Schwere Kämpfe in Nord-Hama

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Im Norden der Provinz Hama dauern die Gefechte zwischen Islamisten und syrischer Regierung weiterhin an, beide Seiten kämpfen erbittert um jedes Dorf. Die Gegenoffensiven der Aufständischen stoppte die Initiative des syrischen Militärs, stattdessen kommt es zu Kämpfen um Orte, welche fest unter Regierungskontrolle waren. Der Syrisch-Arabischen Armee fällt es bisher schwer, sich gegen die islamistische Allianz von Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Fateh al-Sham und al-Nusra) und der pro-türkischen „Nationalen Befreiungsfront“ durchzusetzen in Nord-Hama und macht nur langsam verlorenen Boden gut. Sowohl materiell als auch personell erleiden beide Seiten erhebliche Verluste, die Situation ähnelt einem Abnutzungskrieg.

Südlich der Stadt Kernaz dauern die schwersten Gefechte bisher an, mehrere Orte wechseln innerhalb weniger Stunden immer wieder den Besitzer. So kontrolliert die syrische Regierung das Dorf al-Jalahma, nachdem sie den Ort verloren und wiedererobern konnte. Dabei setzte Tahrir al-Sham auch zum wiederholten Male einen SVBIED ein, eine Autobombe welche von einem Selbstmordattentäter bemannt wird. Die Bombe zerstörte einen Gebäudekomplex am westlichen Stadteingang. Auf Drohnenaufnahmen der Opposition ist zu sehen, wie syrische Soldaten nach den ersten Angriffen von ihren Positionen fliehen. Bei der Offensive auf al-Jalahma wurden auch mehrere Fahrzeuge auf beiden Seiten zerstört, durch die Zunahme von Panzerabwehrlenkwaffen sind materielle Verluste sehr hoch. Die islamistische Allianz kontrolliert weiterhin fest die Orte Tell Malah und al-Judaydah südöstlich von al-Jalahma.

In der inzwischen wieder still gewordenen Latakiafront gab es am vergangenen Sonntag eine Nacht-und-Nebel-Operation von Eliteeinheiten der Nationalen Befreiungsfront eine Armeestellung erfolgreich überfallen. Dabei starben mindestens vier Soldaten. Eigentlich kam es in Latakia seit Wochen nicht mehr zu Gefechten, nachdem ein versuchter Vorstoß auf das Dorf al-Kabani von den Islamisten mehrmals vereiltet werden konnte. Die ständigen, professionellen Überfälle sorgen jedoch in den Reihen der syrischen Armee für hohe Verluste. Parallel dazu gibt es erste Berichte von der Reaktivierung der Aleppo-Front, wo die syrische Armee Artilleriesalven verschießt und die Luftwaffe Angriffe fliegt. Die Eröffnung einer zweiten Front würde neue Einheiten binden und die Opposition möglicherweise überlasten, auch da in Aleppo vor allem bisher ungenutzte schiitische Milizen aus dem Ausland präsent sind und die bisherige Offensive lediglich von der syrischen Armee, der Miliz Liwa al-Quds und russischen Kräften angeführt wurde.

Russland und die Türkei einigten sich vor mehreren Monaten gemeinsam auf eine etwa 15 bis 20 Kilometer breite „demilitarisierte Zone“ entlang der Frontlinien in den Provinzen Idlib, Hama und Aleppo. Diese Pufferzone soll eine militärische Eskalation der derzeitigen Situation in Idlib verhindern, die letzte von der Opposition bzw. Islamisten gehaltene Provinz in Syrien. Die Kontrolle sollen dann türkische und russische Patrouillen in einem Gebiet übernehmen, welches vom Latakia-Gebirge bis an die Großstadt Aleppo reicht. Mit diesen Verhandlungen konnten beide Länder eine lange vorbereitete und angekündigte Großoffensive der Syrisch-Arabischen Armee zumindest vorerst aufhalten. Ein Großteil der türkischen Observierungspunkte wurden bei Beginn der Operation mithilfe von Helikoptern verlassen, wovon Einige wenig später wieder besetzt wurden.

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