Dara’a-Offensive wird weitergeführt

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Zwei eroberte Panzer südlich der Luftabwehrbasis

In der südsyrischen Stadt Dara’a nahe der jordanischen Grenze begannen erneut die Kämpfe zwischen der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) und der verschiedenen Oppositionsgruppen im Süden des Landes, die sogenannte „Southern Front“. Am Dienstag endete die 48-stündige Waffenruhe, die das syrische Verteidigungsministerium erklärt hat.

Die Waffenruhe endete mit Luftschlägen der russischen und syrischen Luftwaffe auf verschiedene Viertel in Dara’a, darunter al-Balad und Tareeq Al-Sad. Es kam auch zu Truppenbewegungen, Berichten zufolge konnte die SAA die Luftabwehrbasis im Westen der Stadt erobern, wurde jedoch kurz darauf wieder unter Verlusten vertrieben. Dabei wurde ein Soldat gefangen genommen und mindestens zwei Panzer erbeutet. Außerdem gab es laut unbestätigten Berichten auch einen Vorstoß im Osten der Stadt, der aber direkt zurückgeschlagen wurde. Beide Bewegungen weisen auf den Versuch hin, einen Belagerungsring um die gespaltene Stadt Dara’a zu liegen, was aber bisher noch nicht geglückt ist. Der Angriff auf die Luftabwehrbasis hatte aber auch eine andere Symbolik: Das Territorium der Opposition würde in zwei Teile gespalten werden, da direkt südlich die Grenze zu Jordanien verläuft.

Tahrir al-Sham (ehemals bekannt als Jabhat Fateh al-Sham bzw. Jabhat al-Nusra) startete vor mehreren Monaten mit lokalen FSA-Milizen die sogenannte Operation „Tod oder Demütigung“, welche Eroberungen innerhalb der Stadt zum Ziel sieht. Dafür wurde ein Großangriff auf das südwestlich gelegene al-Manshiya-Viertel gestartet, wobei auch mehrere Selbstmordattentäter und Tunnel genutzt worden, die unter den Gebäuden und Armeepositionen gesprengt wurden. Auf Seiten der Regierung kämpfen mit den neuen Verstärkungen aus Damaskus und Quneitra die Hisbollah al-Nujaba, 9. Division, 15. Division und die 4. Division, die auf urbanen Häuserkampf spezialisiert ist. Bisher unbestätigten Berichten zufolge nimmt das 5. Corps ebenfalls teil, was in dem Falle eine engere Zusammenarbeit von Russland bedeuten würde.

Seit einigen Tagen sind die syrischen Luftstreitkräfte bereits aktiv und bombardieren Stellungen in den Vierteln al-Balad, Tariq Al-Sad und dem palästinensischen Flüchtlingslager im Osten der Stadt. Artillerieeinheiten beschießen sich gegenseitig, die Opposition kann dabei auf die effektiven Omar-Raketen zurückgreifen. In den Monaten zuvor konnte Tahrir al-Sham immer weiter im westlichen Stadtteil al-Manshiya vordringen und bis zum Ende fast vollständig erobern. Für Dara’a waren solche Gebietsveränderungen unerwartet und erstaunlich, da sich die Frontlinien über die Jahre hinweg kaum verändert haben.

Die sogenannte „Southern Front“ im Süden Syriens ist die inzwischen wohl ruhigste, aktive Front im gesamten Konflikt. Sie ist mehrheitlich von der FSA dominiert, Islamisten erhalten aber immer mehr Zulauf. Seit den äußerst verlustreichen Offensiven im Jahre 2015 in Richtung Quneitra und schweren Kämpfen in der Stadt Sheikh Masheen fehlt er den dortigen Einheiten eigentlich an offensiven Kapazitäten. Dara’a selber ist seit Anbeginn des Krieges in zwei Teile geteilt. Ursprünglich war die gesamte Region Teil der Deeskalationszonen, völlig erloschen sind die Kämpfe jedoch nie.

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