Putschversuch in Venezuela gescheitert

skynews-venezuela-la-carlota_4655099

Nicht mal zwölf Stunden wurden benötigt, um den neusten Putschversuch der venezuelanischen Opposition niederzuschlagen. Der scheinbar durch Zeitdruck entstandene Versuch, mithilfe der Besetzung des Militärflughafens „La Carlota“ in der Hauptstadt Caracas einen landesweiten Militäraufstand mithilfe der populärer Unterstützung der Bevölkerung zu entfachen, ist rigoros gescheitert. Die wenige Dutzend Soldaten und Polizisten, die dem Aufruf der Oppositionsführer Juan Guaido und Leopoldo Lopez zum Aufstand folgten, konnten schnell wieder festgenommen werden oder wechselten ebenso schnell wieder die Seite. In der Umgebung des Militärflughafens und nahe des Transportministeriums kam es zu kleineren Scharmützeln zwischen übergelaufenen Soldaten und weiterhin loyalen Truppen und den mit ihnen verbündeten Colectivos. Guaido möchte dennoch nicht aufgeben und ruft für den 1. Mai zu den größten Protesten der bisherigen Landesgeschichte auf.

Gefechte fanden vor allem nahe La Carlota statt. Mehrere Guaido-treue Soldaten, bemerkbar an ihren blauen Armbändern, verschanzten sich auf der Brücke eines Verkehrskreuzes in der Nähe und erhielten dabei Unterstützung von Demonstranten, die zu Hunderten dem Aufruf von Guaido folgten und sich zum Militärflughafen begaben. Zu einem ernsthaften Schusswechsel kam es nie, einige Polizeistreitkräfte wurden nach freiwilliger Kapitulation durch Deserteure entwaffnet und gefangen genommen. Nahe dem Transportministerium kam es zu Kämpfen zwischen Colectivos, bewaffnete Stadtmilizen welche sich als ideologische Beschützer der bolivarischen Revolution betrachten, und übergelaufenen Polizisten. Letztere ergriffen schnell die Flucht, insgesamt gab es nur mindestens 69 Verletzten aber keinen Toten.

Die Opposition konnte zwar Zehntausende Menschen im gesamten Land mobilisieren, ernsthafte Auswirkungen hatten diese Proteste aber nicht. In Caracas wurden die Demonstranten nahe dem Flughafen mithilfe von Tränengas und gepanzerten Fahrzeugen vertrieben, dabei überfuhr ein Militärfahrzeug mehrere Demonstranten und verletzte schätzungsweise bis zu zehn Personen. Am Abend war die Umgebung wieder fest unter der Kontrolle der Regierung bzw. Armee. Zur gleichen Zeit kam es woanders noch zu Demonstranten und Gegen-Demonstrationen wie in der Nähe des Präsidentenpalastes.

-1x-1.jpg

Guaido-treue Soldaten mit ihren blauen Bändern auf der Altamira-Brücke

Eigentlich wollte Juan Guaido noch in der Nacht nach dem bereits niedergeschlagenen Putschversuch eine Rede vor seinen Unterstützern in der Öffentlichkeit von Caracas halten, jedoch rückte sein Medienteam von diesem Termin ab. In einer veröffentlichten Videobotschaft rief der Oppositionsführer jedoch weiter zu Protesten auf und dass das lediglich der Beginn der „Operation Freiheit“ sei. Darin bekräftigte er zudem den Aufruf zum Überlaufen. Tatsächlich aber kehrten Viele der anfänglichen Deserteure dem Aufstand den Rücken und behaupteten, von ihren Vorgesetzten getäuscht worden zu sein.

Anlass für den scheinbar übereilten und wenig durchplanten Coup war die Festnahme von Leopoldo Lopez, welcher seit 2015 unter Hausarrest stand. Per Videobotschaft wandte sich Guaido an seine Unterstützer und Demonstranten, umringt von mehreren Soldaten kündigte er am frühen Morgen die „Operation Freiheit“ an, dass die Armee nun umschwenke, um Venezuela von seinem Unterdrücker Nicolás Maduro und dessen Regime zu befreien. Daraufhin konnte Lopez aus seinem Hausarrest befreit und zum Militärflughafen „La Carlota“ gebracht werden, wo sich die maximal 100, Guaido-treuen Soldaten aufhielten. López sprach vom letzten und entscheidenden Kampf, um die Freiheit zu erreichen. Doch sein Tag endete zunächst in der chilenischen Botschaft, die ihm Zuflucht gewährte, als sich abzeichnete, dass es an diesem Tag nicht zum erhofften Umsturz kommen würde. Am Abend hieß es dann, er sei in die spanische Botschaft weitergezogen.

Es kann nur gemutmaßt werden, wieso dieser scheinbar übereilte und wenig durchplante Putsch überhaupt stattgefunden hat. Einige Gerüchte aus oppositionellen Kreisen besagen, dass eine mögliche Festnahme Guaidos immer wahrscheinlicher wurde und um dieser vorzubeugen, wurde die „Operation Freiheit“ verfrüht gestartet. Angeblich habe man sogar erhebliche Unterstützung innerhalb des Staatsapparates und des Militärs gehabt, aufgrund des Vorziehens aber rückte die Armee von der Unterstützung ab. Belege für diese Behauptungen gibt es hingegen nicht und erscheinen anhand des Putschverlaufes auch eher unwahrscheinlich. Ebenso unwahrscheinlich ist die Aussage des amerikanischen Außenministers Mike Pompeo gewesen, dass Maduro in Angesicht des Aufstandes nach Kuba fliehen wollte und bereits sein Privatflugzeug bereitstand, Russland ihn jedoch zum Bleiben überreden konnte.

Generell war die Rhetorik amerikanischer Politiker wieder besonders aggressiv. John Bolton, der Sicherheitsberater des Weißen Hauses, rief den Verteidigungsminister, den Obersten Gerichtshof und die venezolanischen Armee zum Einlenken auf. Dies sei die letzte Gelegenheit, um ungeschoren davonzukommen. Auch Kolumbien, Argentinien und Brasilien drückten ihre Unterstützung für den Coup aus und rief das Militär dazu auf, den Befehlen von Guaido zu folgen. Letzteres Land bot sogar 25 venezuelanischen Soldaten Asyl an. In Angesicht der internationalen Unterstützung  Für den misslungenen Putsch soll nun Kuba bezahlen, welche nach amerikanischer Darstellung die venezuelanische Regierung massiv unterstütze und sogar mehrere Bataillone im Land stationiert habe, um Maduro zu unterstützen. Trump droht mit Sanktionen und einem Embargo, sollte die karibische Insel nicht ihre „Militäroperationen“ in Venezuela beenden.