UN: 78% der Bevölkerung Ost-Ghoutas blieb in Regierungsgebieten

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Die Karte zeigt die verschiedenen Flüchtlingslager in der Region um Damaskus (Anmerkung: Die Zahlen der UNCHR auf dem Bild stammen vom 14. April und sind dementsprechend leicht anders als die Neueren des OCHA).

Das Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) veröffentlichte am 18. April einen Bericht, welcher sich völlig der Situation in Ost-Ghouta widmete. Darin wurden unter anderem Zahlen veröffentlicht, die die Anzahl der Bevölkerung Ost-Ghoutas, als auch Statistiken über die Geflohenen näher beleuchtet. Demnach verblieb die überwiegende Mehrheit in den umkämpften Städten ohne zu fliehen, eine Minderheit floh noch während der anhaltenden Gefechte um Ost-Ghouta in die von der syrischen Regierung errichteten Flüchtlingslager im Großraum Damaskus, wovon wiederum die Hälfte in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Der kleinste Teil akzeptierte die von der syrischen Regierung und Opposition ausgehandelte Vereinbarung vom freiwilligen Abzug der Tausenden Kämpfer, ihrer Familienmitglieder und Sympathisanten in das teilweise von der Türkei und Islamisten kontrollierte Gebiet in Nord-Aleppo und die Provinz Idlib.

Die schätzungsweise 258.000 bis 298.000 Einwohner lassen sich wie folgend aufschlüsseln:

  • 92.338 Menschen begaben sich in die von Russland und Syrien errichteten und von internationalen Hilfsorganisationen unterstützten Flüchtlings- und Auffanglager im Umkreis von Ost-Ghouta.
  • 47.635 der obig bezifferten Personen erhielten inzwischen wieder die Erlaubnis in ihre Heimatstädte zurückkehren zu können, was wiederum bedeutet, dass noch 44.703 in diesen Camps verweilen. Bei den Meisten handelt es sich um Frauen und Kinder.
  • 66.000 Aufständische und Zivilisten wurden in die Provinzen Aleppo und Idlib gebracht.
  • 70.000 bis 140.000 Menschen verweilen weiterhin in Ost-Ghouta und sind dabei auf äußere Unterstützung angewiesen.

Angenommen man rechnet mit den höchsten Angaben (also 298.338 Einwohner) flohen also 22,1% der gesamten Bevölkerung erneut in die von den Rebellen kontrollierte Regionen, 31% nutzten die Flüchtlingslager und der große Rest mit 53,1% verblieb in ihrer Heimat. Durch den schnellen Sieg der syrischen Armee und die über den gesamten Zeitrum der Operation andauernden Verhandlungen zwischen beiden Seiten führten zu einer relativ friedlichen Übergabe diverser Orte (z.B. Douma, Harasta oder Irbeen), was die Zahlen erklären lässt, warum so viele ihre Heimat und Wohnungen nicht verlassen wollten/haben.

Ein Vergleich mit den Gefechten um Ost-Aleppo sind interessant, da dort „nur“ 74,8% oder 90.500 Einwohner in den Regierungsterritorien verweilten, während 30.487 Personen bzw. 25,2% nach Idlib evakuiert wurden. Eigentlich galten die mehrheitlich sunnitischen, armen Vororte von Damaskus als wesentlich pro-revolutionärer, während die Kämpfe erst vom Land 2012/13 aus erst nach Aleppo getragen wurden. Anzumerken ist hierbei aber, dass sich die Anzahl der verbliebenen Einwohner in Ost-Ghouta lediglich auf Schätzungen beruht und man bis dato keinen Zugang zu Douma hatte. Dort geht man bisher von 50.000 bis 70.000 Einwohner aus.

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