Philippinischer Luftangriff tötet eigene Soldaten – brutale Kämpfe in Marawi

DBJuF6SWsAAPqCI (1).jpg

IS-Kämpfer auf erbeutetem Fahrzeug der Armee

In der südphilippinischen Stadt Mirawa dauern weiterhin schwere Kämpfe zwischen der philippinischen Armee und dem „Islamischen Staat in Lanao“ an. Schwere Kämpfe dauern weiterhin in der Mitte der Stadt an, besonders die drei Brücken, welche in das Zentrum der Stadt führen, sind Schauplatz der Kämpfe. Es gibt keine Berichte von Gebietsveränderungen in den letzten Tagen, unbestätigten Berichten zufolge kontrolliert man weiterhin 20% der Stadt. Der IS scheint in vielen Gebieten Scharfschützen einzusetzen, die der philippinischen Armee den Kampf und die Räumung von Häusern erschwert.

Bis Sonntag sollen laut philippinischen Verteidigungsministerium 61 Maute-Kämpfer umgebracht worden sein. Einige Kämpfer sollen aus dem Jemen, Indonesien, China, Saudi-Arabien, Malaysia und Australien stammen. Von den eigenen Truppen wurden 20 getötet, über 50 wurden verletzt und zwei Soldaten werden vermisst. Am Mittwoch wurden durch Luftangriffe der philippinischen Streitkräfte aus Versehen elf Soldaten der 55. Infanteriebrigade umgebracht, wie das Verteidigungsministerium selber bestätigte. Duterte selber räumte enorme Verluste der Armee über der ganzen Operation hinweg ein, ohne nähere Angaben zu tätigen. Laut der dem IS nahe stehenden Nachrichtenagentur AMAQ sind bisher ~85 philippinische Soldaten umgebracht worden. Hinzu kommen laut eigenen Angaben 14 weitere Soldaten und Offiziere auf der Insel Jolo Sulu im Südwesten des Landes, die bei einem Überfall umgebracht wurden.

AMAQ publizierte außerdem ein erstes Video von den Kämpfen in Marawi. Erste verwackelte Bilder zeigen eher junge, leicht ausgerüstete Kämpfer im Häuserkampf, als auch gepanzerte Fahrzeuge die von der Armee erobert wurden, aber wahrscheinlich nicht mehr funktionsfähig sind. Am selben Tag wurden auch Bilder einer abgeschossene Überwachungsdrohne (DJI Mavic Pro) der Luftwaffe veröffentlicht.

Tausende Menschen fliehen weiterhin aus Marawi, die philippinische Armee hat inzwischen Kontrollpunkte und Straßensperren um die Stadt aufgebaut, um den Maute-Kämpfern keine Fluchtmöglichkeit zu geben und Flüchtende zu untersuchen. 2.000 Zivilisten sollen sich weiterhin in den umkämpften Gebieten leben, wo ihnen keine Möglichkeit zur Flucht gegeben ist. Mehrere Bürgermeister aus der Region Lanao del Sur erreichten das Kapitol, um die Möglichkeit eines solchen Angriffes auf ihre Städte zu debattieren.

Duterte bat derweil die maoistischen Rebellen der New People’s Army (NPA) und die muslimischen Separatisten (Moro Islamic Liberation Front, MILF; Moro National Liberation Front, MNLF), sich dem Kampf gegen den Islamischen Staat anzuschließen.  „Ich werde euch als Soldaten anheuern – gleicher Sold, gleiche Privilegien, und ich werde für euch Häuser in einigen Gebieten bauen“, sagte Duterte in einer Rede, die gestern ausgestrahlt wurde. Einen Tag später erklärte zumindest ein Vertreter der NPA die Bereitschaft der Gruppe, sich einem „gemeinsamen Feind“ anzuschließen, dessen „vorrangiges Ziel die Ermordung von Zivilisten“ ist. Die MNLF versicherte am Dienstag ebenfalls ihre Bereitschaft, mehrere hundert ihrer 5000 Kämpfer nach Marawi zu schicken.

Erste Berichte von einem Angriff auf die Stadt gab es am 23. Mai, erstes Ziel war das Amai Pakpak-Krankenhaus, um die eigenen Verletzten zu versorgen. Der philippinische Präsident Duterte erklärt während einer Reise nach Russland das Kriegsrecht in der Provinz Mindanao, wo sich auch Marawi befindet. Angeblich soll Maute nicht mehr als 500 Mitglieder besitzen, in der Operation involviert sollen 100-250 Mitglieder gewesen sein. Ein ähnliches Debakel wie in Mossul würde das bedeuten. Vor allem dieser Ausdruck einer Machtprojektion wird der Rekrutierung in den Philippinen helfen.

Die islamistischen Gruppierungen Maute, Abu Sayyaf und weitere kleine Splittergruppen vereinten sich Ende 2016 zum „Islamischen Staat in Lanao“ und wurden damit Teil des Islamischen Staates. Alle Gruppen mussten dem derzeitigen Emir Ismilon Hapilon die Treue schwören, welches zuvor Anführer von Abu Sayyaf war und vom IS direkt als Vertreter ernannt wurde.

Advertisements