Was aus „Omran aus Aleppo“ wurde

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Das Bild des kleinen syrischen Jungen Omran Daqneesh ging um die Welt. Wie er inmitten der brutalen Kämpfe um Ost-Aleppo augenscheinlich verletzt, verstört und verängstigt auf einem orangefarbenen Sitz eines Krankenwagens sitzt. Unzählige Zeitungen und Medien nahmen sein Bild als Beispiel für die Brutalität des Krieges, druckten es auf die Titelseite. Die Aufnahme des Kindes verdeutlicht den täglichen Schrecken des Bürgerkriegs in Syrien.

Natürlich schlachten beide Seiten die Emotionen, die beim Thema „Kinder“ immer aufkommen, propagandistisch aus. Während Bashar al-Assad in einem Interview das Bild eher emotionslos als eine „Fälschung“ brandmarkte und daraufhin auf die gefälschten „Rettungsaktionen“ der glorifizierten Weißhelme und deren islamistischen Verbündeten aufmerksam machte, nutzte seine Frau Asma al-Assad ebenfalls das Gut der Emotionen für sich aus und stellte die rhetorische Frage, wieso von al-Qaida massakrierte Kinder (wie im alawitischen Dorf Zara) nicht derartige Aufmerksamkeit vom Westen erhalten.

Danach wurde es wieder still um Omran und sein Leben. Hier und da tauchten in unregelmäßigen Zeitabständen Gerüchte auf. Seine Familie sei nach Idlib geflohen. Er und seine Familie wurde vom „Assad-Regime“ gefangen genommen und unter Hausarrest gestellt. Sein Vater bekam von oppositionellen Medien das Angebot, für 10.000$ ein Interview führen zu können, was er aber ablehnte.

Am 5. Juni, einem Montag, schien dieses mediale Schweigen über den Verbleib des jungen Omran gebrochen. Scheinbar tauchten bei der Wohnung von Omran eine ganze Riege an syrischen Journalisten auf, darunter namhafte Namen wie Hossein Mortada, Rabea Kalawandy oder Kinana Alloush vom syrischen Staatsfernsehen. Auch im libanesischen Sender al-Mayadeen wird es Montag Nacht ein Interview geben.

In den verschiedenen Videos sind zumeist Omran und sein Vater zu sehen, ebenfalls anwesend ist sein Großvater und zwei kaum älter aussehende Geschwister (die im übrigen bereits für tot erklärt wurden). Ebenfalls zentraler Bestandteil: Eine Flagge der Arabischen Republik Syrien als Ausdruck für die Unterstützung der syrischen Regierung. Der Vater wehrt sich vehement gegen Unterstellungen, dass er sich vor dem „Regime“ fürchtete und/oder ein Unterstützer der Opposition war. Er selber gab sich als Opfer der Rebellen-Offensive damals im Jahre 2012 aus, wodurch er bis zur vollständigen Eroberung der Stadt in Ost-Aleppo ausharren musste. Bei der nächstbesten Gelegenheit floh er mit seiner Familie in das von der Regierung gehaltene Territorium. Damit ist er nicht der Einzige, etwa 75% der Menschen in Ost-Aleppo taten das Gleiche. Ob man seinen Aussagen unter den gegebenen Umständen kategorisch glauben möchte, muss jeder selbst wissen. Näheres wird es erst im Interview von al-Mayadeen geben.

Omran selber scheint vom ganzen medialen Trubel unberührt, von seinen Wunden sind keine Spuren übrig geblieben.

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