Islamisten inszenieren moderaten und zivilen Protest in Idlib

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Am vergangenen Freitag hat eine breite Allianz der verbliebenen militärischen und zivilen Organisationen in der von Islamisten beherrschten Provinz Idlib zum Massenprotest für die syrische „Revolution“ und gegen die bevorstehende Militäroffensive der Syrisch-Arabischen Armee und verbündeter Milizen aufgerufen. Von der Türkei unterstützt sind diese Demonstrationen vor allem an das westliche Publikum bzw. die westlichen Medien gerichtet mit dem Ziel, sich als eine moderate und breite zivile Alternative zur syrischen Regierung zu inszenieren, obwohl das exakte Gegenteil in Idlib der Fall ist. Deshalb rät man unter anderem vom Tragen islamistischer Flaggen in den Protesten ab, die die öffentliche Darstellung einer friedlichen Revolution untergraben würden.

Da sich die im Nordwesten Syriens befindliche Provinz derzeit im internationalen Rampenlicht befindet, wurden mehrere westliche Journalisten und Regierungsvertreter nach Idlib entsandt, um die dortige Situation zu untersuchen. Parallel dazu organisierte man die derzeitigen Demonstrationszüge in mehreren Städten, von der gleichnamigen Provinzhauptstadt bis nach Maarat al-Nuuman oder Atarib. Zudem haben prominente Vertreter von islamistischen Organisationen wie z.B. Huthaifa Azzam (al-Qaida) davon abgeraten, islamistische Flaggen wie jene von al-Qaida, Tahrir al-Sham oder die Shahada allgemein zu zeigen und stattdessen die der Republik Syrien bzw. der Freien Syrischen Armee zu nutzen, die gemeinhin als moderates Identifikationssymbol steht.

Zudem sind Audioaufnahmen vom Tahrir al-Sham-Emir Abu Akramah al-Urduni aufgetaucht, der sich für eine solche Taktik einsetzt. Demnach soll man Hand in Hand friedlich mit denen gehen, die die Proteste organisiert haben und dabei sich mit ihren Vorstellungen zu „koordinieren“, um eine geeinte und starke Front gegen das syrische „Regime“ zu inszenieren. Dabei sorgt man sich in der ersten Linie um das internationale Bild, sowohl der „Revolution“ als auch von Tahrir al-Sham, die sich zunehmend als unabhängig von al-Qaida inszenieren.

Dennoch kam es trotz dieser Bemühungen zu klaren, von Islamisten dominierten Protesten in einigen Orten. In der Großstadt Idlib gab es ein großes Fahnenmeer von Tahrir al-Sham, unter den nur mehrere Tausend zählenden Demonstranten waren viele eigene Kämpfer und keine Zivilisten zu finden. Anderorts waren islamistische Parolen, wo sinngemäß der Tod aller Alawiten und Schiiten generell gefordert wurde, zu hören. Auf einem Plakat wurde der Mord des russischen Botschafters in der Türkei gefeiert, welcher durch einen seiner türkischen Bodyguards getötet wurde. Als Grund gab er eine Racheaktion für Aleppo an. Diese Bilder werden aber wohl nie in den Medien zu finden sein.

Die Provinz Idlib wird in erster Linie von Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Fateh al-Sham und Jabhat al-Nusra, al-Qaida-Ableger) und ihren extremistischen Verbündeten kontrolliert, worunter jene wie der al-Qaida-Ableger Hurras al-Din oder die chinesisch-uigurische Islamische Turkestan-Partei fallen. Ein zweiter Machtblock stellt das Bündnis von Tahrir al-Souriya dar, welches von der Türkei aktiv unterstützt wird und primär aus islamistischen Organisationen wie Ahrar al-Sham oder Nour al-Din al-Zenki (bekannt für ihre Enthauptung eines 12-jährigen Kindes in Aleppo) besteht. Zudem konnte der Islamische Staat mithilfe von Schläferzellen seine Macht vor Ort ausbauen und begeht nahezu tagtäglich Anschläge. Innerhalb den Gruppierungen kommt es immer wieder zu Gefechten, die Dutzenden Zivilisten das Leben kosten und Idlib zu einem riesigen instabilen und von Krieg geprägte Region machen, in der ein Frieden unter Oppositionsherrschaft unmöglich ist.

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Plakat, welches den Mord der russischen Botschafters in der Türkei glorifiziert. Passend dazu: Die Flagge der Freien Syrischen Armee

 

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