Türkei droht mit neuer Offensive

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Der türkische Präsident Erdogan hat in der vergangenen Woche den Kurden bzw. die von den USA unterstützten „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) mehrfach mit einem bevorstehenden Angriff bedroht. Obwohl derartige Drohgebärden nichts ungewöhnlich seitens der Türkei sind, nahm die aggressive Rhetorik in den vergangenen Tagen vergleichsweise zu, auch gegenüber der Schutzmacht Amerika, welche die Türkei neuerdings mit eigenen Sanktionen belegt haben. Das neue türkische Auftreten verstärkt die derzeitigen Gerüchte über einen möglichen, bevorstehenden Angriff türkischer Truppen auf das Kerngebiet der SDF im Nordosten Syriens mit der Unterstützung der eigenen islamistischen Stellvertreter im südlichen Nachbarland, welche bereits in Afrin in Erscheinung traten.

„Wir sind entschlossen, den Terrorkorridor östlich des Euphrats zu zerstören“, sagte Erdogan gegenüber seinen Parteianhängern.Wer sich auf die Unterstützung ausländischer Mächte in der Region verlasse, könne sich begraben lassen, man werde die PKK unabhängig von den USA-Gesprächen vernichten, beschwörte der Präsident. Bei Gesprächen Anfang der Woche hatten sich die USA und die Türkei nicht auf die Pufferzone einigen können. Streitpunkte sind nach türkischen Angaben unter anderem, wer die Zone kontrollieren soll und ob die kurdischen „Volksverteidigungseinheiten“ (YPG) das Gebiet mit einem Durchmesser von schätzungsweise bis zu 20 Kilometern vollständig räumen müsste.

Derartige Aussagen sind nicht selten und finden alle paar Monate seitens Erdogan oder einem anderen Regierungsvertreter statt, im Vergleich zum letzten Mal hat sich das Verhältnis zu den USA jedoch deutlich verschlechtert, nachdem die Türkei aufgrund des Aufkaufs des russischen S-400-Luftabwehrsystems sanktioniert und daraufhin die Lieferung der modernen F-35-Kampfjets beendet wurde. Noch nie richteten sich die Drohungen der Kurden auch an die USA, die dazugehörige Schutzmacht in Syrien. Die Türkei wird keine direkten Angriffe gegen amerikanische Truppen starten, es ist aber auch unklar, was genau in den Hinterzimmern der Türkei und USA besprochen wird. Bereits in der Vergangenheit mit Manbij, Afrin und dem eigentlich geplanten Truppenabzug bewies die amerikanische Regierung, nur ein bedingtes Interesse an seinen kurdischen Verbündeten zu haben.

Auch kleinere Plänkeleien entlang der bereits geteilten Grenze zwischen SDF-Einheiten und islamistischen Milizen nahe Manbij haben zugenommen. Alleine gestern kam es in der Siedlung Sukkariyah al-Kubra zu größeren Scharmützeln, Militärfahrzeuge waren ebenfalls involviert. Auch Grenztruppen der syrischen Armee sollen präsent gewesen sein. Derartige Angriffe sind nichts ungewöhnliches, jedoch tauchen sie immer öfters, intensiver und mit einer höheren Frequenz auf. Auch die türkischen Streitkräfte treten vermehrt auf, so kam es am Freitag nahe dem Grenzdorf Derbasiyah zu Gefechten, nachdem Soldaten Feuer auf eine Verteidigungsstellung der SDF eröffneten. Die Kurden erwiderten hingegen nicht das Feuer, um ihrerseits nicht zu provozieren und weitere Angriffe zu legitimieren. Eine ähnliche Situation gibt es beim Ort Alishar, wo türkische Truppen sich prominent auf einem ungeschützten Hügel mit Artilleriegeschützen und Militärfahrzeugen zeigten, wohl in der Hoffnung, dass SDF-Kräfte sie dort angreifen und damit eine Invasion legitimeren würden.

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