Islamischer Staat leistet in Damaskus Widerstand

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Zerstörter Armeepanzer in Yarmouk

Im südlichen Teil der syrischen Hauptstadt finden seit Tagen intensive Gefechte zwischen dem Islamischen Staat und der Syrisch-Arabischen Armee und weiteren Verbündeten statt, die auf beiden Seiten für Verluste sorgen und die Millionenstadt erneut wieder in Kämpfen verwickelt, kurz nachdem die Operation in der von der Opposition gehaltenen Enklave Ost-Ghouta erfolgreich abgeschlossen war. Mit der Unterstützung der syrischen und russischen Luftstreitkräfte konnte die Armee an mehreren Fronten vorrücken, jedoch stoßen sie dabei auf erbittertem Widerstand der Terrororganisation.

Erst am Montag veröffentlichte die dem Islamischen Staat nahe stehende Nachrichtenagentur AMAQ ein neues Video aus Yarmouk, dass den Einsatz von Selbstmordattentätern auf Verteidigungspositionen der syrischen Streitkräfte beweist und zudem mehrere Soldaten getötet oder gefangen genommen wurden, erst am Mittwoch wurden zwei Soldaten öffentlich enthauptet. Aufgrund des schwierigen, urbanen Terrains muss die Armee auch materielle Verluste hinnehmen, darunter mehrere zerstörte T-72-Kampfpanzer und Militärfahrzeuge.

Trotz des erbitterten Widerstandes des Islamischen Staates konnte die Armee einige Gebiete erobern, darunter Felder nördlich des Bezirks al-Asali und weitere Häuserblöcke im Süden von al-Zayn, wo die syrische Armee bereits über die letzten Tage hinweg vorgerückt ist. Angeblich konnten Einheiten bereits das Viertel Joura in al-Qadam betreten können. Inzwischen wurden die Reihen der syrischen Regierung mit der Eliteeinheit der „Tiger Forces“ verstärkt, die zuvor ihre Operation in Ost-Qalamoun gegen oppositionelle Bündnisse erfolgreich abgeschlossen haben. Sie stellen dabei vitale Truppen bei jedwedigen Offensiven dar und werden auch hier tatkräftig Unterstützung leisten.

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Einige vom IS erbeutete Waffen tragen die Symbole von „Jaish al-Islam“, stammen also wahrscheinlich direkt aus Ost-Ghouta

In den Damaszener Vierteln al-Yarmouk, al-Qadam und Hajar al-Aswad konnten sich Sympathisanten des Islamischen Staates bisher für Jahre halten, was vor allem auf die niedrige militärische Relevanz zurückzuführen ist. Vor wenigen Wochen aber kam es zu einer Eskalation der Gewalt, nachdem sich die syrische Regierung auf eine friedliche Vereinbarung mit der Opposition im Bezirk al-Qadam einigen konnte. Diese sah die Evakuierung der dortigen Rebellen vor, wofür im Gegenzug die syrische Armee die vollständige Kontrolle übernehmen wird. Nach dem Abschluss dieser Evakuierung starteten einige Kommandanten einen übereilten Angriff auf den IS in al-Yarmouk, der daraufhin mit unerbittlichen Gegenoffensiven reagierte und inzwischen fast gänzlich das Viertel al-Qadam sichern konnte.

Ursprünglich handelt es sich bei Yarmouk um ein palästinensisches Flüchtlingslager, welches jedoch nach mehreren Jahrzehnten zu einem richtigen Viertel heranwuchs. 2015 überrannten ehemalige Oppositionskämpfer unter der Flagge des IS das Viertel fast vollständig. Neben der Terrororganisation kontrolliert die Opposition ebenfalls umliegende Bezirke. Hier gibt es eine nahezu einzigartige Konstellation für Syrien: Neben einer Waffenruhe mit der Regierung wollen beide im Kampf gegen den Islamischen Staat miteinander kooperieren und z.B. vom eigenen Territorium gemeinsam Angriffe starten.

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