Libyens mächtigster Mann ist tot

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Der libysche Militärkommandant und Anführer der „Libyschen Nationalarmee“ (LNA) Khalifah Haftar ist scheinbar in einem parisischen Krankenhaus gestorben, nachdem er vor zwei Tagen wegen eines Schlaganfalls von Jordanien nach Frankreich transportiert wurde. LNA-nahe stehende Quellen sprechen hingegen von der erfolgreichen Genesung und Rückkehr Haftars nach Benghazi im Nordosten des Landes, während Andere behaupten dass er nie einen Schlaganfall erlitten hatte. Trotz des offiziel klingenden Namens ist die Nationalarmee lediglich ein Zusammenschluss etlicher Milizen und Überresten der damaligen libyschen Armee unter Muhammar Ghaddafi, dessen Kontrollgebiet sich hauptsächlich auf die östliche Seite des Landes erstreckt und ihren politischen Sitz in Tobruk hat.

Sein Tod bedeutet eine ungeahnte Entwicklung für die Zukunft des nordafrikanischen Landes und eine nun verwirkte Möglichkeit auf eine mögliche Stabilisierung des Konfliktes im Land. Er galt als „starker Mann“ in Libyen, war aktiv im Kampf gegen verschiedenste islamistischen Gruppierungen wie dem Islamistischen Staat bei Sirte und Benghazi oder den Shura-Räten in Derna involviert und bekämpfte generell den politischen Islam, was ihm viele Ähnlichkeiten mit verschiedenen Militärführern (wie z.B. dem ehemaligen Verteidigungsminister Usama Juwaili) in Tripoli schaffte. Unter der Herrschaft des 75-Jährigen ließ er aber auch verbündeten Milizen und Stämmen freie Hand, vor allem da er auf sie und ihre Macht angewiesen ist. Dadurch kommt es regelmäßig wie in der gesamten Nation zu Entführungen, Exekutionen, Schmuggelei, Menschenhandel und Gelderpressungen. Insgesamt entsteht nun ein riesiges Machtvakuum, welches zu internen Machtkämpfen, Spaltungen und dem Aufstieg von dschihadistischen Gruppierungen führen würde.

Nutznießer sind besonders Katar und die Türkei und die von ihnen unterstützte Gegenregierung aus Tripoli. Der vor dem Ablauf des UN-Mandates als „Einheitsregierung“ und vom Westen anerkannter Rechtsnachfolger gilt als der größte Kontrahent gegen die Tobruk-Regierung, trotz diplomatischer Verhandlungen kam es zwischen den beiden Seiten zu keinen wirkliche Annäherungen. Die internationalen Unterstützer der Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten, Russland und teilweise auch Frankreich sind dabei die größten Verlierer neben der libyschen Bevölkerung, die nun einer ungeahnten Zukunft entgegen schauen.

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