Amerikanische Soldaten kontrollieren die Ölfelder

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Die amerikanischen Streitkräfte bauen ihre Präsenz in der öl- und gasreichen Provinz Deir ez-Zor im Osten Syriens massiv aus, Dutzende Militärkonvois überqueren die syrisch-irakische Grenze oder kehren aus Nordsyrien in die Region zurück, um dort mehrere Militärbasen unter dem Vorwand der „Anti-Terror-Abwehr“ zu errichten. In Wirklichkeit aber ist es der Versuch, der syrischen Regierung und ihren Verbündeten der Zugang zum eigenem Rohöl zu versperren. Alle Ölfelder, die sich im Territorium der einst von der USA aktiv unterstützten kurdisch-arabischen Streitkraft der „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) befinden, liegen nun unter dem Schutz amerikanischer Soldaten. Der langfristige Sinn der Operation ist fragwürdig

Derzeit werden mehrere Militärstützpunkte im gesamten Osten des Landes errichtet, ein Großteil der Materialien bezieht man aus dem Irak oder aus de inzwischen verlassenen Basen im Norden des Landes. So wurden etliche Trucks beispielsweise aus der Basis bei den Städten Kobane, Ain Issa oder dem Sarrin-Luftwaffenstützpunkt gebracht, dort sind nun Truppen der syrischen Regierung oder die russische Militärpolizei stationiert. Selbst mehrere Bradley-Schützenpanzer wurden nach Deir ez-Zor gebracht, um dort die größten Ölfelder des Landes vor diversen Schläferzellen des Islamischen Staates zu schützen. Das Terrain von Deir ez-Zor besteht größtenteils aus Wüste, einzige Lebensader ist der Euphrat, an dessen Ufern sich die größeren Orte der Provinz befinden. Traditionell stark sind dort die arabischen Stämme und Sympathien für islamistische Bewegungen, Kurden hingegen existieren quasi gar nicht. Dementsprechend kritisch wird die Präsenz des kurdisch-arabischen Milizenbündnisses der SDF vor Ort gesehen.

Sogar an die türkisch-syrische Grenze wagen sich einige der amerikanischen Truppen, da sich am nordwestlichsten Zipfel Syriens, in der Nähe der kurdischen Stadt al-Malikiya, ein weiteres Ölfeld befindet. Eigentlich fällt das Gebiet unter der türkisch-russischen Vereinbarung, dass die dortig stationierten Kämpfer der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) sich zurückziehen müssen und stattdessen Soldaten der syrischen Armee und russische Militärpolizei vor Ort stationiert werden sollen. Damit solle offiziell verhindern werden, dass die von den SDF kontrollierten Ölfelder wieder an die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) oder an „andere destabilisierende Akteure“ fallen, sagte ein Vertreter des Verteidigungsministeriums. Die geplante Verstärkung geschehe „in Abstimmung mit unseren SDF-Partnern“. Die Eroberung der Ölfelder vom IS sei eine der wichtigsten Errungenschaften im Kampf gegen die Terrormiliz gewesen.

Beim amerikanischen Präsidenten Donald Trump klingt die Absicht der amerikanischen Außenpolitik wesentlich anders, wie er in seinen Tweets preisgibt. Die USA würden das Öl schützen, „und wir werden in der Zukunft entscheiden, was wir damit machen werden“. Am Donnerstag schrieb er auf Twitter, er werde niemals erlauben, dass der IS sich wieder der Ölfelder bemächtige. In einem weiteren Tweet schrieb er: „Vielleicht ist es an der Zeit für die Kurden, sich auf den Weg in die Ölregion zu machen!“

Dem Selbstbild der YPG bzw. SDF helfen diese Aktionen mitnichten, zeigt es doch letztendlich die Abhängigkeit von ebenjenem Partner, welcher sie kurz zuvor in Stich ließ und damit eine türkische Invasion Nordsyriens ermöglichte. Dennoch heißen besonders in Deir ez-Zor einige Militärkreise die Präsenz der USA weiterhin als willkommen, da dort weiterhin die syrische Regierung abgelehnt wird. Ein prominentes Beispiel hierfür ist Abu Khawla, der Kommandant des ranghohen Deir-ez-Zor-Militärrates, welcher wiederholt eine amerikanische Intervention gegen das „Regime“ fordert und damit auch feindlich gegenüber dem Rest der SDF agiert, welche die Kooperation mit Assad unterstützen.

Die Situation ähnelt frappierend den Geschehnissen in al-Tanaf, einem syrisch-irakischen Grenzübergang im Süden des Landes. Dort intervenierte die USA mit Spezialeinheiten, um die dort stationierten Überbleibsel der Freien Syrischen Armee, die sich nach kurzer Zeit und etlichen Ausbildungsstunden in Jordanien in „Neue Syrische Armee“ umbenannten, vor der drohenden Offensive der syrischen Armee zu beschützen. Auch dort errichtete die USA unter dem Vorwand einer Anti-IS-Mission eine Militärbasis, die auch heute noch existiert und gemeinsam mit den syrischen Söldnern verwaltet wird. In der Realität hingegen ist das Ziel des Projektes die Blockade einer sicheren syrisch-irakischen Verbindung, um somit eine Landverbindung von Teheran bis zum Libanon zu verhindern und die syrische Regierung vom strategisch und ökonomisch wichtigen Partner Irak zu isolieren.