USA zieht sich aus Syrien zurück, türkische Truppen bereiten Offensive gegen Kurden vor

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Türkischer Militärkonvoi bewegt sich Richtung syrischer Grenze

Nach den Drohgebärden des türkischen Präsidenten Erdogans, dass in den kommenden Tagen eine groß angelegte Militäroperation im Nordosten Syriens gegen die „terroristische PKK“ geführt werden soll, werden tagtäglich neue Kampfverbände der türkischen Streitkräfte an die türkisch-syrische Grenze versetzt, die dort auf das Gebiet der von den USA unterstützten „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) trifft, ein kurdisch-arabischen Milizenbündnis unter der Führung der Volksverteidigungseinheiten (YPG). Gerade diese diese Unterstützung scheint nun aber zu schwinden, nachdem man laut mehreren Beamten zufolge das US-Militär aus dem Nordosten Syriens zurückziehen will, um den Weg für die Türkei freizumachen. Damit scheint eine türkische Offensive auf die kurdischen Territorien östlich des Euphrats in näherer Zukunft unausweichlich.

Immer wieder werden Militärkonvois der türkischen Armee in Richtung der Grenze zum südlichen Nachbarn gesichtet, welche vor allem aus Dutzenden Militärfahrzeugen bestehen, die für offensivere Operationen eingesetzt werden und dementsprechend wenig Interpretationsspielraum für den Zweck offen lassen. Von Kobane bis der selbsternannten und zusammen mit der Regierung verwalteten Hauptstadt Qamishli reihen sich türkische Truppen zusammen mit pro-türkischen, syrischen Islamisten ein, darunter namhafte und verrufene Milizen wie Sultan Murad, die Hamza-Division oder Ahrar al-Sharqiya. Nach eigenen Angaben hat die Türkei selber bis zu 20.000 Kämpfer aus Syrien angeheuert und auch größtenteils finanziert haben. Zudem soll ein eigens kreierter Stellvertreter eingesetzt werden: Die „Syrische Nationalarmee“ besteht aus Kämpfern ehemaliger Milizen, die mithilfe von materialistischen Versprechungen angeworben wurden und selber eher türkische und keine syrischen oder gar „revolutionären“ Interessen vertreten. Ihre Symbole spiegeln dies nieder, statt die Flagge der Freien Syrischen Armee wird nur noch die Türkische genutzt.

Auf der anderen Seite der Grenze sieht die Situation kritisch aus. Nachdem es bereits vor über einem Monat zu sporadischen Artilleriegefechten zwischen türkischer Armee und Einheiten der SDF gekommen ist, werden nun auch die türkischen Luftstreitkräfte aktiv und sollen bereits vereinzelt Stellungen bei Tell Abyad eingesetzt haben, ohnehin ist die Luftaktivität von Kampfjets und Aufklärungsdrohnen über dem Nordosten Syriens so hoch wie noch nie, was ohne die Akzeptanz der USA unmöglich wäre. Aufgrund der Spannungen im nordsyrischen Grenzgebiet hat das US-Militär ursprünglich bis zu sechs Militärstützpunkte errichtet, die eine weitere Eskalation seitens der Türkei aufhalten und das kurdisch-arabische Bündnis schützen sollte.

Nun scheint es aber in Washington zu einer Wende gekommen zu sein, unzählige amerikanische Medien berichten von einem zukünftigen Abzug der 2.000 US-Truppen aus Syrien, nachdem es vergangene Woche zu einem Telefonat zwischen Erdogan und Trump kam. Inzwischen hat Trump in einem Tweet angedeutet, dass die US-Mission in Syrien (der Kampf gegen den Islamischen Staat) abgeschlossen sei. Zudem will die Türkei nun mehrere Patriot-Luftabwehrsysteme kaufen, statt russische S-400-Waffensysteme. Zu Beginn noch drohte die USA mit einer direkten Intervention, sollte die Türkei einen Angriff auf ihre kurdischen Verbündeten starten. Die Situation erinnert an Afrin, dort gab es bereits ähnliche Drohungen von den USA und Russland, letzten Endes wurde jedoch nichts unternommen. Es existieren bereits Berichte über den Rückzug aus den neu errichteten Außenposten an der Grenze, jedoch sind Diese nicht bestätigt.

Als größer Nutznießer aus der Situation gilt die Türkei, wodurch ihr Tür und Tor für eine Eroberung der kurdischen Gebiete im Nordosten Syriens geöffnet ist und damit die jahrzehntealte Rivalität mit der PKK und ihrer Verbündeten zu beenden. Zudem kann man seinen Einfluss auf weitere Teile Syriens erhöhen und somit weiterhin wichtiger Bestandteil für die Formung eines Syriens nach dem Kriege werden. Auf der anderen Seite gewinnt auch die syrische Regierung und ihre Verbündeten, führt die Isolation doch zu einer Annäherung der beiden, ansonsten neutralen, Fraktionen und könnte letzten Endes eine Befriedung für große Teile des Landes herbeiwirken. Als großer Verlierer gelten logischerweise die Kurden, haben sie zu sehr auf ihren einzigen Verbündeten gesetzt, welcher sie nun für eigene Interessen aufgegeben hat.

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