Hunderte protestieren in Daraa gegen die Regierung

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Die neue Statue in Dara’a wird von vielen Personen gefeiert 

Eigentlich sollten die südsyrischen Provinzen Quneitra und Dara’a seit ihrer Wiedereroberung vor fast einem Jahr durch die Syrisch-Arabische Armee und verbündeter Milizen befriedet sein, in Wirklichkeit aber handelt es sich bei der Region um die Einzige im gesamten Land, in der es gezielte Angriffe und Anschläge gegen Institutionen der syrischen Regierung und der syrischen Streitkräfte gibt. So kam es neulich zu Protesten gegen die Errichtung einer Statue des ehemaligen Präsidenten Hafez al-Assad, an denen sich Hunderte beteiligten. All das ist das Ergebnis besonderer Konstellationen, die auch gerade von Russland herbeigewirkt wurden.

In den vergangenen zwei Nächten kam es zu erheblichen Demonstrationen im Zentrum der Städte Daraa und Tafas, Hunderte Menschen strömten auf die Straßen um gegen die Errichtung einer Statue von Hafez al-Assad zu protestieren. Es handelt sich vor allem um Unmut gegenüber der syrischen Regierung, die die Errichtung von glorifizierenden Werken wie Porträts oder Statuen der Wiedererrichtung von Infrastruktur vorzieht, in einigen Teilen Südsyriens ist die Lage zwar nicht kritisch, jedoch ist die Wasser- und Stromversorgung nur rudimentär und viele Gebäude sind weiterhin zerstört. Syrische Medien zeigen hingegen die Aufstellung der Statue, umgeben von Hunderten Menschen die ihren Präsidenten feiern.

Dara’a gilt als  der Geburtsort der „Revolution“ und versteht sich damit auch als Hochburg des Widerstandes gegen die syrische Regierung, während andere Landesteile fest unter Regierungskontrolle stehen und es dort fast nie zum erwähnenswerten Widerstand kommt. Der wohl primäre Grund des Aufstandes ist neben der regulären Unzufriedenheit aber in den Friedensverhandlungen zu finden, die nach der erfolgreichen Offensive der syrischen Armee durchgeführt wurden um weiteres Blutvergießen aus dieser für die Opposition aussichtslosen Situation zu vermeiden. Diese Operation spaltete das Territorium der Aufständischen in zwei Teile: Einen völlig umkreisten Ostteil rund um Dara’a und weiter westlich die Provinz Quneitra, die bisher nahezu unberührt von den Gefechten war und zumindest teilweise von Israel unterstützt wurden.

Während der Osten eine „reguläre Kapitulation“ akzeptieren musste (sprich: Generalamnestie für alle Kämpfer, Freiwillige können nach Idlib transportiert werden und die Regierung kehrt als Administrator zurück), sah es in Quneitra wesentlich besser für die Opposition aus: Auf Intervention Russlands konnte man einen sehr großzügigen Frieden schließen. Die Regierung wird zunächst nur rudimentär in die Region zurückkehren, Ex-Rebellen werden weiterhin die Verwaltung der Gebiete übernehmen und können sogar weiterhin ihre Waffen behalten. Ebenso wird die syrische Armee nicht zurückkehren, lediglich die russische Militärpolizei wird sporadisch Patrouillen fahren. Wie man heute weiß, war diese zugesprochene Autonomie verheerend für die gesamte Region.

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