Türkei verstärkt seine Präsenz in Idlib

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In Angesicht der voraus stehenden Militäroffensive der Syrisch-Arabischen Armee mit der Unterstützung Russlands, dem Iran und anderer Milizen hat das nördliche Nachbarland seine militärische Präsenz in der von Islamisten gehaltenen Provinz Idlib erhöht und viele ihrer Militärbasen vor Ort ausgebaut. Bisher ist der genaue Anlass bzw. Hintergrund dafür unbekannt, angeblich soll es sich aber um ein Kräftemessen zwischen den Interessen Russlands und der Türkei handeln, die bei den letzten Astana- respektive Teheran-Gesprächen verschiedene Ziele bezüglich Idlib verfolgen würden. Tag für Tag erreichen neue Militärkonvois die türkischen Stützpunkte entlang der Frontlinien zur syrischen Armee, erst kürzlich wurden sogar erste Panzer nach Idlib transportiert.

Konvoi von Konvoi überquert den Bab al-Hawa-Grenzübergang zwischen Syrien und der Türkei, welcher von Jabhat Tahrir al-Souriyah gehalten wird. Waren es zunächst noch einzelne Hausteile, Betonblöcke und weiteres Gerät zur besseren Verteidigung der eigenen Positionen, kommen neuerdings auch Haubitzen und Panzer hinzu. Schätzungsweise bis zu 400 Soldaten der türkischen Streitkräfte sollen sich in den jeweiligen Basen aufhalten, die vom gebirgigen Latakia bis in den Südwesten von Aleppo reichen. In über 14 „Observierungspunkten“ stehen nun Soldaten im Falle einer türkischen Intervention und Eskalation im Syrien-Konflikt bereit. Es werden sogar Neue errichtet, so zuletzt in der Stadt Morek, gelegen in der Region von Nord-Hama.

Die Provinz Idlib steht seit jeher unter türkischem Einfluss, vor allem konnte es seine Macht vor Ort durch die Astana-Gespräche zwischen dem Iran, Russland und der Türkei zementieren. Um die in den gleichen Verhandlungen geplanten „Deeskalationszonen“ (darunter Idlib) zu schützen bzw. die Waffenruhe zu überwachen, errichtete die Türkei Dutzende der sogenannten „Observierungspunkte“, kleine vorgelegte Basen, die als natürliche Pufferzone zwischen Islamisten und Armee agiert. Inzwischen wurden sie nahezu zu richtigen Militärbasen ausgebaut und erhalten Luftaufklärung.

Die Rhetorik der Türkei hat sich im Verlauf der Hinterzimmer-Verhandlungen mit Syrien und Russland erheblich verändert. Drohte man zu Beginn noch mit einer eigenen militärischen Kampagne im Falle einer Idlib-Offensive, so erstimmte irgendwann die aggressive Rhetorik und man sei angeblich bereit, zusammen mit Russland gegen die „terroristischen Gruppierungen“ in Idlib vorzugehen. Nach den neuen Verhandlungen in Teheran hat sich die Beziehung zumindest öffentlich wieder wesentlich verschlechtert, erneut drohe man (zusammen mit den westlichen Staaten) mit einer Intervention im Falle einer drohenden humanitären Katastrophe.

Die Beweggründe sind weiterhin ein Mysterium, man munkelt geheime Deals mit der russischen Regierung, da auch die russischen Luftstreitkräfte seit zwei Tagen (relativ parallel zur Stationierung von neuen türkischen Truppen in Idlib) fast keinen einzigen Ort angegriffen hatte. Noch kurz zuvor kam es auf bis zu 60 Luftschläge an einem Tag, die kommende Großoffensive schien kurz bevor zu stehen. Beide wollen angeblich gegen Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Jabhat Fateh al-Sham und al-Nusra) kooperieren, welches die Situation in Idlib definiert und zugleich türkische Proxies bedroht. Was wiederum Russland bzw. die syrische Regierung erhält ist dabei unklar.

 

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