Irakische Armee erobert vollständig die Ninaweh-Provinz

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Der irakische Premierminister Abadi verkündete offiziell die vollständige Eroberung der Provinz Nirnaweh im Norden Iraks, nachdem die letzten verbliebenen Positionen des Islamischen Staates um der belagerten Stadt Tel Afar mit der Unterstützung verschiedener Milizen befreit wurden.

Nachdem Tel Afar in einer schnellen Offensive in nur einer Woche erobert wurde widmete man sich den umliegenden Gebiete, die weiterhin vom IS beherrscht wurden. Die Kämpfe verlagerten sich vor allem auf das nahe gelegene Dorf al-Ayadiya, wo es ebenfalls den größten Widerstand gab. Angeblichen wurden dort rund 50 IS-Kämpfer gefangen genommen, die Kämpfe dauerten in Wirklichkeit nur wenige Tage an. Daraufhin zog man sich auf die Bergregion weiter nördlich zurück, eingeschlossen zwischen der irakischen Regierung und dem irakischen Kurdistan. Für die meisten IS-Kämpfer fiel die Wahl einfach, Hundertschaften sollen vor der ansonsten nicht involvierten Peschmerga kapituliert haben, da dort eine schwächere Bestrafung droht.

In al-Ayadiya wurden ebenfalls viele Yezidis befreit, die zuvor als Sklaven genutzt wurden. 150 IS-Kämpfer wurden insgesamt gefangen genommen und/oder getötet. Es gab mehrere Selbstmordattentäter über die gesamte Operation hinweg, darunter auch zwei Weibliche. Die letzten verbliebenen Dörfer des IS in der Provinz waren Qubq und al-Salihiyah.

Der niedrige Widerstand ist höchst ungewöhnlich, vor allem da der Islamische Staat in dieser Großstadt bereits seit Anbeginn eine hohe Popularität besaß und viele Kämpfer und ranghohen Mitglieder aus der „ersten Generation“ stammen. Höchstwahrscheinlich ist gerade diese Popularität der Grund dafür, denn keine Kämpfe erzeugen auch keine Zerstörung und eine Beibehaltung eines „sicheren Hafens“ für den IS.

Trotz der Belagerung der Tel Afar-Region verfügte der IS über mehrere Monate Zeit, Defensivpositionen auszuheben und ähnlich wie in Mossul oder Raqqah ein komplexes System an Tunneln, Minen und Fallen aufzubauen. Aus ungeklärten Gründen ist dies aber nicht der Fall. Möglicherweise finden sich doch nur noch sehr wenige IS-Kämpfer in der Region, den Schätzungen zufolge sollen sich etwa 150 (lokale Quellen) bis 1.500 IS-Kämpfer (laut der USA) im belagerten Distrikt befinden, was die Fortschritte erklären könnte. Außerdem fielen sehr viele Kämpfer bei den ständigen Versuchen, die Belagerung aufzuheben und sich dem restlichen Territorium im Irak anzuschließen. Dort wurden viele Selbstmordattentäter und gepanzerte Fahrzeuge eingesetzt, die PMU konnte die Angriffswellen aber stets zurückschlagen.

Vielleicht lernte man aber auch durch den brutalen Kampf um Mossul um neue Taktiken bzw. Taktiken und Strategien des IS erfolgreich zu kontern. Auch die PMU ist im Gegensatz zu Mossul (aufgrund politischen Drucks der USA und Türkei) an der Operation beteiligt, die eine sehr effektive Einheit ist, aber teilweise vom Iran unterstützt wird und das natürlich nicht im Interesse verschiedener Mächte ist.