Schwere Kämpfe in Idlib

EKo5uI1XsAM1R_u.jpg

Kämpfer der Nationalen Befreiungsfront auf dem Weg zu den Frontlinien, die eingesetzten Truppen sind überdurchschnittlich gut ausgerüstet. 

Nachdem die syrische Armee und verbündete Gruppen eine neue, lokal beschränkte Militäroffensive im Südosten der letzten, noch von Aufständischen kontrollierten Provinz Idlib starteten und mehrere Dörfer erobern konnte, starteten die Oppositionellen mehrere erfolgreiche Gegenangriffe, die sich nun zu einer verfahrenen Situation entwickelt hat, in der beide Seiten Eroberungen für sich behaupten. Hierbei handelt es sich um die ersten Gefechte seit mehreren Wochen in Idlib, die Reaktivierung der Frontlinien könnte auf eine weiter angelegte Großoffensive der syrischen Streitkräfte hindeuten, die den südlichen Abschnitt von Idlib zum Ziel hat.

Die derzeitige Situation in Südost-Idlib ist relativ unübersichtlich, das Hin und Her erzeugt auf beiden Seiten für erhebliche Verluste. Zuletzt zog sich die syrische Armee aus der Stadt Ajaz zurück, nachdem sie es vor zwei Tagen wiedererobert haben. Die umliegenden Dörfer um Ajaz wechseln ebenso oft den Besitzer, derzeit kontrolliert die Syrisch-Arabische Armee aber den Großteil der Gebiete. Während die syrische Armee auf die Unterstützung der syrischen und russischen Luftwaffe setzen kann, setzen die islamistischen Kräfte unter der Führung der radikalislamistischen MIliz Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Jabhat Fateh al-Sham und al-Nusra) auf Eliteeinheiten und schwere Raketen, darunter die aus Ost-Ghouta bekannten „Elefant“-Raketen, die zu den schwersten, selbstgebauten Waffen auf Seiten der Opposition gehören. Aber auch die pro-türkische „Nationale Befreiungsfront“, bestehend aus verschiedenen islamistischen Gruppierungen wie Ahrar al-Sham oder Nour al-Din al-Zenki ist in den Gefechten involviert.

Im Zusammenhang zu der neuesten militärischen Eskalation stehend, setzten die Aufständischen nach langer Pause wieder Suizid-Drohnen ein, die den Luftwaffenstützpunkt der syrischen Streitkräfte nahe der Stadt Hama angegriffen haben. Die Operation konnte einen kritischen Erfolg vorweisen und den Kommandant der Basis töten und weitere ranghohe Mitglieder verletzen. In der Vergangenheit wurden diese Waffen hauptsächlich gegen die russisch-syrische Luftbasis in Hmeinmin genutzt, welche jedoch kaum Erfolge hervorbrachten.

Russland und die Türkei einigten sich im letztem Jahr gemeinsam auf eine etwa 15 bis 20 Kilometer breite „demilitarisierte Zone“ entlang der Frontlinien in den Provinzen Idlib, Hama und Aleppo. Diese Pufferzone soll eine militärische Eskalation der derzeitigen Situation in Idlib verhindern, die letzte von der Opposition bzw. Islamisten gehaltene Provinz in Syrien. Die Kontrolle sollen dann türkische und russische Patrouillen in einem Gebiet übernehmen, welches vom Latakia-Gebirge bis an die Großstadt Aleppo reicht. Mit diesen Verhandlungen konnten beide Länder eine lange vorbereitete und angekündigte Großoffensive der Syrisch-Arabischen Armee zumindest vorerst aufhalten. Jedoch zeigten sich schnell von beiden Seiten ein Desinteresse an einer Waffenruhe und mit kurzweiligen Unterbrechungen kommt es wieder zu intensiven Gefechten entlang des gesamten Frontabschnittes, die in der Eroberung von Nord-Hama für die syrische Armee mündete.