Nein, Abu Bakr al-Baghdadi ist nicht tot

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Zumindest nicht in dem Falle.

Alle etablierten Medien vermelden momentan den Tod des IS-Anführers Abu Bakr al-Baghdadi. Dabei berufen sie sich auf die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ (englisch SOHR), die wiederum sich auf „IS-Kommandanten“ in der Provinz Deir ez-Zor bezieht.

Tatsächlich aber ist die eigentliche Quelle der Behauptung der irakische TV-Sender al-Sumaria, der derzeit über die Geschehnisse in Mossul berichtet und eigene Journalisten vor Ort hat. Angeblich sollte der Islamische Staat dies selber verkündet haben. Eine derartige Mitteilung findet man weder auf AMAQ noch auf der offiziellen Nachrichtenagentur Wiliyat. Später sollen sie in der Berichterstattung die Aussage korrigiert haben und beziehen sich stattdessen auf ranghohe Gefangene und gefundene Dokumente, die diese Behauptung erheben.

Nachdem es Stunden später die englischsprachigen Medien erreicht hat, schaltete sich die SOHR ein und verifizierte die Aussage, nachdem man nun mal die Kommandanten des IS befragt hatte. Sollte sich die Geschichte mit den Dokumenten bewahrheiten, würde der Tod sicherlich früher bekannt sein (es wurden Dokumente gedruckt aber niemals ist die Geschichte in die Öffentlichkeit gesickert?) und nicht erst durch „Anfrage“ bestätigt werden.

Die ursprüngliche Behauptung stammt vom irakischen TV-Sender al-Sumaria (laut dem im übrigen drei IS-Kämpfer durch Wildschweine umgebracht wurden), der in der Vergangenheit nicht glaubwürdig war und sich dabei auf „eine Quelle in der Nirnaweh-Provinz“ beruft. Stunden später bestätigte die SOHR diese Nachricht durch angebliche Kontakte zu „ranghohen IS-Kommandanten“. Laut mehreren Quellen hat Daesh/der IS den Tod selber verkündet, was aber nicht mit der momentanen Faktenlage übereinstimmt. Ohnehin hat SOHR aber keine sonderliche Seriosität außerhalb westlicher Medien, weshalb man der Aussage nicht trauen sollte.

Wesentlich spannender zur Beantwortung der Frage „Ist Abu Bakr al-Baghdadi tot?“ aber ist der ideologische Kern des Islamismus. Das Märtyrertum wird sowohl beim Islamischen Staat als auch in anderen Bewegungen glorifiziert, dass ein Anführer getötet werden könnte sieht man nicht als Verlust an. In der Vergangenheit verkündete man immer den Tod von wichtigen Mitgliedern, z.B. galt Abu Mohammed al-Adnani als der Meister der Propaganda und die Nummer Zwei des Islamischen Staates bis er im August 2016 getötet wurde. Die Taliban wagten es einmal den Tod von Mullah Omar erst zwei Jahre später zu veröffentlichen/bestätigen, das Ergebnis war eine regelrechte Demoralisierung und Enttäuschung der Kämpfer. Der IS in Afghanistan (bzw. Khorasan) nutzte dies geschickt für seine Propaganda aus und verhöhnten die Taliban.

Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass es bisher keinerlei Beweise gibt, die darauf hindeuten, dass Badhdadi tatsächlich tot ist und es sich um eine weitere von vielen Falschmeldungen handelt.

 

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