Türkei schmuggelt IS-Frauen aus Syrien

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Es war ein herzerwärmendes Wiedersehen, als die moldauische Staatsbürgerin Natalia Barkal mit ihren vier Kindern nach sieben Jahren in ihre Heimt zurückkehren konnte, wiedervereint mit ihren Eltern. Doch der Schein trügt: Bei Natalia Barkal handelt es sich um eine sogenannte „Braut des Islamischen Staates“, die voller ideologischer Überzeugung in den heiligen Krieg gegen die Ungläubigen im Nahen Osten zog und sich dort kurzerhand der Terrormiliz IS anschloss. Die scheinbar straflose Rückkehr nach Moldawien wurde durch die Türkei ermöglicht, welche eigener Darstellung zufolge diese hilflose Frau aus ihrer Entführung durch „terroristische Elemente“ befreit hätte. In Wirklichkeit jedoch besitzt die türkische Regierung eine lange Tradition, IS-Kämpfer aus der Gefangenschaft in Syrien zu befreien.

Türkische Medien verkündeten stolz, als die Türkei in einer „militärischen Spezialoperation“ die moldauische Staatsbürgerin mitsamt ihren Kindern aus dem Nordosten Syriens erfolgreich transportieren konnten. Natalia Barkal hat sich über ein Jahr in dem Gefangenen- und Flüchtlingslager al-Hawl aufhalten müssen, welches berühmt und berüchtigt für ihre Insassen und Größe ist. Das Camp befindet sich im Territorium des arabisch-kurdischen Milizenbündnisses der „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF), welches zu den USA, Russland und der syrischen Regierung neutrale bis gute Beziehungen unterhält und von der Türkei aufgrund ihrer Nähe zur PKK als terroristische Gruppierung eingestuft wird. Es ist mit Abstand das größte solcher Lager im Land.

Rund 70.000 IS-Anhänger und ihre Familienmitglieder sind dort untergebracht, die Meisten stammen aus den letzten Hochburgen des Islamischen Staates, worunter vor allem das irakisch-syrische Grenzgebiet fällt, z.B. al-Baghouz oder Haijin. Aufgrund dessen handelt es sich auch um die wohl radikalsten und zugleich überzeugtesten Anhänger der Organisation, welche trotz des immer offensichtlicher werdenden Zusammenbruchs dem ehemaligen Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi die Treue schworen. Darunter befinden sich auch sehr viele internationale Kämpfer, darunter Dutzende Dschihadisten aus Europa, Russland oder Zentralasiens.  Aufgrund des immensen Ausmaßes befindet sich das Lager in gewisser Eigenverwaltung, das alltägliche Leben unterscheidet sich wenig von dem unter der schwarzen des Flagge des IS. Insbesondere Frauen, welche bereits in der Vergangenheit eine große Rolle in der „öffentlichen Aufrechterhaltung des Islams“ in Form einer Glaubenspolizei (Hisbah) spielten, geben hier den Ton an. Barkal soll angeblich eine führende Figur der Hisbah in al-Hawl gewesen sein.

Inmitten dieser Atmosphäre wurde Natalia Barkal und ihre vier jungen Kinder im letzten Zeitraum sozialisiert. Ihr syrischer Ehemann war Dschihadist und wurde bei Gefechten um die Stadt Manbij im Jahre 2017 getötet. Angeblich geschah diese türkische „Befreiungsoperation“ auf Bitten der moldauischen Regierung und mit deren Unterstützung, jedoch zeigte sich die SDF in der Vergangenheit immer wieder willig, Staatsangehörige ihren jeweiligen Ländern bzw. ihrer Justiz übergeben. Die kurdische Allianz sucht sogar händeringend nach Abnehmern, nachdem ein Großteil des Westens keine Verantwortung für ihre Staatsbürger übernehmen will.

Jedoch handelt es sich bei dem Fall Natalia Barkal nicht um einen Einzelfall, tatsächlich wurde bereits vor einem Jahr eine andere moldauische Staatsbürgerin durch die Türkei aus Syrien geschmuggelt. Im neuesten UN-Bericht spricht man von der besorgniserregenden Entwicklung, dass ein ständiger Strom an Frauen, die in Verbindung mit dem Islamischen Staat stehen, durch Schmuggel und Korruption die Grenze zur Türkei überqueren und dort ein straffreies Leben führen können. Gerade weibliche Dschihadisten werden oftmals in der Öffentlichkeit als Opfer und weniger als Täter angesehen, obwohl Frauen sich ideologisch kaum von ihren männlichen Pendants unterscheiden und teilweise sogar radikaler auftreten, zu sehen in der Gründung der al-Khansaa-Brigade oder den Hisbah-Glaubenswächterinnen, welche als Sittenpolizei auftreten und kleinste Verstöße gegen den Islamischen Staat mit dem Tode bestrafen.