Islamisten entführen Kurden in Afrin

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Die Besetzung der nordsyrischen Region Afrin durch die türkische Armee und ihre syrischen Verbündeten dauert seit fast einem Jahr an, auch weiterhin wird die Region von Korruption, wirtschaftlicher Ausbeutung durch den nördlichen Nachbarn und innerislamistische Machtkämpfe geplagt. Direkt profitieren tut vor allem der kurdische Widerstand, welcher sich in den zwei Organisationen der „Wrath of Olives“ (WoO) und „Afrin Liberation Forces“ (ALF) bildet und seit jeher Hunderte Tote in den Reihen der Islamisten verursacht haben und intensive Beziehungen zur syrischen Regierung und der kurdisch-arabischen Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) besitzen. Zeitweise konnten sie sogar mit der Unterstützung der syrischen Armee einige Orte halten.

In Afrin detonierte eine Autobombe, welche in einer zentralen Straße einen Zivilisten tötete. Wenig später bekannte sich Wrath of Olives dazu, welche bereits in der Vergangenheit mit Autobomben in Erscheinung traten unter der Legitimation, dadurch die „arabischen Besetzer“ bzw. Flüchtlinge aus Afrin vertreiben zu wollen. Wesentlich prominenter sind hingegen die militärischen Aktionen, welche nahezu wöchentlich geschehen und meistens aus Überfällen auf Islamisten bestehen. Vor einem Monat veröffentlichte ALF ein Video, welches die Erstürmung eines militärischen Lagers der islamistischen Gruppierung Ahrar al-Sham zeigt und in dessen Folge fünf Aufständische getötet wurden.

Zeitweise konnte ALF sogar zwei Orte für mehrere Stunden kontrollieren, die Dörfer Maranaz und Malikiye wurden nach schweren Gefechten erobert, jedoch zogen sich die kurdischen Widerstandskämpfer in Angesicht türkischer Truppenverstärkung wieder zurück. Das Resultat: Über 20 getötete Islamisten, ein zerstörtes Panzerfahrzeug und ein wichtiges Zeichen gegen die türkische Kontrolle von Afrin. Dabei soll die syrische Armee sogar Artillerieunterstützung gegeben haben, wie Anwohner bestätigten. Ohnehin hat die Kooperation zwischen Kurden und syrischer Regierung zugenommen, nachdem man ein gemeinsames Gebiet in und um die Stadt Tel Rifaat verwaltet und des öfteren Angriffen von Islamisten und der Türkei ausgesetzt ist.

Die Unterstützung für die verschiedenen kurdischen Guerillagruppen und dem Widerstand generell nährt sich auch aus der destruktiven Wut der Islamisten. Derzeit versucht man die weitläufigen Olivenplantagen zu zerstören und die dadurch entstandenen Hölzer gewinnbringend in die Türkei zu verkaufen. Afrin ist nicht nur bekannt für seine Olivenbäume, auch haben Oliven vor Ort eine enorme symbolische Bedeutung (nicht umsonst nannte die türkische Armee ihre Offensive in Afrin „Operation Olivenzweig“). Immer wieder entstehen Brände auf den Plantagen, die den Aufständischen zugeschrieben werden. Türkische Unternehmer brüsten sich damit, Olivenöl aus Afrin international weiterzuverkaufen. Die noch aus dem 19. Jahrhundert stammenden Eisenbahnstrecken werden von verschiedenen Organisationen abgebaut und das Metall eingeschmolzen, alles für den eigenen Gewinn.

Außerdem gibt es Berichte von ständigen Entführungen und Denunziationen von kurdischen Einwohnern, um die arabischen Flüchtlinge aus den anderen Teilen Syriens zu bevorteilen. So entführten Islamisten eine Familie und verlangte vom Vater Lösegeld, ansonsten werden sie umgebracht. Wenige Wochen später wurde die Familie tot aufgefunden. An einem Kontrollpunkt wurden zwei Zivilisten zunächst gefangen genommen und daraufhin exekutiert.  Kurdische Bewohner werden zwangsenteignet und die Wohnungen daraufhin Flüchtlingen aus Ost-Ghouta gegeben. Währenddessen leben weiterhin etwa 150.000 Afrin-Einwohner in der Aleppo-Provinz, zwischen Tel Rifaat und der Millionenstadt Aleppo selber, in Flüchtlingslagern und besitzen keinen Zugang zu einer humanitären Versorgung.

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