Irakische Armee erobert Kirkuk an einem Tag

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Peschmerga-Statue in Kirkuk unter der Kontrolle der Armee

Die irakische Armee und verbündete Milizen konnten die nordirakische Großstadt Kirkuk nach einer eintägigen Operation vollständig erobern und sichern. Nach etwa 15 Stunden konnte die irakische Zentralregierung damit ihren ersten Sieg gegen die kurdische Regierung unter dem Diktator Bahrzani erringen und die Peschmerga zur Massenflucht bringen. Es kam kaum zu Kämpfen.

Für die irakischen Streitkräfte ist es ein bedeutender Sieg, die noch 2014 vollkommen schwache und unorganisierte Armee konnte die Peschmerga innerhalb eines Tages zur Flucht zwingen, in dem von kurdischen Medien selbst ernannten „Jerusalem der Kurden“ unter der Kontrolle der Armee, die noch 2014 erheblichen Widerstand gegen den Islamischen Staat einnahm und die Rolle spielte, die die irakische Armee heute einnimmt.

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Einwohner Kirkuks feiern die Ankunft irakischer Soldaten

Involviert waren neben regulären Einheiten auch Spezialkräfte wie z.B. die „Goldene Division“ oder die „Terrorbekämpfungseinheit“. Eine kleinere Rolle nahmen die medial inflationär dargestellten „schiitisch-iranischen Milizen“ aka Hashd al-Shaabi bzw. die „Volksverteidigungseinheiten“ ein, die Feuerschutz vor allem im Westen der Region geboten haben und von den schiitischen Turkmenen in Kirkuk und Taza Khumantu gefeiert wurden. Ebenfalls aktiv waren Polizeistreitkräfte unter dem Kommando der irakischen Armee.

Die Operation gehört wohl insgesamt zu den Unblutigsten in der Geschichte der Armee. Die Rede ist von zehn bis zwanzig getöteten Peschmerga-Kämpfern südlich von Kirkuk, nachdem sie einen Konvoi der Armee überfallen haben. Die Armee selber vermeldet bisher keinen einzigen Verlust. Die kurdische Regierung beschuldigt die irakische Regierung ebenfalls an den Mord von mehreren Zivilisten, die bisher aber noch nicht identifiziert werden konnten. Kurdischen Medien zufolge verlor die Armee mehrere Humvees, die Peschmerga verlor mindestens drei Panzer und dutzende Fahrzeuge die bei der Flucht verlassen wurden.

Bedeutende Erfolge in der Stadt selber ist die Eroberung der größten Statue im Nahen Osten, die in 2014 errichtete Peschmerga-Statue im Norden der Stadt, die besondere Symbolik besitzt. Ebenfalls konnte das Regierungsgebäude der Provinz Kirkuk gesichert werden. Noch vor einen Tag schwor der Gouverneur, die Stadt bis zum letzten Mann verteidigen zu wollen. Einen Tag später floh er.

Viele Zivilisten nahmen an der kurdischen Mobilisierung teil, lediglich mit einer Ak-47 (aber auch deutsche G-36-Gewehre wurden gesehen) ausgerüstete Zivilisten attackierten den K1-Luftwaffenstützpunkt nordwestlich von Kirkuk, welcher damals unter der Kontrolle von irakischen Spezialeinheiten stand. Unterstützt wurden diese Zivilisten vor allem durch die PKK, die ebenfalls zu einer Massenmobilisierung aufriefen und selber einige Kämpfer und Fahrzeuge in der Stadt zur Verfügung hatten.

Die tausenden Soldaten der (KDP-)Peschmerga hingegen traten bereits bei dem ersten Antreffen irakischer Truppen den Rückzug an, viele Soldaten wurden von den Bewohnern mit Steinen beworfen und beleidigt. Peschmerga-Einheiten der politischen Partei PUK zogen sich bereits heute früh zurück, wahrscheinlich hatten sie mehrere Vereinbarungen mit der irakischen Regierung. Dabei nahmen sie auch allerlei Kriegsgerät mit. Insgesamt gleichte der Rückzug der Peschmerga einem großen unorganisierten Haufen, viele Zivilisten haben mehr Mut beweisen und sogar versucht Fahrzeuge der Peschmerga gewaltsam bei ihrer Flucht aufzuhalten.

Tausende Zivilisten sind währenddessen auf der Flucht, mehrheitlich in Richtung der kurdischen Hauptstadt Erbil. Die verbliebenen Einwohner scheinen die Armee willkommen zu heißen und zelebrieren sogar ihren Sieg. Kirkuk hat keine deutliche Mehrheit und bedeutende Präsenzen von Arabern und Turkmenen.

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Neben der Stadt selber wurden viele umliegende Gebiete erobert, darunter die mehrheitlich turkmenische Stadt Taza Khumantu etwa zehn Kilometer südlich von Kirkuk. Aber auch wichtige Infrastruktur wurde gesichert, darunter mehrere Ölfelder wie Babagurgur nordwestlich und den K1-Luftwaffenstützpunkt und den Flughafen von Kirkuk. Höchst wahrscheinlich werden noch weitere Gebiete und Ortschaften westlich von Kirkuk erobert. Doch wahrscheinlich werden die irakischen Streitkräfte nicht nur in Kirkuk, sondern in den ganzen, umkämpften Gebieten operieren. Zukünftige Offensiven könnten im vom PKK dominierten Sinjar oder von Assyrern dominierten Nirnaweh-Feldern bei Mossul geben.

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Teilweise entfernen irakische Einheiten bereits Propagandaplakate und Poster von Bahrzani

Im Zuge des Referendum für die Unabhängigkeit des irakischen Kurdistans im September unter dem Diktator Bahrzani eskalierten die Beziehungen zur Regierung in Bagdad. Die relativ ölreiche Provinz Kirkuk befindet sich seit 2014 unter der Kontrolle der Peschmerga, nachdem sie von dort den Islamischen Staat vertrieben hat. Kirkuk und viele weitere Orte gehören damit nicht zum de jure-Territorium des irakischen Kurdistans.

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