Mossul vollständig vom IS befreit

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„Terrorbekämpfungseinheiten“ in der Altstadt von Mossul

Irakische Medien und Militärbeamte erklärten die nordirakische Großstadt Mossul für vollständig befreit, nachdem der Islamische Staat auch in seiner letzten Bastion, der Altstadt, vertrieben worden war. Die Operation zur Eroberung von Mossul dauerte insgesamt 263 Tage an und begann mit der öffentlichen Erklärung des irakischen Premierminister Haidar Abadi am 16. Oktober.

Dennoch ist dabei anzumerken, dass die Erklärung wahrscheinlich etwas zu optimistisch ist, da wahrscheinlich weiterhin Kämpfe im Nordwesten der Altstadt in der Nähe des Tigris andauern werden. Einen ähnlichen Fall gab es in Ramadi, wo trotz des Statements die Kämpfe wenige Tage weitergingen.

Mossul war die erste größere Stadt, die der Islamische Staat (damals ISI) im Sommer 2014 für sich gewinnen konnte. Dementsprechend hält der Ort eine besondere Bedeutung für beide Fraktionen bereit: Der IS proklamierte vor über knapp drei Jahren in der inzwischen zerstörten al-Nuri-Moschee das Kalifat (inoffiziell wurde das Kalifat kurz zuvor in einer Audiobotschaft von Mohammed al-Adnani ausgerufen). Dabei handelte es sich um den einzigen öffentlichen Auftritt von Abu Bakr al-Baghdadi.

Der Kampf über die Millionenstadt war von vielen Verlusten, unerwarteten Techniken, Operationen und Trümmern geprägt, von denen sich die Stadt so schnell nicht erholen wird. Niemand hatte zu Beginn erwartet, dass Aleppo bzw. Ost-Aleppo früher völlig erobert wird als Mossul. Abadi erwartete eine vollständige Eroberung noch bis zum Ende 2016. Der Widerstand des Islamischen Staates war aber brutal: Die größten Verluste erlitt die Armee wohl beim Eintritt in West-Mossul, aufgrund politischen Druckes mussten einzelne Einheiten alleine vordringen, Hunderte Autobomben und Selbstmordattentäter wurden gegen die irakischen Streitkräfte eingesetzt. Eine neue Waffe feierte ihr großes Debüt: Der IS nutzte massenhaft Drohnen mit kleinen Bomben, die auf nichtsahnende Soldaten und Posten hinter den Frontlinien abgeworfen wurden und für reichlich Verwirrung und Demoralisierung sorgten.

Ebenfalls brutal waren die Kämpfe um die Altstadt, wo die engen Häuser und Gassen den IS bevorteilten. Ein komplexes Tunnelsystem ermöglichte es, Nachschub und Soldaten von einem Ort zum Anderen zu bringen. Unter dem Argument des „Schutzes“ wurden tausende Zivilisten in ihre Häuser eingesperrt, wo sie dann als menschliche Schutzschilde genutzt wurden und Fortschritte der Armee erschwerten. Die Toten gehen wahrscheinlich auf allen Seiten in die vierstelligen Zahlen. Die letzten verbliebenen IS-Kämpfer sprengten sich „kollektiv“ in die Luft, wie es live im Fernsehen übertragen wurde.

Und trotz dem Ende der Kämpfe bedeutet das kein Ende für den IS. Er besitzt weiterhin eine Präsenz entlang des Euphrates, in Tel Abar westlich von Mossul, in Hawija und in der Wüste. Sowohl im Westen und Osten der Stadt geht der Terror weiter, es wurden bereits mehrere Selbstmordattentäter eingesetzt, in West-Mossul wurden vor fünf Tagen Schläferzellen aktiviert, die aber schnell wieder besiegt werden konnten. Die Ideologie ist nach über drei Jahren möglicher Indoktrination sicherlich in vielen Köpfen fest verankert, besonders bei Kindern

 

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