Türkei weiterhin auf dem Vormarsch gegen die Kurden in Afrin

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Die mit türkischen Panzerfahrzeugen ausgestattete islamistische Gruppierung Faylaq al-Sham bei Jinderes

Seit über einem Monat dauert nun die türkische Operation „Olivenzweig“ in Syrien an, wo die türkische Armee mit verbündeten Oppositionsgruppen (TFSA) gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) bzw. amerikanisch unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) vorgeht und dabei versucht, die Kurden aus der syrisch-türkischen Grenzregion zu vertreiben. Trotz Intervention regierungsunterstützender Milizen scheint der Vorstoß der türkischen Streitkräfte bisher unaufhaltsam zu sein, nach 35 Tagen kontrolliert der Nachbar etwa 10% Afrins. Währenddessen werden im Hintergrund neue Bündnisse und Rivalitäten geschmiedet, dabei nimmt die syrische Regierung eine besondere Rolle ein.

Die Türkei und die mit ihnen verbündeten Milizen konnten entlang der gesamten Front an Boden gut gewinnen, an einigen Tagen konnten sie ein Dutzend Ortschaften von den Volksverteidigungskräften erobern. Besonders bei den größeren Städten Bulbul, Jinderes und Rajo jeweils im Norden, Süden und Westen gab es diverse Erfolge zu verzeichnen, wodurch Jinderes und Rajo in Eroberungsreichweite geraten. In Jinderes konnte man die letzten Siedlungen von den Stadteingängen südlich und westlich sichern, während der Nachschubweg nach Rajo abgeschnitten wurde. Bei Kämpfen im urbanen Terrain sollen türkische Spezialeinheiten bereitstehen, die mit dem Häuserkampf Erfahrung besitzen.

Mehrere zuvor voneinander getrennten Vorstöße konnten entlang dem türkischen Grenzgebiet getrennt werden, wodurch die Kurden lediglich ~10% der türkisch-syrischen Grenze in Afrin kontrollieren. Dadurch wäre ein wichtiges Ziel für die Türkei erreicht, auch wenn weiterhin ein Großteil Afrins unter die Kontrolle der YPG fällt.

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Situation in Afrin am 23. Februar (blau: Gewinne der Türkei)

Die Anzahl der getöteten türkischen Soldat ist stark zurückgegangen und steht seit über einer Woche bei 32. In anderen Meldungen der YPG konnte man beim Hügel Bililka einen erfolgreichen Überfall durchführen und dabei mehrere Kämpfer töten. In Afrin hingegen werden „Massenbeerdigungen“ ein öfter erscheinendes Ereignis, wo Dutzende von YPG- und YPJ (Frauenverteidigungseinheiten)-Kämpfern zeitgleich beerdigt und damit hohe Verlustzahlen bestätigt werden. Beide Seiten beschuldigen die Andere, Verlustzahlen um die 1500 zu besitzen, wobei in diese Kategorie auch Verletzte und Gefangene fallen, dennoch sind diese Angaben absolut inflationär und spiegeln den Tatsachen auf dem Schlachtfeld nicht wieder.

In einem veröffentlichten Video konnte man sehen, wie syrische „Rebellen“ einen Traktor stehlen und den (scheinbaren) Besitzer kurz darauf mit mehreren Salven hinrichten. Hierbei handelt es sich nur um einen simplen Ausdruck der Disziplinlosigkeit und Korruption der syrischen Opposition, die unter der Kontrolle der Türkei wie aufgekaufte Söldner agieren. Die türkische Armee hat besonders auch bei gefangen genommenen Soldaten und Soldatinnen Probleme sie von der TFSA fernzuhalten, die sie bevorzugt am liebsten auf der Stelle töten würden.

Derweil erreichen immer mehr syrische Milizen die Frontlinien in Afrin, nachdem die syrische Regierung ihre Unterstützung für die Kurden angekündigt hat. Inzwischen erreichte der dritte Militärkonvoi die Stadt Afrin, darunter sollen ebenfalls russische Polizeistreitkräfte gewesen sein, die sich derzeit bei Tel Rifaat befinden. Allesamt wurden sie von der örtlichen Bevölkerung mit offenen Armen willkommen geheißen und es kam es zu mehreren Feiern in Afrin. Trotz derzeit eher begrenzter Unterstützung kann sich Bashar al-Assad als der „Retter der Kurden“ porträtieren, während die internationale Gemeinschaft die Unterstützung der Türkei bevorzugt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass am Ende der Operation „Olivenzweig“ ein Großteil der Territorien Afrins sich wieder unter der Kontrolle der Regierung befinden, da die YPG militärisch keine Chance hat und die einzig valide Option dann der Schutz der syrischen Regierung sein wird.

Diese Milizen sind vor allem syrischer und schiitischer Natur, dem Trend der letzten Wochen folgend geht es dabei vor allem um Kämpfer aus den schiitischen Grenzstädten Nubl und Zaahra. Bis 2016 waren beide Orte von der Opposition belagert, nur von Afrins Seite kam es zu einem regen Handel und Schmuggel von Waren über die Grenze. Dafür scheinen sie sich nun mit militärischer Unterstützung zu revanchieren. Bereits vor dem Eintritt gab es Beweise von der Präsenz schiitischer Milizen und derer Bewaffnung an den Frontlinien gegen die türkische Armee, z.B. in der Stadt Jinderes. Ihren Stützpunkt sollen sie bei der Kafrjanah-Militärbasis eingerichtet haben, welcher zuvor von Russland genutzt wurde.

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Überreste des getroffenen Trucks

Vor zwei Tagen kam es zu einem großen Vorfall im Osten Afrins. Mehrere Kampfjets und Artillerie sollen einen Konvoi angegriffen und teilweise zerstört haben. Bisher ist unklar, ob dieser Konvoi zur syrischen Armee bzw. regierungsverbündeter Milizen oder zur YPG gehörte. Ebenso unbekannt ist der Zweck des Konvois, ob er einen militärischen oder zivilen Hintergrund besitzt. Zunächst veröffentlichte Videos zeigen beim Angriff Sekundärexplosionen, die auf Munition und Waffen hindeuten. Am Tag darauf wurden jedoch auch Bilder veröffentlicht, die einen zerstörten Truck mit Gaskanistern zeigt, der Heizmittel nach Afrin transportierte. Umgebende Autos wurden von Querschlägern getroffen und sind teilweise zerstört oder beschädigt. Dennoch existieren nur Berichte über einige Verletzte, keine Tote.

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