Ägypten attackiert al-Qaida in Libyen

Nur Stunden nach dem terroristischen Anschlag auf koptische Christen mit über 30 Toten und 22 Verletzten hat Ägypten Luftangriffe im Nachbarland Libyen angeordnet. Präsident Abdel Fattah al-Sissi gab in einer Fernsehansprache bekannt, sein Militär habe Ausbildungszentren von Extremisten in Libyen angegriffen. Die Koordinaten der ersten Luftschläge wurden öffentlich verkündet, wobei die genaueren Ziele nicht erläutert wurden.

Ziel war unter anderem das Hauptquartier des Schura-Rats der Mudschaheddin in der ostlibyschen Stadt Derna. Der Rat weist klare Beziehungen zu al-Qaida auf, bekämpfte aber auch bis 2016 den Islamischen Staat in Derna.  Die sechs Luftschläge sollen Stellungen der Terroristen in der Stadt getroffen haben. Der Schura-Rat dementierte diese Aussagen und sagte, es wurden lediglich zivile Ziele getroffen, jedoch kam es zu keinen Toten. Die meisten Bomben sollen angeblich nur über Feldern explodiert sein, eine Bombe hatte sich in Jabilah, im Westen der Stadt, nicht entzündet. Derna wurde bereits 2015 durch die Luftwaffe Ägyptens angegriffen, wo der Islamische Staat ein Massaker an den Kopten auf Sinai verrichtete.

Am Tag darauf kam es ohne medialer Aufmerksamkeit erneut zu ägyptischen Luftschlägen auf die Stadt Hun/Jufra in Zentrallibyen. Jufra wird ebenfalls von einem islamistischen Schufra-Rat regiert. Diesmal kommt aber der machtpolitische Faktor hinzu, dass die Stadt zwischen dem Rat und der von Ägypten unterstützten Tobruk-Regierung umkämpft ist. Die libysche Luftwaffe selber fliegt ebenfalls kontinuierlich Luftangriffe auf die Stadt. Truppenbewegungen der Nationalarmee deuten auf einen bevorstehenden Angriff auf Jufra hin, der in nur wenigen Tagen folgen könnte.

In seiner Rede versprach Al-Sissi, dass Ägypten auch in Zukunft sämtliche Ausbildungsstützpunkte von Extremisten angreifen werde, die Anschläge in Ägypten verübten. Er appellierte an US-Präsident Donald Trump, den Kampf gegen den Terror anzuführen. Außerdem forderte er erneut die Bestrafung von Ländern, die Extremisten finanzierten, ausbildeten oder bewaffneten.

Der Anschlag auf koptische Christen hatte weltweit Bestürzung ausgelöst. Die Gruppe von Gläubigen war im Bus auf dem Weg ins Kloster St. Samuel südlich von Kairo, als sie von etwa zehn Angreifern mit automatischen Waffen beschossen wurden, wie ein Provinzgouverneur im Staatsfernsehen sagte. Die Angreifer konnten fliehen. Die Polizei riegelte die Umgebung mit Kontrollpunkten ab. Zu der Attacke bekannte sich zunächst niemand.

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