Türkische Offensive erobert vollständig al-Bab

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Vor wenigen Stunden verkündeten verschiedene Gruppierungen der türkischen Operation „Euphrates Shield“ im Norden Syriens die vollständige Eroberung von al-Bab. Die Stadt war das langfristige Ziel der Türkei, eine Vereinigung der kurdischen bzw. SDF-Kantone (Afrin im Westen, Manbij im Osten) im Norden zu verhindern. Dieses Ziel wurde durch enorme Verlusten, einem Imageschaden und großen Zeitaufwand erreicht.

 

Syrische Milizen veröffentlichten Bilder die zeigen, wie sich eigene Kämpfer im Zentrum und im Süden der Stadt aufhalten, wie z.B. dieses Bild auf diesem Platz aufgenommen wurde. Besonders eindrucksvoll/erstaunlich ist auch der Fortschritt innerhalb eines Tages, während gestern noch die Mehrheit der Stadt vom Islamischen Staat kontrolliert wurde, verloren sie es in nur wenigen Stunden alles. Am 22. Februar konnte man hingegen die Gebiete erobern, die man wiederum wenige Tage zuvor aufgrund einer Gegenoffensive des IS fast vollständig abtreten musste. Darunter fallen im Süden die Viertel al-Qubila, al-Zamzam und al-Salam, die Getreidesilos, Teile des Sportzentrums und des Ba’ath-Gebäudes. Im Norden in der Umgebung von Sheikh Aqil konnte hingegen die Fatimah-Zaid-Moschee zurückerobert werden. Zeitweise sah es sogar so aus, als müsste sich die TFSA („Türkische FSA“) nach ihrem ersten Vorstoß vollständig aus der Stadt zurückziehen. Ein brutaler Häuserkampf im Zentrum drohte.

Doch dann zog sich scheinbar der Islamische Staat in den Morgenstunden aus der Stadt vollkommen zurück, der exakte Grund ist aufgrund der militärisch vorteilhaften Position nicht nachvollziehbar. Vielleicht wollte man die durchaus teuren Kämpfe in al-Bab langfristig sparen, „Euphrates Shield“ wird trotz großer Träumereien von der Eroberung Raqqahs nicht weiter gegen den IS vordringen und sich den Kurden und der syrischen Regierung widmen.

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Karte des Territoriums, welches Euphrates Shield bisher erobern hatte

 

Die Schlacht um al-Bab dauerte von Mitte Dezember bis Mitte Februar und war äußerst zermürbend. Einige Personen bezeichneten die Kämpfe im Norden der Provinz Aleppo als „Ping-Pong“, da die türkisch-oppositionelle Operation genauso schnell Gebiete erobern konnte, wie es verloren wurde. Ein Beispiel: Das kleine Dorf Suflaniyah wurde erst beim 14. (sic!) Versuch erobert. Dieses Bild bestätigte sich vor allem auch bei den Kämpfen um die Aqil-Berge und dem südwestlichen Stadteingang, die letztendlich über 3 Monate andauerten. In Aqil verlor die türkische Armee ihre ersten Leopard 2A4-Panzer, insgesamt häuften sich die getöteten, türkischen Soldaten auf knapp 70 in der gesamten Operation. Auf den Seiten der syrischen Milizen gab es angeblich über 500 Tote. Für die türkische Armee war die gesamte Operation eine reine Blamage, nicht nur konnten die lange andauernden Kämpfe gegen die wohl größte europäische NATO-Macht vom IS gewinnbringend propagandistisch verwertet werden, große Mengen an moderneren Kriegsgerät wurden zerstört, oder erobert. Erdogan selber lies in seinen Mitteilungen bezüglich der Operation einen roten Faden vermissen: An einem Tage wolle man bis nach Raqqah vordringen und die YPG bekämpfen, an anderen Tagen möchte man nicht weiter als bis nach al-Bab gehen.

Verschiedene Generäle (siehe erstes Bild) verkündeten zur gleichen Zeit auch das nächste Ziel der Operation: Tadef, Qabasin und Bzaah vollständig zu erobern. Die drei Städte östlich von al-Bab sind ebenfalls seit mindestens 3 Monaten die aktive Front, nach mehrmaligen Versuchen sind jedoch alle Eroberungsversuche gescheitert. Im gleichen Zeitraum konnte die SDF die wesentlich größere Stadt Manbij vollständig erobern. Aufgrund der strategisch kritischen Position von Qabasin kamen auch Gerüchte auf, die FSA und Daesh würden dort gegenseitig Waffen etc. tauschen, weswegen der Ort niemals wirklich angegriffen wurde. Das darauf folgende Ziel könnten in dem Falle verschiedene Territorien der SDF/YPG werden, namentlich Manbij und Tel Rifaat. Während die SDF in Manbij direkt zu Beginn bis zum Sajur-Fluss zurückgedrängt wurde, ist die SDF in Tel Rifaat/Manbij seit jeher türkischer Artillerie und Luftschlägen ausgesetzt. Bisher waren allen Angriffe wirkungslos und konnten zurückgeschlagen werde.

Siehe auch: Welche Gruppen sind in der Operation „Euphrates Shield“ beteiligt?

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