Dutzende bei Gefechten zwischen Armee und Islamisten in Hama getötet

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Die Syrisch-Arabische Armee und verbündete Milizen konnten am Sonntag Morgen einen Infiltrationsversuch islamistischer Kräfte im Norden der Provinz Hama vereiteln, auf beiden Seiten erlitten dabei jedoch schwere Verluste. Dieser letzte Vorfall ist der immer häufiger werdende Ausdruck der bröckelnden Waffenruhe in Idlib und Umgebung. Hinzu kommt der inzwischen tagtägliche Austausch von Artillerie und Plänkeleien entlang der gesamten Frontlinie. Nun gibt es scheinbar Gerüchte über eine bevorstehende Offensive in Nord-Hama, um die bestehende Gefahr endgültig zu minimieren. Wie die Türkei auf Angriffe ihrer Stellvertreter und Syrienpläne reagieren könnte, bleibt abzuwarten.

Die islamistische Gruppierung „Ansar Tawhid“ verkündete am Sonntag zwei Operationen auf Verteidigungsstellungen der syrischen Armee in Nord-Hama, genauer nahe dem Ort Massasnah. Dort sollen sie zwei Checkpoints überfallen haben, konnten jedoch nach stundenlangen Gefechten erfolgreich ausgeschalten werden. Während Ansar Tawhid von bis zu 40 getöteten Soldaten berichtet, sprechen Regierungsmedien eher von bis zu 20 Toten. Ein Großteil der Infiltrationen wurden ebenso ermordet, Ansar Tawhid spricht von acht getöteten Kämpfern in den eigenen Reihen, während veröffentlichte Bilder mindestens 12 Islamisten zeigt. Die syrischen Streitkräfte sollen kurz darauf mit Drohnen- und Kampfjeteinsätze reagiert haben.

Es kam nicht nur zu Bodengefechten zwischen den zwei Fraktionen. Über die vergangenen Tage hinweg intensivierten sich auf beiden Seiten der Frontlinie der feindliche Beschuss. Die syrische Armee setzt inzwischen vermehrt Streumunition bei ihren Artillerie- und Luftangriffen ein. Attackiert wurden verschiedene Orte, darunter Hochburgen von islamistischen Gruppierungen wie Tahrir al-Sham oder Jaish al-Izzah, z.B. Khan Sheikhoun, Maraat al-Numan, Kafr Zita oder Lataminah. Die Opposition attackiert hingegen Orte wie Souran, Abu al-Dahli oder Marhardeh. Betroffen sind vor allem das stets umkämpfte Nord-Hama und der Westen der Provinz Aleppo.

Schon seit mehreren Wochen erreichen immer neue Verstärkungen, vor allem von der syrischen Armee aber auch von verbündeten Milizen, die Frontlinien nahe Idlib, vor allem in Süd-Aleppo sollen viele Truppen positioniert worden sein. Auch Gerüchte wurden verbreitet, so heißt es aus Kreisen der syrischen Militärs, dass die Türkei zukünftig ihre Grenzen bzw. Grenzübergänge zu Idlib schließen werden, ein Beleg für die intensive Kooperation zwischen der Türkei und seinem südlichen Nachbarn. Erst vor zwei Tagen veröffentlichte die Türkei und Russland eine gemeinsames Positionspapier, in denen man „entschiedene Maßnahmen“ bezüglich Idlib ankündigt. Inwiefern tatsächlich aber etwas geschieht, bleibt abzuwarten.

Russland und die Türkei einigten sich vor einigen Monaten gemeinsam auf eine etwa 15 bis 20 Kilometer breite „demilitarisierte Zone“ entlang der Frontlinien in den Provinzen Idlib, Hama und Aleppo. Diese Pufferzone soll eine militärische Eskalation der derzeitigen Situation in Idlib verhindern, die letzte von der Opposition bzw. Islamisten gehaltene Provinz in Syrien. Die Kontrolle sollen dann türkische und russische Patrouillen in einem Gebiet übernehmen, welches vom Latakia-Gebirge bis an die Großstadt Aleppo reicht. Mit diesen Verhandlungen konnten beide Länder eine lange vorbereitete und angekündigte Großoffensive der Syrisch-Arabischen Armee zumindest vorerst aufhalten. Sollten sich die Gerüchte über eine bevorstehende Operation bewahrheiten, so könnte sie für die syrische Regierung eine langfristige Lösung des Idlib-Problems bedeuten und würde damit die Opposition vollständig aus Syrien vertreiben.

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