Wo hält der IS noch Gebiete in Syrien? Teil 1

DRFlYxVX0AI2Jvg.jpg

Trotz offensichtlicher Siegesbekundungen von den Medien, den amerikanischen und russischen Verteidigungsministerien ist der Islamische Staat in Syrien nicht vollständig besiegt, geschweige vertrieben. In vielen Teilen des Landes hält er weiterhin isolierte Territorien, die zumindest eine Basis für einen zukünftigen Wiederaufstieg ermöglichen könnten. Auch wenn der IS schon lange seine Anziehungskraft verloren hat, so ist er weiterhin regional eine Gefahr für andere Kontrahenten im Konflikt. Hier handelt es sich um die Aufzählung aller Gebiete, in denen der Islamische Staat weiterhin Boden kontrolliert. Dazu zählen nicht Guerilla-Gruppierungen, wie sie es beispielsweise in Idlib gibt.

©-rob3000-Fotolia.com-7.jpg

Syrische Wüste & Euphrat-Tal

In der Grenzregion zum Irak erstreckt sich die große syrische Wüste, das Terrain dient als perfektes Rückzugsgebiet. Östlich und westlich des Euphrats soll demnach der Islamische Staat Wüstengebiete von insgesamt 15000km² kontrollieren. In dieser Region existieren weder Dörfer noch einzelne Siedlungen, insofern fehlt es an Infrastruktur zum Aufbau einer nötigen Basis. Die meisten IS-Kämpfer flohen in die Wüste nach den etlichen Niederlagen im fruchtbaren Euphrat-Tal und errichteten ähnlich dem Irak wahrscheinlich einige Lager und Tunnelsysteme, um weiterhin durch Guerilla-Taktiken operieren zu können.

Die syrische Armee versucht nun seit Wochen die Wüste zu säubern, bisher mit mittelmäßigen Erfolg. Südwestlich der Grenzstadt Abu Kamal trafen Eliteeinheiten der Tiger Forces auf mehrere Verteidigungsanlagen in Form von Gräben und Bunkern, die Anzahl an verbliebenen Kämpfern wird in die „Hunderte“ geschätzt. Die genauen Frontverläufe sind aufgrund der Wüste unklar, ebenso können beide Seiten keine Tausende Kilometer langen Frontlinien vollständig bemannen, wahrscheinlich überqueren IS-Kämpfer regelmäßig die syrisch-irakische Grenze.

Außerdem hält der Islamische Staat im Euphrat-Tal ebenfalls einige Dörfer und die Stadt Hajin. Neben einigen Ölfeldern ist das Gebiet aufgrund seiner landwirtschaftlichen Bedeutung relevant. Für die Bekämpfung dort sind die von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) zuständig. Seitdem die Armee aber die andere Seite des Euphrats vollständig unter seine Kontrolle brachte sind die Kämpfe zwischen SDF und IS relativ halbherzig, einige Zeit lang gab es sogar Gerüchte von einer Waffenruhe. In den letzten Wochen konnte die SDF keinen großen Vorstoß erzielen, was dem Islamischen Staat mehrere Angriffe auf die Armee ermöglichte. Mithilfe von Booten sollen dutzende IS-Kämpfer den Euphrat überquert und daraufhin Abu Kamal angegriffen haben. Insgesamt ermöglicht die Wüste und das Euphrat-Tal Angriffsmöglichkeiten auf verschiedene Orte: Deir ez-Zor, al-Mayadeen, Abu Kamal, Palmyra und die Straße zwischen Damaskus und Bagdad entlang des Euphrats.

©-rob3000-Fotolia.com-7.jpg

Quneitra/Israelische Grenze

Nordwestlich der südsyrischen Stadt Daara, an der israelischen Grenze bzw. den Golanhöhen, liegt das Kontrollgebiet der „Jaish Khalid ibn al-Waleed“, einer dem IS zugehörigen Miliz. Ihre Fläche beträgt etwa 250km² und enthält viele Städte und Dörfer. Seit ihrer Gründung 2016 wurden sie relativ von den verschiedenen Seiten in Ruhe gelassen. Khalid al-Waleed startete einige Offensiven auf die Territorien der Opposition in der Provinz Quneitra, die eher vom unterdurchschnittlichen Erfolg geprägt waren. Im Februar 2017 konnte sie ihr Gebiet aber nahezu verdoppeln und die Städte Tasil, Adawan und  Saham al-Jolan erobern. Seitdem unternahm die Opposition (meistens angeführt von islamistischen Gruppen wie Ahrar al-Sham oder Tahrir al-Sham) mehrere Rückeroberungsversuche, die aber unter hohen Verlusten abgewehrt werden konnten.

Seitdem hat sich aber die Lage beruhigt, es kommt nicht mehr wirklich zu Kämpfen, vor allem weil oppositionelle Kräfte sich eher auf die syrische Regierung konzentrieren. Sollten sich Armee und Rebellen gegenseitig genug schwächen würde die große Stunde für den IS kommen, der als lachender Dritter neue Gebiete in Daara und Quneitra erobern würde.

©-rob3000-Fotolia.com-7.jpg

 

Advertisements