konnten in den vergangenen Tagen  weitere Dörfer vom Islamischen Staat erobern, welche sich allesamt im Osten der Provinz Aleppo befinden. Diese Orte sind Rasm al-Ramel, Tayyar Hamadah,  Rasm Harmal, Rasm al-Sheikh und Mazburah. Damit ist die strategisch wichtige Stadt Deir Hafer mehr, oder weniger von drei Seiten aus umkreist, welches von wichtiger Bedeutung für die zukünftige Schlacht werden wird. Bisher setzte man aber noch keinen Fuß über den Wasserkanal in der Region, der die Stadt Aleppo mit frischen Trinkwasser aus dem Euphrat versorgt. Er soll vom Islamischen Staat vollständig gefüllt worden sein, damit weitere Vorstöße verhindern werden können.

Den zukünftigen Einfluss von den geflohenen IS-Kämpfern aus al-Bab, Qabasun und Bzaah ist unklar, höchst wahrscheinlich werden sie aber weiterhin in der Provinz Aleppo operieren. Alternativ können sie für die aufkommende Schlacht von Raqqah eingesetzt werden.

Irak erlaubt Bombardierungen in Syrien

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Der irakische Ministerpräsident al-Abadi ordnete der irakische Luftwaffe an, Ziele und „Hochburgen“ des Islamischen Staates in Syrien angreifen zu können. In seiner Rede baute er einen Zusammenhang zu den ständigen Bombenanschlägen in Bagdad auf, die ihre Basen in syrischen Grenzstädten hätten.

„Wir sind dazu entschlossen Terrorismus zu verfolgen, welcher versucht unsere Söhne und Einwohner zu töten. Deswegen ordneten wir Luftanschläge auf die syrischen Grenzstädte Abu Kamal und Hosaiba an, die für die vorherigen Anschläge verantwortlich sind.“

Berichten zufolge waren die ersten Luftschläge erfolgreich. Eine Koordination mit anderen Ländern in Syrien bzw. die syrische Regierung selber ist ungeklärt, laut der PMU hatte die Regierung aber die Öffnung des syrischen Luftraumes erlaubt.

Türkische Offensive erobert vollständig al-Bab

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Vor wenigen Stunden verkündeten verschiedene Gruppierungen der türkischen Operation „Euphrates Shield“ im Norden Syriens die vollständige Eroberung von al-Bab. Die Stadt war das langfristige Ziel der Türkei, eine Vereinigung der kurdischen bzw. SDF-Kantone (Afrin im Westen, Manbij im Osten) im Norden zu verhindern. Dieses Ziel wurde durch enorme Verlusten, einem Imageschaden und großen Zeitaufwand erreicht.

 

Syrische Milizen veröffentlichten Bilder die zeigen, wie sich eigene Kämpfer im Zentrum und im Süden der Stadt aufhalten, wie z.B. dieses Bild auf diesem Platz aufgenommen wurde. Besonders eindrucksvoll/erstaunlich ist auch der Fortschritt innerhalb eines Tages, während gestern noch die Mehrheit der Stadt vom Islamischen Staat kontrolliert wurde, verloren sie es in nur wenigen Stunden alles. Am 22. Februar konnte man hingegen die Gebiete erobern, die man wiederum wenige Tage zuvor aufgrund einer Gegenoffensive des IS fast vollständig abtreten musste. Darunter fallen im Süden die Viertel al-Qubila, al-Zamzam und al-Salam, die Getreidesilos, Teile des Sportzentrums und des Ba’ath-Gebäudes. Im Norden in der Umgebung von Sheikh Aqil konnte hingegen die Fatimah-Zaid-Moschee zurückerobert werden. Zeitweise sah es sogar so aus, als müsste sich die TFSA („Türkische FSA“) nach ihrem ersten Vorstoß vollständig aus der Stadt zurückziehen. Ein brutaler Häuserkampf im Zentrum drohte.

Doch dann zog sich scheinbar der Islamische Staat in den Morgenstunden aus der Stadt vollkommen zurück, der exakte Grund ist aufgrund der militärisch vorteilhaften Position nicht nachvollziehbar. Vielleicht wollte man die durchaus teuren Kämpfe in al-Bab langfristig sparen, „Euphrates Shield“ wird trotz großer Träumereien von der Eroberung Raqqahs nicht weiter gegen den IS vordringen und sich den Kurden und der syrischen Regierung widmen.

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Karte des Territoriums, welches Euphrates Shield bisher erobern hatte

 

Die Schlacht um al-Bab dauerte von Mitte Dezember bis Mitte Februar und war äußerst zermürbend. Einige Personen bezeichneten die Kämpfe im Norden der Provinz Aleppo als „Ping-Pong“, da die türkisch-oppositionelle Operation genauso schnell Gebiete erobern konnte, wie es verloren wurde. Ein Beispiel: Das kleine Dorf Suflaniyah wurde erst beim 14. (sic!) Versuch erobert. Dieses Bild bestätigte sich vor allem auch bei den Kämpfen um die Aqil-Berge und dem südwestlichen Stadteingang, die letztendlich über 3 Monate andauerten. In Aqil verlor die türkische Armee ihre ersten Leopard 2A4-Panzer, insgesamt häuften sich die getöteten, türkischen Soldaten auf knapp 70 in der gesamten Operation. Auf den Seiten der syrischen Milizen gab es angeblich über 500 Tote. Für die türkische Armee war die gesamte Operation eine reine Blamage, nicht nur konnten die lange andauernden Kämpfe gegen die wohl größte europäische NATO-Macht vom IS gewinnbringend propagandistisch verwertet werden, große Mengen an moderneren Kriegsgerät wurden zerstört, oder erobert. Erdogan selber lies in seinen Mitteilungen bezüglich der Operation einen roten Faden vermissen: An einem Tage wolle man bis nach Raqqah vordringen und die YPG bekämpfen, an anderen Tagen möchte man nicht weiter als bis nach al-Bab gehen.

Verschiedene Generäle (siehe erstes Bild) verkündeten zur gleichen Zeit auch das nächste Ziel der Operation: Tadef, Qabasin und Bzaah vollständig zu erobern. Die drei Städte östlich von al-Bab sind ebenfalls seit mindestens 3 Monaten die aktive Front, nach mehrmaligen Versuchen sind jedoch alle Eroberungsversuche gescheitert. Im gleichen Zeitraum konnte die SDF die wesentlich größere Stadt Manbij vollständig erobern. Aufgrund der strategisch kritischen Position von Qabasin kamen auch Gerüchte auf, die FSA und Daesh würden dort gegenseitig Waffen etc. tauschen, weswegen der Ort niemals wirklich angegriffen wurde. Das darauf folgende Ziel könnten in dem Falle verschiedene Territorien der SDF/YPG werden, namentlich Manbij und Tel Rifaat. Während die SDF in Manbij direkt zu Beginn bis zum Sajur-Fluss zurückgedrängt wurde, ist die SDF in Tel Rifaat/Manbij seit jeher türkischer Artillerie und Luftschlägen ausgesetzt. Bisher waren allen Angriffe wirkungslos und konnten zurückgeschlagen werde.

Siehe auch: Welche Gruppen sind in der Operation „Euphrates Shield“ beteiligt?

Armee erobert Gebiet westlich von Aleppo

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Am Mittwoch startete die Syrisch-Arabische Armee (SAA) und die Republikanischen Garden eine Überraschungsangriff auf oppositionelle Verteidigungsstellungen südwestlich der Stadt Aleppo in der gleichnamigen Provinz. Dabei konnte das urbane Gebiet namens „Souq al-Jibs„vollständig zurückerobern, welches zuvor bei dem ersten Versuch erobert wurde, die Belagerung von Ost-Aleppo aufzuheben.

Durch diese Erweiterung der Pufferzone wird weiterer Beschuss auf die Stadt Aleppo minimiert, verschiedene Rashideen-Viertel sind damit nun unter Druck gesetzt. Der vorherige Artilleriebeschuss kostete vor einigen Wochen einem Mitarbeiter des Roten Halbmondes das Leben, 7 Weitere wurden verletzt.

 

Welche Gruppen sind in der Operation „Euphrates Shield“ beteiligt?

 

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Hamzaa Division vor dem Krankenhaus in al-Bab

Hierbei handelt es sich um eine Fortführung der Liste, welche zu Beginn der Operation „Euphrates Shield“ am 24. August erstellt wurde. Rein statistisch hat sich die Anzahl der Gruppierungen fast verdoppelt, was sich aber weniger in der Kampfkraft ausdrückt. Aus den geschätzten Personalstärken ergibt sich allem ein klares Bild: Die Türkische Armee spielt eine immer stärker werdende Rolle, sowohl quantitativ als auch qualitativ.

Die dort präsenten Oppositionsgruppen zeigen eine Kontinuität einer fehlenden militärischen Kampfkraft, seit Mitte Dezember konnte man keine besonderen Geländegewinne erzielen. Im gleichen Zeitraum konnte die YPG/SDF die wesentlich größere Stadt Manbij weiter östlich vollständig erobern. In sonstigen Oppositionskreisen sind alle dortigen Mitglieder äußerst unbeliebt, nicht nur werden sie (vor allem in Idlib) als Marionetten für türkische/imperialistische Interessen gesehen und als reine Söldner, die nur für das Geld der Türkei arbeiten. Ihnen wird auch oft Verrat vorgeworfen, einerseits durch ihr Erscheinen an den Astana-Friedensgespräche und ihr fehlenden Beteiligung bei dem letzten Versuch, die Belagerung von Ost-Aleppo aufzubrechen.

 

Ungesicherte Bestätigung/minimale Präsenz:

  • 30th Division
  • Liwa al-Fateh
  • Ahrar Tal Rifat
  • 1st Division of Aleppo
  • Brigade of Conquest
  • Turkem Martyrs‘ Battalion
  • Descendants of Saladin Brigade

IS startet Überraschungsoffensive auf oppositionelle Positionen in Dara’a

 

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Montag morgens startete die zum Islamischen Staat gehörende Miliz „Jaysh Khalid bin Walid“eine Blitzangriff auf verschiedene Städte der Opposition in den Provinzen Quneitra und Dara’a. In dieser Operation wurden bisher innerhalb eines Tages die Städte & Dörfer  Hayt, Sham al Jawlan, Tasil, Adwan, Kafr Tamir, Jallayn, Al Ashari und Zayzun erobert. Die dortigen Positionen werden vor allem von Tahrir al-Sham (ehemals bekannt als Jabhat Fateh al-Sham, oder Jabhat al-Nusra) bemannt, die aber in den vergangenen Wochen eine Offensive auf Regierungspositionen gestartet hatte und sich damit auf die Stadt Dara’a konzentriert.Die dortigen Kämpfe waren für Tahrir al-Sham und verbündete FSA-Milizen äußerst verlustreich und relativ erfolglos, nachdem seit Wochen nur wenige Gebäude im Manshiyah-Viertel erobert wurden. Das Resultat einer solchen Prioritätensetzung nach monatelangen Frieden und Ruhe an dieser Front ist nun offensichtlich.

Dennoch ist ein solcher Blitzangriff mit enormen Gebietserweiterungen keine Seltenheit in der Region, exakt das gleiche Ereignis gab es im März des letzten Jahres zu sehen. Diese Eroberungen waren aber nur ein kurzfristiger Achtungserfolg, wenig später wurden alle Gebiete zurückerobert und die Grenzen verliefen wieder an ihren Ursprungspositionen. Aufgrund der weiterhin anhaltenden und teuren Offensive auf die Opposition könnte sich dieser Eindruck gewandelt haben, vor allem nachdem Jordanien immer weniger die dortigen Rebellen unterstützt.