Islamisten erobern Stadt zurück

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Im Nordwesten der Provinz Hama kam es zu den schwersten Gefechten seit Monaten, nachdem eine islamistische Allianz unter der Führung der dschihadistischen Tahrir al-Sham eine Gegenoffensive startete. Ziel war die Wiedereroberung der Stadt Kafr Naboudah, welche erst vor zwei Wochen in Folge der Militäroperation von der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) gesichert werden konnte. Nach dem derzeitigen Stand konnten die Islamisten nach sehr schweren Verlusten den Ort erobern und der Armee selber großen Schaden zufügen, mehrere Kampfpanzer und Fahrzeuge konnten entweder erbeutet oder zerstört werden. Dies bedeutet zugleich das Ende der einseitig erklärten Waffenruhe und ein Zeichen dafür, dass eine friedliche Lösung des Konfliktes nicht möglich ist.

In der Nacht zum Mittwoch kam es zu erbitterten Gefechten in der einst 15.000 Einwohner zählenden Stadt Kafr Naboudah im Nordwesten der Provinz Hama, die Armee versuchte stundenlang ihre erst vor zwei Wochen eroberten Positionen zu verteidigen, scheiterten jedoch an der Übermacht der Opposition. Mithilfe von zwei Selbstmordattentätern bzw. Autobomben (SVBIED) konnte die Verteidigungsstellungen der Armee zunächst zerstört und dann in Folge einer Bodenoffensive unter der Unterstützung von Artillerie und mehreren Panzern erobert werden. Derzeit bezieht die Armee noch Position an den südlichen und westlichen Außenbezirken der Stadt, effektiv befindet sich der Ort aber unter der Kontrolle der Aufständischen.

Beide Seiten erlitten schwere Verluste im zwei- bis dreistelligen Bereich, besonders die Opposition beklagt mehrere zerstörte Panzer und Truppentransporter in den eigenen Reihen. Im Gegenzug dafür erbeuteten sie mehrere Fahrzeuge und auch zwei Kampfpanzer in Kafr Naboudah, nähere Details sind aber unbekannt. Ein besonderer Erfolg war die Sicherung von mindestens 16 Panzerabwehrlenkwaffen (ATGMs), welche für die Armee ohnehin schon ein großes Problem darstellen, welches sich nun noch intensivieren wird. Seit Jahren gab es nicht mehr solch einen Erfolg und zeigt auch auf, wie überraschend die Eroberung von Kafr Naboudah für das syrische Militär gewesen ist.

Vor Ort sind vor allem Milizionäre der pro-türkischen „Nationalen Befreiungsfront“ unter der Führung der islamistischen Ahrar al-Sham und Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Jabhat Fateh al-Sham und al-Nusra) aktiv und stellen das Gros der eingesetzten Kräfte. Auch die regional verwurzelte Jaish al-Izzah war präsent. In Kafr Naboudah konnte die islamistische Allianz nach eigenen Angaben mehrere Soldaten festnehmen, darunter auch einen Kommandanten der Eliteeinheit „Tiger Forces“, welche für den bisherigen Erfolg des Armeevorstoßes verantwortlich ist. Die syrische und russische Luftwaffe reagierten mit unablässigen Bombardements und warfen angeblich Flugblätter über Idlib ab, die Zivilisten zur Evakuierung aufriefen.

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Pressebilder der Ibtaa-Nachrichtenagentur zeigen Einheiten Tahrir al-Shams in Kafr Naboudah

Russland und die Türkei einigten sich vor mehreren Monaten gemeinsam auf eine etwa 15 bis 20 Kilometer breite „demilitarisierte Zone“ entlang der Frontlinien in den Provinzen Idlib, Hama und Aleppo. Diese Pufferzone soll eine militärische Eskalation der derzeitigen Situation in Idlib verhindern, die letzte von der Opposition bzw. Islamisten gehaltene Provinz in Syrien. Die Kontrolle sollen dann türkische und russische Patrouillen in einem Gebiet übernehmen, welches vom Latakia-Gebirge bis an die Großstadt Aleppo reicht. Mit diesen Verhandlungen konnten beide Länder eine lange vorbereitete und angekündigte Großoffensive der Syrisch-Arabischen Armee zumindest vorerst aufhalten. Die türkischen Observierungspunkte wurden bei Beginn der Operation mithilfe von Helikoptern verlassen.

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