Plant die Türkei eine neue Offensive in Syrien?

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Türkische Truppen werden nach Afrin verlegt

An der nordsyrischen Grenze brodelt es: Gerüchte von einer bevorstehenden Militäroffensive der türkischen Armee im südlichen Nachbarland verbreiten sich, nachdem die türkischen Streitkräfte vermehrt Truppen zusammenziehen, Teile der türkisch-syrischen Grenzmauer entfernen und auch ihre islamistischen Verbündeten in Syrien mobilisiert. Jedoch ist unsicher, gegen wen sich eine potentielle Operation richten könnte. Neben dem Kernland der von den USA unterstützten „Syrischen Demokratischen Kräften“ (SDF) bzw. der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) gerät auch die syrische Armee ins Fadenkreuz, welche Idlib, das Quasi-Protektorat der Türkei nachdem man mehrere Militärstützpunkte entlang den Frontlinien errichtete, mit anhaltenden Kämpfen bedroht. 

In den al-Ghab-Feldern, eine nach jahrelangem Frieden wieder umkämpfte Region im Südwesten der Provinz Idlib, wurde in den vergangenen Tagen ein riesiger Militärkonvoi der türkischen Streitkräfte gesichtet, besteht aus mehreren Militärfahrzeugen und auch Kampfpanzern und Transporter dafür. In der Region besitzt die Türkei zwei Observierungspunkte, welche eigentlich die zwischen der Türkei und Russland ausgehandelte Waffenruhe beobachten und einhalten sollte. Diese inzwischen immer weiter ausgebauten Militärbasen wurden mehrmals von syrischer Artillerie angegriffen, mehrere türkische Soldaten wurden dabei verletzt oder getötet. Aufgrund dessen baut die Türkei in dem Gebiet seine Präsenz und Macht aus und droht bisweilen auch der syrischen Regierung mit Vergeltungsschlägen. Es wäre nicht überraschend wenn Erdogan nun den derzeit anhaltenden Gefechten von Nord-Hama und al-Ghab einen Riegel vorschieben und effektiv seinen Einflussbereich ausweiten würde.

Auf der anderen Seite steht das nordsyrische Grenzgebiet im Rampenlicht, immer wieder werden Militärkonvois der türkischen Armee in Richtung der Grenze zum südlichen Nachbarn gesichtet, welche vor allem aus Dutzenden Militärfahrzeugen bestehen. Nahe der Stadt Tel Abyad nahe der Grenze hat die türkische Armee mehrere Grenzmauern entfernt, was aber in der Vergangenheit öfters vorkam und kein Anzeichen für eine potentielle Offensive darstellt. Dabei würde das selbe Szenario wie damals in Afrin drohen, islamistische Kämpfer brandschatzen alle Wertgegenstände und Ressourcen der Region, unterdrücken die kurdischen Einwohner und bauen ein Regierungssystem auf, welches alleinig auf Korruption basiert.

Auch die USA zeigt sich sichtlich unzufrieden gegenüber dem Verhalten der Türkei. Neben den Sanktionen aufgrund des Aufkaufs des russischen S-400-Luftabwehrsystems und des Verkaufsverbotes von F-35-Kampfjets an die Türkei ist das amerikanische Militär auch in Syrien aktiver geworden. Über der Provinz Raqqah kam es zu mehreren Patrouillenflügen der amerikanischen Luftwaffe und nördlich der Stadt Manbij, wo sich die Kurden eine direkte Grenze mit den türkisch unterstützten Islamisten teilt, wurden mehrere US-Fahrzeuge gesichtet. Aufgrund des schlechten Verhältnisses zwischen den beiden Ländern würde sich die Türkei wohl auch nicht durch die Präsenz der US-Truppen aufhalten lassen.

Zudem soll die Türkei ihren loyalsten Kämpfern, verschiedene Oppositionelle aus zumeist islamistischen Kreisen in Nord-Aleppo und Afrin, mitgeteilt haben, dass sie sich auf eine eventuelle Militäroffensive in Nordsyrien vorbereiten sollten. Möglicherweise könnte auch damit lediglich die Exklave Tel Rifaat gemeint sein, welche einst Teil Afrins war und inzwischen gemeinsam von Kurden und syrischer Regierung verwaltet wird. Bereits vor einigen Monaten gab es eine Offensive auf die Region, welche jedoch einen Tag später wieder abgebrochen wurde. Nach eigenen Angaben hat die Türkei selber bis zu 20.000 Kämpfer aus Syrien angeheuert und auch größtenteils finanziert haben. Zudem soll ein eigens kreierter Stellvertreter eingesetzt werden: Die „Syrische Nationalarmee“ besteht aus Kämpfern ehemaliger Milizen, die mithilfe von materialistischen Versprechungen angeworben wurden und selber eher türkische und keine syrischen oder gar „revolutionären“ Interessen vertreten. Ihre Symbole spiegeln dies nieder, statt die Flagge der Freien Syrischen Armee wird nur noch die Türkische genutzt.

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