Zweitägige Waffenruhe bei Dara’a

Das syrische Verteidigungsministerium erklärte eine 48-stündige Waffenruhe in der südsyrischen Stadt Dara’a, wo seit Wochen schwere Kämpfe zwischen der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) und oppositionellen Gruppen andauert. Die genaueren Bewegggründe sind unbekannt, oppositionelle Medien bewerten diesen Schritt als Zeichen für die „Stärke der Southern Front“, die die Gegenoffensive der SAA größtenteils aufhalten konnte.

Tahrir al-Sham (ehemals bekannt als Jabhat Fateh al-Sham bzw. Jabhat al-Nusra) startete vor mehreren Monaten in Dara’a mit lokalen FSA-Milizen die sogenannte Operation „Tod oder Demütigung“, welche Eroberungen innerhalb der Stadt zum Ziel sieht. Dafür wurde ein Großangriff auf das südwestlich gelegene al-Manshiya-Viertel gestartet, wobei auch mehrere Selbstmordattentäter und Tunnel genutzt worden, die unter den Gebäuden und Armeepositionen gesprengt wurden. Auf Seiten der Regierung kämpfen mit den neuen Verstärkungen aus Damaskus und Quneitra die Hisbollah al-Nujaba, 9. Division, 15. Division und die 4. Division, die auf urbanen Häuserkampf spezialisiert ist. Bisher gab es langsame Fortschritte im palästinensischen Flüchtlingslager, nach unbestätigten Angaben kontrolliert die Armee 20%-50% des Viertels.

In den Monaten zuvor konnte Tahrir al-Sham immer weiter im westlichen Stadtteil al-Manshiya vordringen und bis zum Ende fast vollständig erobern. Für Dara’a waren solche Gebietsveränderungen unerwartet und erstaunlich, da sich die Frontlinien über die Jahre hinweg kaum verändert haben.

Die sogenannte „Southern Front“ im Süden Syriens ist die inzwischen wohl ruhigste, aktive Front im gesamten Konflikt. Sie ist mehrheitlich von der FSA dominiert, Islamisten erhalten aber immer mehr Zulauf, desto länger ein faktischer Frieden zwischen FSA und der Regierung dort anhält. Seit den äußerst verlustreichen Offensiven im Jahre 2015 in Richtung Quneitra und schweren Kämpfen in der Stadt Sheikh Masheen fehlt er den dortigen Einheiten eigentlich an offensiven Kapazitäten. Dara’a selber ist seit Anbeginn des Krieges in zwei Teile geteilt. Ursprünglich war die gesamte Region Teil der Deeskalationszonen, völlig erloschen sind die Kämpfe jedoch nie.

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