IS-Terrorangriff in Manila – philippinische Behörden relativieren

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IS-Medien veröffentlichen Bilder von den Angreifern

Im Zentrum der philippinischen Haupstadt Manila ereignete sich in der letzten Nacht ein Terrorangriff auf das Spielkasino „Resorts World Manila“. Die ersten vagen Berichte sprechen von Rauchschwaden und Schüssen aus dem Gebäude, die Schussgeräusche sollen nach wenigen Minuten wieder abgeklungen sein. Bereits vor den ersten Berichten sprechen Medienkanäle des „Islamischen Staates in Lanao“ von einer „Lonewolf“-Attacke in das „Herz der Ungläubigen“, reklamieren die Tat also für sich. Weitere Statements aus internen Chatverläufen des IS identifizieren den Angreifer als einen „Soldaten des Islamischen Staates“ namens Abu Khayr al-Luzone. Sein Ziel soll es gewesen sein, das Kasino aufgrund von „im Islam verbotenen Praktiken“ in Brand zu stecken.

Während also dem IS nahe stehende Medien wie AMAQ bereits alle Hintergrunde veröffentlichten, verlauteten die philippinischen Behörden zunächst erfreuliche Nachrichten: Es soll zu keinen Toten oder Verletzten gekommen sein. Später wurden dennoch auf einmal 36 Tote gefunden, alle sollen erstickt worden sein. AMAQ selber redet von vier getöteten Zivilisten, die wohl direkt durch die Hand der Angreifer ermordet wurden. Die Anzahl an Verletzten stieg auf 70.
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IS bekennt sich offiziell zum Anschlag

Trotz der eindeutigen Beweise für einen Angriff geht die Polizei von einem normalen Verbrechen ohne terroristischen Hintergrund aus. „Der Mann habe vielleicht Geld in dem Kasino verloren und habe es zurückhaben wollen oder sei komplett durchgedreht“, erklärte der Polizeichef des Landes. „Wir können sagen, dass dies kein terroristischer Akt war“, sagte er. „Ein isolierter Einzelfall“, so weiter. Der Täter hatte nach Angaben der Polizei Spielchips geraubt, in einen Fernsehmonitor geschossen, Benzin über Spieltische geschüttet und sie angezündet.

Die Polizei soll außerdem die Leiche des Täters gefunden haben. Er soll sich kurz darauf umgebracht haben. Dies deckt sich mit den Angaben aus IS-Medien, die ebenfalls von seinem „Märtyrertum“ redeten, nachdem er sein Ziel (Shaheed) erreicht hatte. Seltsamerweise gibt es von den verschiedenen Quellen verschiedene Angaben über die Anzahl der Täter. Die ersten Angaben von privaten IS-Chats nannten nur einem Täter, auch wenn das veröffentlichte Bild (oben) zwei Personen zeigt. Die philippinische Polizei redet ebenfalls von nur einem Täter. Das neu veröffentlichte, offizielle Bekenntnis auf AMAQ hingegen spricht von „Kämpfern“, also im Plural. Laut Augenzeugen waren es ebenfalls zwei Angreifer.

Die islamistischen Gruppierungen Maute, Abu Sayyaf und weitere kleine Splittergruppen vereinten sich Ende 2016 zum „Islamischen Staat in Lanao“ und wurden damit Teil des Islamischen Staates. Alle Gruppen mussten dem derzeitigen Emir Ismilon Hapilon die Treue schwören, welches zuvor Anführer von Abu Sayyaf war und vom IS direkt als Vertreter ernannt wurde. Vor fast zwei Wochen attackierten sie die Stadt Marawi im Süden des Landes und können der philippinischen Armee schwere Verluste zufügen.

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