Türkei, Iran und Russland einigen sich auf „Schutzzone“ in Idlib

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Geplante Überwachungsgebiete der beteiligten Nationen, Lila: Iran, Blau: Russland, Grün: Türkei

Bei der neuesten Runde der Astana-Gespräche in Kasachstan scheint es zwischen dem Iran, Russland und der Türkei zu einer konstruktiven Vereinbarung um die Problematik in der nordwestsyrischen Provinz Idlib gekommen zu sein, welche fast vollständig von der Opposition bzw. von Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Jabhat Fateh al-Sham und Jabhat al-Nusra (al-Qaida)) kontrolliert wird.

Dieser Deal sieht eine bisher temporäre, sechs Monate andauernde Überwachung der seit Anfang des Jahres vereinbarte „Deeskalationszone“ Idlib vor, welche zu einer „Schutzzone“ ähnlich der zwischen Russland und der USA vereinbarten Situation in Dara’a führt. Angeblich werden dafür militärische Beobachter aus den jeweiligen Ländern eingesetzt und in drei verschiedene Zonen unterteilt: Eine russisch, türkisch und von der syrischen Armee mit der Unterstützung des Irans überwachte Region. Die Türkei soll dabei auch FSA-Einheiten und Gruppierungen einsetzen, wahrscheinlich aus ihrem kontrollierten Gebiet aus Nord-Aleppo.

Die in Idlib aktiven und dominierenden Gruppierungen wie das bereits obig erwähnte Tahrir al-Sham waren an den Gesprächen nicht beteiligt und werden diesen Deal wohl ebenso ablehnen, was eine Durchführbarkeit eigentlich unmöglich machen würde. Die dorthin gebrachten Beobachter und Militärpolizisten werden wahrscheinlich keine großen Überlebenschancen genießen. Wesentlich spannender ist aber die Reaktion von Ahrar al-Sham und verbündeter Gruppierungen, der zweite große Spieler in Idlib.

Ahrar al-Sham definiert sich zunehmend immer mehr als Teil der FSA und türkischer Proxy, auch wenn sie ebenfalls ihre ideologischen Wurzeln bei al-Qaida haben. Sie deuteten in der Vergangenheit eine Vereinigung der Oppositionsgruppen unter einer Regierung an, der größte Rivale ist inzwischen Tahrir al-Sham geworden. Vor einigen Monaten kam es zu Kämpfen zwischen den beiden Seiten, Ahrar al-Sham musste nach nur wenigen Tagen sich geschlagen geben und wird dadurch immer irrelevanter/schwächer.

Verschiedenen Angaben zufolge ist die Bevölkerung von Idlib ebenfalls wenig erfreulich, es soll zu Protesten gegen die sechsten Astana-Gespräche und deren Ergebnis gekommen sein.

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