Araber protestieren in Rakka gegen die SDF

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In der Provinz Raqqah und der gleichnamigen Provinzhauptstadt kam es in den vergangenen Tagen vermehrt zu Protesten von Hunderten gegen die dort herrschenden „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) und für die Rückkehr der syrischen Regierung in die Großstadt, nachdem sie von dort 2013 vertrieben wurde. Anlass für die Demonstrationen sind die weiterhin anhaltenden Sympathien der vorwiegend arabischen Bevölkerung in der Region für Bashar al-Assad und die schlechte humanitäre Lage, in der ehemaligen Bastion des Islamischen Staates fehlt es weiterhin an humanitären Hilfsgütern, ein Großteil der Stadt ist zerstört. Raqqah gilt traditionell als Hochburg der syrischen Regierung.

Auch außerhalb Raqqahs kam es zu kleineren Demonstrationen, darunter auch die etwa 30 Kilometer entfernte Stadt Tabqa. Dort wurde ein Video veröffentlicht, welches etwa zwei Dutzend an Demonstranten verschiedenen Alters zeigt, welche am Ende vor hörbaren Schüssen fliehen. Aufgrund der Aufmachung der Videos ist es aber sehr wahrscheinlich, dass es sich um einen Fake handelt, alleine schon aufgrund der schauspielerischen Theatralik während der „Flucht“ und sich etwa 30 Leute mitten im Nirgendwo getroffen haben. Dennoch sind die arabischen Proteste nicht zu leugnen, in letzter Zeit wurde auch die mit der Regierung sympathisierende Guerillamiliz „Syrian Resistance“ aktiver, nachdem man für Monate nichts von ihr gehört hatte. Sie behauptet, amerikanische und französische Militärbasen mit Mörsern und Minen attackiert zu haben, Beweise gibt es dafür nicht.

Das Verhältnis zwischen arabischen Stämmen und dem hauptsächlich kurdischen Milizenbündnis der SDF war schon immer angespannt, oft kam es auch zu offen ausgetragenen Gefechten und Protesten, angefacht durch die weiterhin schlechten Lebensbedingungen gerade in der Region rund um Raqqa. Dieses schwierige Verhältnis und die grundsätzlichen Sympathien arabischer Stämme gegenüber der Regierung drückt sich aktuell auch in den Geschehnissen in der arabischen Stadt Mansoura aus. Mansoura befindet sich weit im Westen der Provinz Raqqah, nur wenige Kilometer von der für seinen Staudamm bekannten Stadt Taqba. Der Ort fiel während der großen Raqqah-Offensive der SDF den Kurden in den Hände, nur wenige Kilometer weiter südlich und westlich kontrolliert die syrische Regierung die Region.

Dort kam es in den letzten Tagen zu größeren Aufständen der arabischen Bevölkerung gegen die SDF. Es ist nicht ganz klar, was der Grund für die weiterhin andauernden Proteste im Ort sind, angeblich leistete man Widerstand gegen geplante Zwangsrekrutierungen, die in dem Tod eines Zivilisten endeten und damit die Lage noch weiter eskalieren ließ. Die Kurden geben „Schläferzellen“ und „Agitatoren“ des Islamischen Staates die Schuld für die Eskalation, jedoch steckt vor allem der al-Bukhmis-Stamm dahinter, der zugleich die Mehrheit der Bevölkerung in Mansoura stellt. Mehrere Gebäude und Kontrollposten der SDF wurden in Brand gesteckt, derzeit wurde in der Region der Notstand ausgerufen. Weitere Proteste gibt es gerade vom al-Shaitat-Stamm im Osten von Deir ez-Zor, nachdem die lokale Bevölkerung von den Öleinnahmen vor Ort ausgelassen werden.

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