Syrische Armee erobert 75% der vom IS gehaltenen Gebiete in Damaskus

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Nur zwei Tage nach einem erfolgreichen Durchbruch und der Zweiteilung der Gebiete, welche sich in der syrischen Hauptstadt Damaskus unter der Kontrolle des Islamischen Staates befinden, konnte die Syrisch-Arabische Armee (SAA) und verbündete Milizen die südliche Hälfte vollständig erobern und damit das Viertel Hajar al-Aswad fast vollständig unter ihre Kontrolle bringen. Damit ist das Kontrollgebiet des IS nur noch auf etwa ein Viertel ihrer Ursprungsgröße in der Millionenstadt reduziert. Dennoch wartet wohl jetzt der schwierigste Teil der Operation auf die syrische Armee.

Innerhalb von nur zwei Tagen konnte etwa 80% vom Bezirk Hajar al-Aswad erobern werden, nachdem man es vom restlichen IS-Territorium isolieren konnte. Die schnellen Fortschritte weisen wohl darauf hin, dass nur noch wenige Kämpfer der Terrormiliz sich dort aufhielten und man sich stattdessen zurückgezogen hatte. Derzeit laufen Minenräumungsarbeiten an, die auch aktiv von Russland unterstützt werden. Nach al-Qadam ist es somit das zweite Viertel, welches von den syrischen Streitkräften fast vollständig gesichert wurde.

Zudem konnte man auch im palästinensischen Flüchtlingslager al-Yarmouk vordringen und mehrere Häuserblöcke (darunter eine Schule und ein Elektrizitätswerk) erobern. Damit ist der Islamische Staat größtenteils nur noch auf dieses Viertel beschränkt. Hierbei handelt es sich aber auch um das wohl am stärksten befestigte Gebiet, aufgrund seiner Historie als Flüchtlingslager existieren viele enge Gassen und es ist generell dicht bebaut. Nun kommt es auf die überlegende Feuerkraft der syrischen Armee und verbündeter Verbände an, denn die dortigen IS-Kämpfer haben eine wesentliche Erfahrung im urbanen Häuserkampf und haben wahrscheinlich neben Verteidigungspositionen auch etliche Tunnel- und Nachschublinien errichtet.

Parallel dazu ist die Evakuierung der umliegenden Oppositionsenklaven in vollem Gange. Die islamistische Fraktion Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Jabhat al-Nusra und Fateh al-Sham) wurde bereits aus al-Yarmouk vollständig evakuiert, leere Transportbusse erreichten derweil die weiter östlich liegenden Bezirke Bait Sham, Yalda und Babbila, wo nun schätzungsweise 5.000 Personen (Kämpfer und ihre Familienmitglieder) evakuiert werden sollen.

In den Damaszener Vierteln al-Yarmouk, al-Qadam und Hajar al-Aswad konnten sich Sympathisanten des Islamischen Staates bisher für Jahre halten, was vor allem auf die niedrige militärische Relevanz zurückzuführen ist. Vor wenigen Wochen aber kam es zu einer Eskalation der Gewalt, nachdem sich die syrische Regierung auf eine friedliche Vereinbarung mit der Opposition im Bezirk al-Qadam einigen konnte. Diese sah die Evakuierung der dortigen Rebellen vor, wofür im Gegenzug die syrische Armee die vollständige Kontrolle übernehmen wird. Nach dem Abschluss dieser Evakuierung starteten einige Kommandanten einen übereilten Angriff auf den IS in al-Yarmouk, der daraufhin mit unerbittlichen Gegenoffensiven reagierte und inzwischen fast gänzlich das Viertel al-Qadam sichern konnte.

Ursprünglich handelt es sich bei Yarmouk um ein palästinensisches Flüchtlingslager, welches jedoch nach mehreren Jahrzehnten zu einem richtigen Viertel heranwuchs. 2015 überrannten ehemalige Oppositionskämpfer unter der Flagge des IS das Viertel fast vollständig. Neben der Terrororganisation kontrolliert die Opposition ebenfalls umliegende Bezirke. Hier gibt es eine nahezu einzigartige Konstellation für Syrien: Neben einer Waffenruhe mit der Regierung wollen beide im Kampf gegen den Islamischen Staat miteinander kooperieren und z.B. vom eigenen Territorium gemeinsam Angriffe starten.

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