Islamisten unter türkischer Kontrolle ziehen Waffen teilweise ab

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Panzer der „Nationalen Befreiungsfront“ wird von den Fronten abgezogen

Die Türkei hat nach eigenen Angaben den Abzug von schweren Waffen einzelner islamistischer Organisationen aus der mit Russland geplanten „Deeskalationszone“ überwacht und sieht dieses Vorhaben nach derzeitigen Stand abgeschlossen. Der Abzug schwerer Waffen ist einer der ausgehandelten Vereinbarungen, welcher bis Mitte Oktober abgeschlossen sein soll. Die relevanten und vor Ort dominierenden Gruppierungen scheinen aber weiterhin nicht gewillt zu sein, ihre Waffensysteme abzugeben und provozieren stattdessen mit immer stetigen Angriffen auf die Syrisch-Arabische Armee. Ein erfolgreicher Idlib-Deal scheint weiterhin entfernt zu sein.

Das erst neu gebildete Islamistenbündnis „Wataniya al-Tahrir“ soll demnach seine schweren Waffen aus der etwa 20 Kilometer breiten Pufferzone gebracht haben. Das vor allem aus den Dschihadisten von Tahrir al-Sham und Harakat Nour al-Din al-Zenki entstandene Bündnis wird in erster Linie von der Türkei finanziert und unterstützt, weshalb sie auch die zwischen der Türkei und Russland vereinbarten Verträge eingehalten werden (müssen). Das Bündnis selber ist eher in der Provinz Aleppo und im Nordosten Idlibs stark, ein geringer Teil von seinem Kontrollgebiet fällt unter die demilitarisierte Zone.

Im Gegensatz dazu sind relevante Gruppierungen wie Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Jabhat al-Nusra und Fateh al-Sham), Hurras al-Din oder die chinesische Turkestan-Partei weiterhin ungewillt, auch nur einen Panzer von den Frontlinien gegen die syrische Armee zu bewegen. Im Gegensatz dazu kam es in den vergangenen Tagen zu mindestens drei Vorfällen: Nahe den al-Ghaib-Feldern bei der Provinz Hama wurde ein Panzer der syrischen Armee durch Soldaten von Tahrir al-Sham leicht beschädigt, zudem kam es zu Feuerwechseln und Mörserbeschuss weiter südlich nahe der Stadt Khernaz.

Russland und die Türkei einigten sich vor einigen Wochen gemeinsam auf eine etwa 15 bis 20 Kilometer breite „demilitarisierte Zone“ entlang der Frontlinien in den Provinzen Idlib, Hama und Aleppo. Diese Pufferzone soll eine militärische Eskalation der derzeitigen Situation in Idlib verhindern, die letzte von der Opposition bzw. Islamisten gehaltene Provinz in Syrien. Die Kontrolle sollen dann türkische und russische Patrouillen in einem Gebiet übernehmen, welches vom Latakia-Gebirge bis an die Großstadt Aleppo reicht. Mit diesen Verhandlungen konnten beide Länder eine lange vorbereitete und angekündigte Großoffensive der Syrisch-Arabischen Armee zumindest vorerst aufhalten. Da es aber immer unwahrscheinlicher wird, dass sich die Islamisten an diesen Deal halten werden, rückt eine solche Operation und eine Legitimation ebendieser wieder in den Vordergrund und könnte die einzige langfristige Lösung für das Idlib-Problem darstellen.

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