Irakische Armee 40km von kurdischer Hauptstadt entfernt

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Die Operationen der irakischen Streitkräfte und verbündeter Gruppierungen in der Provinz Kirkuk konnten einen neuen Teilsieg erringen, nachdem Einheiten der irakischen Armee und Hashd al-Shaabi die mehrheitlich turkmenische Stadt Altun Kopri (turkmenisch für „Goldene Brücke“) an der Grenze zur Provinz Erbil erobern konnten. Damit befinden sie sich nur noch 40 Kilometer von der kurdischen Hauptstadt Erbil entfernt. Dennoch sind weitere Vorstöße in diese Richtung unwahrscheinlich.

Die irakischen Kampfverbände und verschiedenen Milizen unter dem Dachverband der „Volksmobilisierungseinheiten“ bzw. Hashd al-Shaabi starteten ihre Operation vom Militärflughafen in Kirkuk und der weiter westlich gelegenen Stadt Dibis. Es gab diverse Berichte über einige Feuergefechte, auch vom Einsatz von Artillerie. Dennoch zog sich die Peschmerga ähnlich schnell zurück wie überall sonst, ebenfalls ziemlich unorganisiert. Scheinbar konnten allerlei Waffen wie Artillerie und Mörser in der Nähe der Stadt erobert werden. Die Peschmerga selber gibt an, mindestens 10 Humvees und mehrere Panzer (auch mit der Unterstützung deutscher Waffen) zerstört zu haben, Beweise gibt es dafür nicht.

Dennoch sind weitere Operationen in der Umgebung unwahrscheinlich, da der irakische Premierminister Haidar al-Abadi bereits angekündigt hat, an den rechtlichen Grenzen des irakischen Kurdistans anzuhalten und nicht weiter vorzudringen. Ausnahme sei es dennoch, wenn irakische Einheiten von diesem Territorium aus beschossen und angegriffen werden. Die zukünftigen Kämpfe zwischen der Peschmerga und irakischer Armee werden wohl eher nahe der iranischen Grenze und bei Mossul stattfinden.

Die Stadt Altun Kopri mit ihren 10.000 Einwohnern fast exakt zwischen Kirkuk und Erbin, etwa 35km nordwestlich von Kirkuk und 40km südlich von Kirkuk. Ihnen trennt der Zab-Fluss, der zugleich die administrative Grenze zwischen den beiden gleichnamigen Provinzen bildet. Kurz vor ihren Abzug zerstörte die Peschmerga die Hindi-Brücke über den Fluss.

 

 

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Israel bombardiert erneut syrische Armee

Die israelischen Luftstreitkräfte attackierten Einheiten der Syrisch-Arabischen Armee der Nähe des syrisch-israelischen Grenzregion bzw. der von Israel besetzten Golanhöhen. Ein nicht näher definiertes Projektil soll ein offenes Areal getroffen haben. Wenige Stunden später intervenierten israelische Jets und bombardierten die angebliche „Quelle“ des Beschusses. Es kam zu keinen Verletzten oder Schäden.

Die syrische Armee operiert derzeit nahe den Golanhöhen in der Provinz Quneitra/Rif Dimashq gegen eingeschlossene Oppositionelle bei Beit Jinn, welche bereits Territorien verloren haben. Diese Operation aber wurde vom Südwesten auf Beit Jinn gestartet, was damit in der gegensätzlichen Richtung der israelischen Grenze liegt. Israel bombardiert bei derartigen Vorfällen stets kategorisch die syrische Armee, unabhängig vom eigentlichen Verursacher.

Irakischer Premierminister ordnet Abzug von Hashd al-Shaabi aus den kurdischen Gebieten an

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Der irakische Premierminister Haidar al-Abadi ordnete den Rückzug von Hashd al-Shaabi aus diversen Gebieten ab, auch bekannt als die „Volksmobilisierungseinheiten“ stellen sie einen Dachverband verschiedener Milizen im Irak dar und unterstehen dem Oberkommando der irakischen Streitkräfte. Hashd soll sich damit aus den erst kürzlich vom irakischen Kurdistan bzw. der Peschmerga zurückeroberten Gebieten zurückziehen.

Diese sollen daraufhin von Polizeistreitkräften ersetzt werden. Hashd al-Shaabi besitzt den Ruf, eine schiitische Gruppierung zu sein, die vom Iran unterstützt wird. In Wirklichkeit aber besteht sie aus verschiedenen Interessengruppen, darunter auch viele christliche, assyrische und jesidische Milizen. Eigenen Angaben zufolge bilden sunnitische Stämme etwa 40% der eigenen Kampfkraft. Kurdische und westliche Medien haben den Eindruck erweckt, dass es sich hierbei um sektiererische Kämpfer handelt, die (sunnitische) Kurden ermorden und brandschatzend durch die Länder ziehen. Dies sorgte wiederum für Sorgen in der kurdischen Bevölkerung, worauf Abadi nun reagieren will.

General Issam Zahreddine vom IS getötet

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Der syrische General Issam Zahreddine wurde am 18. Oktober vom Islamischen Staat getötet, als sein Militärkonvoi mehrere Landminen auf der Insel Hawijat Saqr ausgelöst haben. Issam Zahreddine gehört zu den populärsten und kompetentesten Führungsfiguren im Militär der Syrisch-Arabischen Armee und war Kommandant der Eliteeinheit der „Republikanischen Garden“, die vor allem Damaskus schützen. Außerdem war er ein Druse aus der Provinz Suweida, die er gelegentlich besucht hatte.

Er selber aber war seit 2013 mit der Verteidigung der ostsyrischen Großstadt Deir ez-Zor beschäftigt, die zunächst von der Opposition und daraufhin vom Islamischen Staat belagert wurde. Erst Anfang September konnte die Syrisch-Arabische Armee den Belagerungsring durchbrechen und die eingeschlossenen Soldaten und Einwohner retten und den IS immer weiter in der gleichnamigen Provinz zurückdrängen. Er verstarb also, nachdem er sein eigen gesetztes Ziel erfüllt hatte, die „Zehntausenden Einwohner von Deir ez-Zor von Daesh zu schützen“.

Syrische Armee erobert letzte Gebiete zwischen Deir ez-Zor und al-Mayadeen

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Die Syrisch-Arabische Armee (SAA) konnte die letzten Gebiete zwischen der Großstadt Deir ez-Zor und der neuen, ehemaligen „IS-Hauptstadt“ al-Mayadeen entlang des Euphrats erobern, nachdem man sie vor rund einer Woche einschließen konnte. Einige Dörfer wurden zu Beginn der Offensive nach al-Mayadeen außen vor gelassen, da man weiter östlich operierte und das ganze Euphrat-Tal ignorierte. Nachdem man al-Mayadeen erfolgreich erobern konnte begann man mit Aufräumarbeiten in diesen Dörfern. In rund zwei Tagen wurden damit die Dörfer Buqrus Tahtani, Buqrus Faqjani, al-Zalbara, al-Aliyat, Abu al-Layl, Muhassan und al-Abd. Damit ist auch ein etwa 25 Kilometer langes Teilstück der N4-Straße in Richtung irakischer Grenze gesichert.

Auf der westlichen Seite des Euphrats, nördlich der Stadt Deir ez-Zor, konnte die Armee ebenfalls das Dorf al-Husayniyah sichern, welches nochmal die Belagerung des Islamischen Staates in Deir ez-Zor verstärkt. Das syrische Verteidigungsministerium berichtete offiziell von diesen Erfolgen.

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Außerdem gab es Berichte von enormen Fortschritten in Deir ez-Zor selber, wo die Armee mit verbündeten Gruppierungen die Viertel Kasarat, Kenamat und „Alter Flughafen“ erobert haben sollen. Das würde einen enormen Erfolg bedeuten, da die Frontlinien seit mehreren Jahren nahezu statisch gegen den Islamischen Staat waren. Es ist ungeklärt, wie viele IS-Kämpfer sich in dem belagerten Stadtteilen aufhalten. Dieser Vorstoß ist aber nicht gänzlich bestätigt.

Irakische Armee weiter auf dem Vormarsch

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Irakisches Oberkommando besucht das kürzlich eroberte Sinjar

Irakische Streitkräfte und verbündete Milizen konnten auf der gesamten „Frontlinie“ gegen die kurdische Regierung bzw. Peschmerga ohne Kämpfe vorrücken und mehrere Städte und strategisch wichtige Infrastrukturen sichern. Darunter zählen Staudämme, aber auch die etlichen Ölfelder in der Region um Kirkuk. Aufgrund der inexistenten Kämpfe lässt sich davon ausgehen, dass im Hintergrund mehrere Verhandlungen möglich sind.

Jesidische Milizen unter dem Kommando der „Volksverteidigungsmilizen“ bzw. Hashd al-Shaabi konnten die jesidische Stadt Sinjar erobern, nachdem sich die Peschmerga freiwillig ohne großen Widerstand aus der Umgebung zurückgezogen hat. Das umliegende Gebiet, vor allem das Sinjar-Gebirge, wurde innerhalb eines Tages erobert, weiter nördlich soll man verschiedenen Angaben zufolge bis zum Rabia-Grenzübergang sichern, der in Richtung Syriens und des Territoriums der kurdischen, von der USA unterstützten „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) verläuft. Damit findet sich auch wieder ein Großteil der Provinz Nirnaweh unter der Kontrolle der irakischen Regierung.

Sinjar gehört zu den größten und wichtigsten Städten der religiösen Minderheit der Jesiden, die vom Islamischen Staat getötet und versklavt wurden. Sinjar ist insofern symbolisch, da sie damals dort einen effektiven Widerstand mit der Unterstützung der PKK leisten konnten. Als die medial porträtierten „schiitisch-iranischen Milizen“ von Hashd al-Shaabi die jesidischen Dörfer südlich von Sinjar vom Islamischen Staat befreiten, liefen viele jesidische Milizen über und schlossen sich al-Shaabi an.

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Bisher ungefähre Eroberungen irakischer Truppen. Die weiße Linie zeigt das gesetzmäßige Gebiet des irakischen Kurdistans

Weitere Erfolge gab es nördlich von Mossul, was ebenfalls zur Provinz Nirnaweh gehört. Dort gab es nur verhältnismäßig kleine Eroberungen, darunter die Städte Zemar, Betnay und Telskuf, nachdem sich die Peschmerga zurückgezogen hat. Die Orte dort sind für ihre Präsenz der PKK bekannt, es ist unklar was für eine Rolle die PKK nach ihrem kurzen PR-Auftritt in Kirkuk spielen wird.

Weitere, kleinere Ergebnisse gab es nahe der iranischen Grenze, wo Jalawla im Khanaqin-Areal erobert wurde. Dort gab es erneut etliche Videos, die die ankommende Armee bejubeln. Außerdem wurden mehrere Ölfelder in der Provinz Kirkuk erobert. Derzeit findet ein Vorstoß in Richtung Dibis statt, wo sich der gleichnamige Staudamm befindet.

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Im Zuge des Referendum für die Unabhängigkeit des irakischen Kurdistans im September unter dem Diktator Bahrzani eskalierten die Beziehungen zur Regierung in Bagdad. Die relativ ölreiche Provinz Kirkuk befindet sich seit 2014 unter der Kontrolle der Peschmerga, nachdem sie von dort den Islamischen Staat vertrieben hat. Kirkuk und viele weitere Orte gehören damit nicht zum de jure-Territorium des irakischen Kurdistans. Daraufhin startete die irakische Armee eine Operation auf die Provinz Kirkuk, die bereits nach einem Tag erfolgreich abgeschlossen werden konnte.

 

Rakka vom Islamischen Staat befreit

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Die gesamte nordsyrische Großstadt al-Raqqah wurde von der von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) befreit, die hauptsächlich aus der kurdischen YPG und einigen arabischen Milizen besteht. Die Operation in der Stadt startete anfangs Juni und war die erste wirkliche urbane Auseinandersetzung der SDF gegen den Islamischen Staat. Beide involvierten Seiten und Zivilisten wurden mit Opfern in dreistelliger Höhe bei den Kämpfen konfrontiert.

Die Gefechte waren von verschiedenen Phasen geprägt, zu Beginn der Operation schien der Islamische Staat sichtlich überrascht von den Fortschritten der SDF gewesen zu sein und konnte nur wenig Widerstand leisten und die ersten Viertel an den östlichen und westlichen Enden schnell verlieren. Daraufhin schien der IS sich zu reorganisieren und ein Niveau aufzubieten, welches man in anderen „urbanen Höllen“ wie Mossul oder Tirkit kannte. Ein komplexes Tunnelsystem, Fallen, Minen und weitere improvisierte Sprengstoffe, Scharfschützen, Selbstmordattentäter (SVBIEDs) und der relativ innovative Einsatz von bewaffneten Drohnen.

Nur am Ende ging es relativ schnell, während man am 20. September „lediglich“ 80% kontrollierte, konnte der Islamische Staat nur mithilfe von Evakuierungen vom Zentrum und Norden der Stadt vertrieben werden. Das Viertel al-Amin mit dem großen Stadion und dem Krankenhaus als letztes Hauptquartier waren das verbliebene Restterritorium des Kalifats in Raqqah. Die letzten verbliebenen Kämpfer des Islamischen Staates wurden durch Verhandlungen zwischen der SDF und der USA nach Deir ez-Zor gebracht. Die USA hat einen ähnlichen Deal zwischen dem Islamischen Staat und der libanesischen Regierung im August scharf kritisiert und hielt den IS-Konvoi sogar mit Luftschlägen auf.

Die Schwäche des Islamischen Staates macht sich auch in ihrer medialen Berichterstattung bemerkbar. Jeden Monat sank die Anzahl an veröffentlichten Videos und Fotos, sowohl von der offiziellen IS-Nahrichtenagentur al-Hayat, als auch vom semi-offiziellen AMAQ. Von 54 Fotos im Juni waren es im September lediglich Acht, die Hälfte davon widmete sich lediglich der Lobpreisung von getöteten „Märtyrern“. Der Einsatz von Selbstmordattentätern hat sich ebenso verringert. Letzte Meldungen sprachen immer wieder von fünf getöteten „PKK-Kämpfern“, eine beispiellos niedrige Zahl für die ansonsten so inflationären Angaben von AMAQ.

Seit Beginn der Militäroperation zur Befreiung Raqqahs im November letzten Jahres im Umkreis der Stadt waren die Truppen der SDF immer weiter auf die Großstadt vorgerückt und im Juni erreicht. Raqqah war einst das administrative Zentrum des IS in Syrien, doch bereits vor der Offensive wurden die Institutionen in die Kleinstadt al-Mayadin verlegt. Im IS-Territorium in Raqqah sollen noch etwa 10.000 bis 25.000 Zivilisten verharren, Zehntausende flüchteten bereits und wurden in Flüchtlingslagern untergebracht.