Exilregierung und südjemenitische Separatisten schließen Frieden

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In der Hauptstadt Saudi-Arabiens einigten sich die jemenitische Exilregierung und weite Teile der südjemenitischen Unabhängigkeitsbewegung in dem gleichnamigen Riad-Vertrag auf eine Waffenruhe und eine zukünftige Koordination im Kampf gegen die schiitisch-zaidischen Houthi-Rebellen im Norden des seit Jahren vom Bürgerkrieg betroffenen Landes. Damit konnte ein innerjemenitischer Konflikt gelöst werden, welcher besonders die Arabische Koalition unter der Führung Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate stärkt entlastet und damit im Kampf gegen die Houthis stärkt. Auch wenn das Abkommen von allen Seiten als Gewinn verbucht wird, existiert im Süden des Jemens weiterhin eine tiefe Unzufriedenheit mit der Exilregierung und die Überzeugung, dass man sich vom Rest des Landes abspalten sollte.

Eine der wichtigsten Elemente der Einigung ist die Integration derzeit bestehender südjemenitischer Gruppen wie die „Southern Resistance“ in die regulären Streitkräfte der jemenitischen Armee, was einer allgemeinen Amnestie gleichkommt. Zudem erhält die provisorische Regierung des Südjemens, der „südjemenitische Übergangsrat“, mehrere Ministerposten, wodurch sich viele Bewohner eine Besserung ihrer wirtschaftlich und sozialen Lage im vom Krieg geschundenen Land erhoffen. Dadurch wird ein Krieg im Krieg verhindert, der in den vergangenen zwei Jahren immer wieder neu auflammte. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Zweifel am langfristigen Erfolg des Vertrages.

Radiale Unabhängigkeitskämpfer halten den Deal lediglich für eine Beschwichtigung und zugleich den Verrat an einem südjemenitischen Staat. Sollten die neuen Minister nun ebenso wenig für das Wohl der Bevölkerung tun, können sich die Einwohner weiter radikalisieren. Auch auf Seiten der Exilregierung, welche mit dem Vertrag nach Aden wiederkehren soll, werden Stimmen laut, dass eine Versöhnung mit derartigen „Verrätern“ unmöglich ist. Zudem gibt es mehrere schwammige Formulierungen, die wiederum zum Ausbruch erneuter Gefechte und Eskalationen führen können.

Im August eroberten südjemenitische Unabhängigkeitskämpfer zum wiederholten Male die provisorische Hauptstadt Aden, welche zugleich die wichtigste Hafenstadt des Landes darstellt. Mit der Unterstützung der Bevölkerung konnten sie erfolgreich die wenigen Repräsentanten der Regierung vertreiben, der Konflikt drohte in die umliegenden Provinzen auszuarten. Doch kam es dabei durch die direkte Intervention Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate, die ein weiteres Blutvergießen und die Spaltung der Nation verhinderten und Druck für eine Waffenruhe machten, die nun mehrere Monate später mit dem Riad-Abkommen abgeschlossen wurde.

1990 vereinigte sich die Demokratische Volksrepublik Jemen (Südjemen) und Jemenitische Arabische Republik (Nordjemen) zur heutigen Republik Jemen. Dies geschah in erster Linie unter der Führung des Präsidenten von Nordjemen Ali Abdullah Saleh, weshalb bis heute die politischen Eliten aus dem Norden stammen oder zumindest Verbindungen zu ihnen aufweist. Die Vereinigung geschah zu Beginn unter der Hoffnung, auch zwei relativ verschiedene Länder, deren Kulturen, Ressourcen und Menschen zu vereinen. Doch bald kam es zur Ernüchterung, der Süden fühlte sich hintergangen, negiert und ausgebeutet und es kam 1994 zum Bürgerkrieg. Südjemen verlor jedoch den Konflikt und alle Hoffnungen auf ein föderalistisches System wurden aufgegeben. 2007 gab es zuletzt eine größere Unabhängigkeitsbewegung des Südens, die Hirak-Bewegung die kurz darauf brutal von der Saleh-Regierung niedergeschlagen wurde. Seitdem gab es immer wieder kleinere Proteste, letzten Endes führte aber die Kriegssituation und Entlassung von al-Zubaidi aber erst zur größeren Massenbewegung in Aden, die sich seitdem über den ganzen Süden ausbreitete und dank der Unterstützung der VAE auch eine größeres Milizenbündnis aufstellen konnte.