Syrische Armee wehrt mehrere Angriffe in Nord-Hama ab

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Von der syrischen Armee erbeuteter T-55 nahe Kafr Naboudah

Trotz wiederholter Versuche einer Waffenruhe kommen die Frontlinien in den Provinzen Hama und Idlib nicht zur Ruhe. In einem relativ kleinen Kampfabschnitt versuchen syrische Armee und die islamistischen Aufständischen, den jeweils Anderen zu überrumpeln und neue Gebiete zu erobern. Stattdessen aber herrscht Stillstand, die Frontlinien haben sich in den letzten Tagen und Wochen nur wenig verschoben. Beide Seiten starten tagtäglich kleinere Offensiven, die jedoch nur in schweren Verlusten enden. So sollen die zwei Fraktionen insgesamt über 100 Tote innerhalb weniger Tage beklagen, auch Zivilisten werden ermordet.

Besonders schwere Kämpfe dauern bei den Orten Jubyan und Tel Mahal an, welche von der Opposition in der letzten Gegenoffensive erobert werden konnten. Am Donnerstag und Freitag unternahm die islamistische Allianz unter der Führung der radikalislamistischen Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Jabhat Fateh al-Sham und al-Nusra) weitere Versuche, in dem Gebiet vorzudringen und besonders in Richtung der Stadt Kernaz, wo auch russische Einheiten präsent sein sollen, vorzurücken. Die syrischen und russischen Luftstreitkräfte fliegen weiterhin viele Angriffe auf feindliche Städte und Stellungen in Hama und Idlib.

Am Dienstag setzte Tahrir al-Sham sogar einen Selbstmordattentäter bzw. Autobombe (SVBIED) ein, um die Armeepositionen zu zerstören und viele Soldaten zur Flucht zu zwingen. In mehreren Tagen in Folge konnte die syrische Armee die Vorstöße abwehren, musste dabei aber auch eigene Verluste hinnehmen. Am Freitag starteten die syrischen Streitkräfte einen Gegenangriff mit der Hoffnung, die verlorenen Orte Tal Mahal und Jubayn wiedererobern zu können. Jedoch war dieser Versuch so erfolgreich wie die Operationen der Islamisten zuvor. Beide Seiten beklagen schwere Verluste in Folge dieser Gefechte, die syrische Armee zog die 4. Division von Kabani in Latakia nach Kafr Naboudah ab, um die Verluste vor Ort auszugleichen.

Auch in der Provinz Aleppo kam es zu mehreren Plänkeleien, bisher ein Novum. In Süd-Aleppo starben mehrere Zivilisten, nachdem Islamisten ein Dorf mit mehreren Raketensalven bombardierten. In Nord-Aleppo konnte die von der Türkei unterstützte Opposition eine russische Drohne des Typs Orlan-10 abschießen, welche dort scheinbar Aufklärungsflüge unternommen hat. Dies ist insofern ungewöhnlich, da es dort zu keinen offenen Kriegshandlungen zwischen Aufständischen und syrischer Regierung kommt.

Russland und die Türkei einigten sich vor mehreren Monaten gemeinsam auf eine etwa 15 bis 20 Kilometer breite „demilitarisierte Zone“ entlang der Frontlinien in den Provinzen Idlib, Hama und Aleppo. Diese Pufferzone soll eine militärische Eskalation der derzeitigen Situation in Idlib verhindern, die letzte von der Opposition bzw. Islamisten gehaltene Provinz in Syrien. Die Kontrolle sollen dann türkische und russische Patrouillen in einem Gebiet übernehmen, welches vom Latakia-Gebirge bis an die Großstadt Aleppo reicht. Mit diesen Verhandlungen konnten beide Länder eine lange vorbereitete und angekündigte Großoffensive der Syrisch-Arabischen Armee zumindest vorerst aufhalten. Ein Großteil der türkischen Observierungspunkte wurden bei Beginn der Operation mithilfe von Helikoptern verlassen, wovon Einige wenig später wieder besetzt wurden.