Kurden leiten finale Offensive gegen den IS ein

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Die von den USA unterstützten „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) verkündeten die finale Phase in der Operation „Jazira Storm“ gegen den Islamischen Staat. Nachdem ein mehrtägiges Ultimatum zur freiwilligen Kapitulation verstrichen ist, begann man zusammen mit der Internationalen Anti-IS-Koalition unter amerikanischer Führung mit der Wiederaufnahme von Luft- und Artillerieangriffen auf die letzte verbliebene Enklave des IS im ostsyrischen Euphrat-Tal. Die Terrormiliz kontrolliert nur noch wenige Dörfer, dort sind Hunderte (internationale) IS-Kämpfer, deren Familienangehörige und einfache Zivilisten auf einem kleinen Gebiet eingepfercht sind und als menschliche Schutzschilde dienen.

Der Islamische Staat kontrolliert nur noch die Dörfer al-Safafinah und Baghuz Farqwani, beide befinden sich etwa sieben Kilometer von der irakischen Grenze entfernt. Beide Orte wurden seit der letzten Nacht durchweg attackiert und bombardiert, durch Leuchtsignale wurde die Nacht zum Tag, nur ein kleiner Beginn für die bevorstehenden Gefechte der kommenden Tage. Einige IS-Kämpfer versuchen, sich als Zivilisten verkleidet in den Irak oder in die Türkei durchzuschlagen, Andere überqueren den Euphrat in Richtung des Regierungsgebietes am anderen Ufer, wo es nun seit mehreren Stunden auch zu ersten Kämpfen und Mörserschlägen gekommen ist. Viele davon möchten sich in den verschlagenen IS-Nestern in der syrischen und irakischen Wüste verstecken und von dort den gefährlichen Guerillakampf weiterführen, die den Islamischen Staat erst stark gemacht hat.

Besonders katastrophal ist die Situation der Tausenden Zivilisten, die aus Furcht oder Überzeugung weiterhin im Territorium des islamischen Staates überleben. Laut SDF-Angaben flüchteten etwa 20.000 Einwohner während des Ultimatums, die Meisten davon sind in provisorischen Flüchtlingslagern rund um die erst neulich wiedereroberten Stadt Haijin untergebracht. Innerhalb den IS-Dörfern sieht die Situation wesentlich schlechter aus: Nun haben sie keine Möglichkeit mehr zu fliehen, auch wenn das ohnehin nicht im Interesse der nicht minder radikalen Familienangehörigen steht. In einem von den Islamisten veröffentlichten Video, wo man stolz vom Abschuss einer irakischen Drohne berichtete, konnte man sehen und hören, wie eng beieinander Zivilisten und Kämpfer leben.

Während des Ultimatums hat der IS angeblich versucht, sich auf einen friedlichen Abzug in das von Islamisten kontrollierte Idlib zu einigen, jedoch wurden alle Gespräche kategorisch abgelehnt. Im Gegenzug hat die Terrormiliz die Entlassung mehrerer Geiseln angeboten, darunter auch den (eigentlich bereits für tot erklärten) italienischen Priester Paolo Dall’Oglio oder britischen Journalisten John Cantile, welcher zur Produktion von Propagandavideos gezwungen wurde. Das Schicksal viele Entführter und Gefangener ist unbekannt, die Meisten werden wohl noch vor der Eroberung ermordet oder durch alliierte Luftschläge getötet.

Trotz der absehbaren Niederlage des Islamischen Staates als territoriales Konstrukt wird er weiterbestehen und zu seiner alten Identität als Guerillamiliz zurückkehren. Bereits heute hat die Anzahl der Anschläge und Attentate im Territorium der SDF bzw. kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) erheblich zugenommen, gerade die Provinzen Raqqah und Hasakah kommt es nahezu wöchentlich zu Angriffen auf diverse Institutionen oder Stammesführer. Die Anschläge auf US-Truppen stellen dabei das bisherige Novum dar, innerhalb einer Woche wurden zwei US-Militärkonvois angegriffen, wobei vier Amerikaner starben. Auch in den Randgebieten der syrischen Regierung gibt es vermehrt Berichte, dass der IS die Unwirtlichkeit der syrischen Wüste für sich ausnutzt und von dort vermehrt Angriffe vor allem auf die drusische Bevölkerung in Suweida ausführt.

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