Wo hält der IS noch Gebiete in Syrien? Teil 2

Trotz offensichtlicher Siegesbekundungen von den Medien, den amerikanischen und russischen Verteidigungsministerien ist der Islamische Staat in Syrien nicht vollständig besiegt, geschweige vertrieben. In vielen Teilen des Landes hält er weiterhin isolierte Territorien, die zumindest eine Basis für einen zukünftigen Wiederaufstieg ermöglichen könnten. Auch wenn der IS schon lange seine Anziehungskraft verloren hat, so ist er weiterhin regional eine Gefahr für andere Kontrahenten im Konflikt. Hier handelt es sich um die Aufzählung aller Gebiete, in denen der Islamische Staat weiterhin Boden kontrolliert. Dazu zählen nicht Guerilla-Gruppierungen, wie sie es beispielsweise in Idlib gibt.

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Damaskus

Im Damaszener Viertel Yarmouk und umliegende Bezirke gibt es eine nahezu einmalige Konstellation: Syrische Armee und Rebellen kämpfen zusammen gegen den Islamischen Staat im einstigen palästinensischen Flüchtlingslager. 2015 überrannten ehemalige Oppositionskämpfer unter der Flagge des IS das Viertel fast vollständig. Die noch zuvor verbündete Opposition schloss sich entweder der syrischen Armee an oder flüchtete vollständig in andere Viertel. Die danach folgenden Kämpfe waren von geringer Intensität, es gab keine Frontverschiebungen.

Vor etwa einem Monat startete die FSA einen Angriff auf die Positionen des Islamischen Staates, aufgrund von Selbstmordattentätern und Scharfschützen konnte der Angriff aber abgewehrt werden. Zwei Wochen später startete der IS wiederum eine Offensive auf Stellungen der Armee nördlich von Yarmouk, musste sich aber zwei Tage später auf seine ursprünglichen Positionen zurückziehen. Das urbane Territorium macht es für beide Seiten schwierig, die jeweilig anderen Gebiete zu erobern. Aufgrund dessen wird der IS wohl noch länger dort sich aufrecht halten können.

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Hama

In Syrien ist der Islamische Staat damit nur noch in Idlib auf dem Vormarsch. Ursprünglich stammt er aus Ost-Hama, wo die syrische Armee ihn bedrohte. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion aber überquerte er (auch mit der Unterstützung von Tahrir al-Sham, die mehrere Checkpoints entlang der Straße überfielen und verbal dazu aufrief, die tausenden eingeschlossenen „Zivilisten“ zu retten) die Khanaser-Straße zwischen Hama und Aleppo und erreichte sicher Oppositionsterritorium.

Nach wenigen Tagen brachen Kämpfe zwischen Opposition und IS aus, nach kurzer Zeit konnten sie viele Dörfer erobern, nach einer Gegenoffensive aber wurden sie nur noch auf zwei Dörfer dezimiert. Seitdem erobert der Islamische Staat immer wieder neue Dörfer.

Auch wenn keine aktive Kooperation zwischen den beiden Fraktionen vorherrscht, ignoriert die SAA den Islamischen Staat aus strategischen Gründen, die letzten Kämpfe fanden zwischen den beiden Seiten vor mehreren Wochen statt. Es gibt Gerüchte darüber, dass die syrische Regierung (ähnlich dem Geschehen in Raqqah und Manbij) hunderte IS-Kämpfer aus dem Euphrat-Tal im Osten des Landes nach Idlib transportierte, um sie dann dort zu ihrem Vorteil einzusetzen. Dennoch gibt es bisher keinerlei Beweise dafür, vor allem weil ein solches Vorhaben äußerst auffällig wäre. Dennoch lässt es sich nicht vollends beweisen, ob es tatsächlich Teile des Islamischen Staates sind, denn bisher haben offizielle IS-Medien keinerlei Videos und/oder Bilder aus dem Gebiet veröffentlicht.

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Wo hält der IS noch Gebiete in Syrien? Teil 1

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Trotz offensichtlicher Siegesbekundungen von den Medien, den amerikanischen und russischen Verteidigungsministerien ist der Islamische Staat in Syrien nicht vollständig besiegt, geschweige vertrieben. In vielen Teilen des Landes hält er weiterhin isolierte Territorien, die zumindest eine Basis für einen zukünftigen Wiederaufstieg ermöglichen könnten. Auch wenn der IS schon lange seine Anziehungskraft verloren hat, so ist er weiterhin regional eine Gefahr für andere Kontrahenten im Konflikt. Hier handelt es sich um die Aufzählung aller Gebiete, in denen der Islamische Staat weiterhin Boden kontrolliert. Dazu zählen nicht Guerilla-Gruppierungen, wie sie es beispielsweise in Idlib gibt.

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Syrische Wüste & Euphrat-Tal

In der Grenzregion zum Irak erstreckt sich die große syrische Wüste, das Terrain dient als perfektes Rückzugsgebiet. Östlich und westlich des Euphrats soll demnach der Islamische Staat Wüstengebiete von insgesamt 15000km² kontrollieren. In dieser Region existieren weder Dörfer noch einzelne Siedlungen, insofern fehlt es an Infrastruktur zum Aufbau einer nötigen Basis. Die meisten IS-Kämpfer flohen in die Wüste nach den etlichen Niederlagen im fruchtbaren Euphrat-Tal und errichteten ähnlich dem Irak wahrscheinlich einige Lager und Tunnelsysteme, um weiterhin durch Guerilla-Taktiken operieren zu können.

Die syrische Armee versucht nun seit Wochen die Wüste zu säubern, bisher mit mittelmäßigen Erfolg. Südwestlich der Grenzstadt Abu Kamal trafen Eliteeinheiten der Tiger Forces auf mehrere Verteidigungsanlagen in Form von Gräben und Bunkern, die Anzahl an verbliebenen Kämpfern wird in die „Hunderte“ geschätzt. Die genauen Frontverläufe sind aufgrund der Wüste unklar, ebenso können beide Seiten keine Tausende Kilometer langen Frontlinien vollständig bemannen, wahrscheinlich überqueren IS-Kämpfer regelmäßig die syrisch-irakische Grenze.

Außerdem hält der Islamische Staat im Euphrat-Tal ebenfalls einige Dörfer und die Stadt Hajin. Neben einigen Ölfeldern ist das Gebiet aufgrund seiner landwirtschaftlichen Bedeutung relevant. Für die Bekämpfung dort sind die von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) zuständig. Seitdem die Armee aber die andere Seite des Euphrats vollständig unter seine Kontrolle brachte sind die Kämpfe zwischen SDF und IS relativ halbherzig, einige Zeit lang gab es sogar Gerüchte von einer Waffenruhe. In den letzten Wochen konnte die SDF keinen großen Vorstoß erzielen, was dem Islamischen Staat mehrere Angriffe auf die Armee ermöglichte. Mithilfe von Booten sollen dutzende IS-Kämpfer den Euphrat überquert und daraufhin Abu Kamal angegriffen haben. Insgesamt ermöglicht die Wüste und das Euphrat-Tal Angriffsmöglichkeiten auf verschiedene Orte: Deir ez-Zor, al-Mayadeen, Abu Kamal, Palmyra und die Straße zwischen Damaskus und Bagdad entlang des Euphrats.

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Armee erobert neue Gebiete in Nord-Hama und Beit Jinn

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Die Syrisch-Arabische Armee (SAA) und verbündete Gruppierungen konnten im Norden der Provinz Hama neue Gewinne erzielen und am Donnerstag Morgen mehrere Dörfer und Hügel erobern. Südöstlich von Abu Dali konnte die Armee das wochenlang umkämpfte Dorf Mushayrifah sichern, hinzu kommen die Dörfer al-Khalifah, al-Dijaj und der Hügel al-Maghta. Damit liegt man noch etwa zwei Kilometer von Abu Dali entfernt, einem ehemaligen neutralen Dorf, welches im Oktober in einer überraschenden Offensive von Tahrir al-Sham erobert wurde.

Neben Tahrir al-Sham sind ebenfalls weitere Gruppierungen in Nord-Hama involviert, darunter die international als terroristisch eingestufte chinesische „Islamische Turkestan-Partei“ oder FSA-Gruppierungen wie „Jaish al-Izzah“ oder die „1st Coastal Division“. Neuerdings kündigte Ahrar al-Sham ebenfalls seine Kooperation an, nachdem es zu Zerwürfnissen und oppositionsinternen Kämpfen gegen Tahrir al-Sham kam.

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Drusische Kämpfer in Mughr al-Mir

In der Region um Beit Jinn im Südwesten von Damaskus konnte die Armee und drusische Milizen hingegen das Dorf Mughr al-Mir erobern. Dies ist ein Resultat der Friedensverhandlungen zwischen der syrischen Regierung und der Opposition in der Region. Seit etwa zwei Tagen gibt es eine Waffenruhe, in den kommenden Tagen werden wohl die restlichen Kämpfer entweder nach Idlib oder Daara transportiert werden, insofern sie nicht die Generalamnestie akzeptieren und unter der Regierung leben wollen.

Derzeit gibt es Unstimmigkeiten innerhalb den islamistischeren Elementen vor Ort, ob man tatsächlich die Evakuierung akzeptieren solle. Dadurch sind die geplanten Verhandlungen um mehrere Tage verschoben worden. In den letzten Wochen konnte die syrische Armee strategisch wichtige Punkte in den Gebieten um Beit Jinn und umliegenden Dörfern erobern, wodurch die Opposition militärisch im Nachteil geriet und zwangsweise den diplomatischen Weg akzeptierten.

Vorbereitungen für eine Großoffensive auf Idlib

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„ISIS Hunter“ in Nord-Hama

In den letzten Tagen und Wochen erreichten immer mehr Verstärkungen der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) und verbündete Gruppierungen die Front in den Provinzen um Idlib, Hama und Aleppo. Meistens kehren sie von der Operation gegen den Islamischen Staat im Osten des Landes zurück, der dort nun fast völlig zerstört ist. Zudem sollen am Dienstag mindestens acht russische Iljuschin-Transportflugzeuge den Militärflughafen in Hama erreicht haben, Augenzeugen zufolge wurde eine große Menge an Waffen und Truppen entladen, wahrscheinlich werden sie ebenfalls in der Idlib-Operation gegen die Opposition involviert sein.

Syrische und russische Luftstreitkräfte intensivierten ihre Luftangriffe auf die Städte in Nord-Hama, wobei mehrere Munitionslager und Hauptquartiere zerstört wurden. Unterstützt wurde dies durch Artillerieangriffe auf Städte wie beispielsweise Kafr Zita oder al-Latinmah. Alles deutet auf die Vorbereitung einer groß angelegten Offensive auf das letzte größere Gebiet der Opposition, Idlib, hin. Dies wird wohl hauptsächlich von Nord-Hama aus geführt werden, da sich dort die größte Konzentration an Einheiten befindet. Möglich sind ebenfalls Operationen von der Provinz Aleppo aus.

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Syrischer Jet in Idlib abgestürzt

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Ein syrischer Jet des Typs „L-39 Albatros“ soll in der Nähe des Dorfes Abu Dali in der Provinz Idlib/Hama abgestürzt sein, wie Regierungs- und Oppositionsmedien melden. Die „Free Idlib Army“ spricht selber von einem Abschuss durch die eigene Luftabwehr. Ebenso möglich ist aber ein technischer Defekt, was bereits in der Vergangenheit für mehrere Abstürze innerhalb der syrischen Luftstreitkräfte verantwortlich war. Ein veröffentlichtes Video zeigt einen getöteten Piloten, welcher nach seinem Auffinden exekutiert wurde.

Ein weiteres Video soll den Abschuss durch ein MANPAD zeigen, welches die Aussage mit dem Abschuss bestätigen würde. Oppositionelle besitzen seit Jahren Flugabwehrraketen und MANPADs, dennoch ist deren Einsatz äußerst selten und liegt Jahre zurück. Möglicherweise wurden ihn in letzter Zeit neue Waffen geliefert, wahrscheinlicher ist aber ein einfacher Restbestand.

 

 

Südjemen hält erste Nationalversammlung

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Die südjemenitische Bewegung konnte am 23. Dezember einen weiteren Schritt in Richtung der eigenen Unabhängigkeit unternehmen. In der provisorischen Hauptstadt Aden kam es erstmals zur Nationalversammlung aller 303 Mitglieder beisammen, um über nähere Schritte zu debattieren. Ebenfalls anwesend waren wichtige Militärs und Stammesführer.

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Einigung zwischen Armee und Opposition bei Damaskus

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Im Südwesten der syrischen Hauptstadt Damaskus scheint es zu einer Einigung zwischen der syrischen Regierung und Oppositionellen gekommen zu sein, nachdem eine dreitägige Waffenruhe verkündet wurde. Die derzeit anlaufenden Verhandlungen soll sich um die Evakuierung von hunderten Kämpfern, deren Familien und weitere Zivilisten drehen, die aufgrund der bevorstehenden militärischen Niederlage in der Region um Beit Jinn lieber einen Transport in andere Oppositionsgebiete (vor allem Idlib oder Daara) vorziehen. In den letzten Wochen konnte die syrische Armee strategisch wichtige Punkte in den Gebieten um Beit Jinn und umliegenden Dörfern erobern, wodurch die Opposition militärisch im Nachteil geriet.

In dem belagerten Gebiet sind vor allem lokale Streitkräfte wie die „Streitkräfte des Mount Hermon“ aktiv, Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Jabhat Fateh al-Sham und al-Nusra) soll aber ebenfalls eine Präsenz besitzen. Insgesamt hält der Opposition lediglich vier Dörfer.

Neben den regulären Kämpfen fanden aber auch oppositionsinterne Konflikte statt. Unter anderem vertrieben lokale Kräfte radikalere Einheiten um Tahrir al-Sham aus dem Dorf Kafr Hawar, da sie sich für eine weitere Eskalation der Kämpfe einsetzten. Dementsprechend soll es separate Verhandlungen zwischen Kafr Hawar und der Regierung gegeben haben, die nicht denen von Beit Jinn entsprechen.