Armee dringt bei Aleppo weiter vor

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Nach tagelanger Ruhe konnte die Syrisch-Arabische Armee (SAA) unter dem Kommando der „Tiger Forces“ und Suleil al-Hassan den militärischen Vorstoß im Osten der Provinz Aleppo erneut beginnen und auf einer breiten Front mehrere Kilometer weiter vordringen. So wurden die Gebiete südlich von Deir Hafer und der Jirah-Luftwaffenbasis Tel Hassan-Bahnhof, Thaletha-Farmen, al-Samajilia und Kaziat erobert. Nur noch wenige Dörfer trennen die 8km weiter südlich gelegene Stadt Maskaneh, die letzte Stadt in der Provinz unter der Kontrolle des Islamischen Staates.

Die Offensive im Osten wurde Ende März gestoppt und viele Einheiten nach Nord-Hama entlang des M4-Highways transportiert, da die dortige Opposition eine Überraschungsoffensive startete. Mit den nun vereinbarten „Deeskalationszonen“ bzw. regionalen Waffenruhen ist nicht zu erwarten, dass ein derartiges Ereignis erneut eintreffen wird.

Die Offensive steht auch mit der Operation „Lavendel“ im Zusammenhang. Diese hat ihren primären Zweck in der Aufhebung der Belagerung von Deir ez-Zor. Es ist die letzte, belagerte Bastion der syrischen Regierung und Armee entlang des Euphrates. Deir ez-Zor wird seit nun mehr als 3 Jahren vom IS belagert und ist in zwei Seiten geteilt. Vor dem Krieg hatte der Ort insgesamt 200.000 Einwohner, die heutige Zahl sollte weiterhin bei mindestens 50.000 liegen. Die belagerten Soldaten sind hauptsächlich die Republikanischen Garden unter dem Kommando von Issam Zahreddine.

Im Südjemen entsteht eine neue Unabhängigkeitsbewegung

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Wenige Tage vor dem 27. Jahrestag der Vereinigung des Jemens gibt es auf dem Freiheitsplatz in der provisorischen Hauptstadt Aden (die ursprüngliche Stadt Sana’a befindet sich weiterhin fest in der Hand der Houthis) eine große Demonstration. Aber nicht um die Symbolik dieses Tages zu feiern, sondern für eine neue, unabhängige Regierung im Süden des Landes. Lokale Medien beschrieben die Proteste als „die größten in der Geschichte der Stadt“. Es kommt auch zu Gewalt, viele Plakate mit dem Abbild des eigentlichen Präsidenten Jemens Abedrabbo Mansour Hadi wurden verbrannt.

Stein des Anstoßes war die Entlassung des populären Gouverneurs von Aden, Aidarous al-Zubaidi und des Kabinettsministers Hani bin Braik. Sie wurden vom Präsidenten nach ständigen Zerwürfnissen gekündigt, einem Präsidenten der seine meiste Zeit in Saudi-Arabien verbringt und schon ein Großteil seines Landes gegen die Houthis und ehemalige Saleh-Regierung im Norden und gegen al-Qaida im Osten verloren hat. Neben dem bereits erwähnten Grund fühlt sich der Süden des Landes systematisch vom Norden ausgebeutet und marginalisiert, wie Hisham al-Omeisy sagte. „Das Saleh-Regime und die heutigen, alten Eliten der Hadi-Regierung hatten sich nie für die Interessen der Bevölkerung des Südens interessiert“, fügte er hinzu. Hadi selber ist Mitglied dieser „Politischen Elite des Nordens“, obwohl er selber aus dem Süden stammt. Er war bereits unter Saleh Vizepräsident und treues Parteimitglied bis 2011, insofern wird er als Teil des „Saleh-Regimes“ gesehen.

Nur eine Woche später kündigte Zubaidi als Reaktion auf die Entlassung und die daraus resultierenden Proteste die Formierung eines „Politischen Übergangsrates“ an. Der Rat besteht aus 26 Mitgliedern, darunter Zubaidi als Vorsitzenden und Braik als Vizepräsidenten. Inzwischen genießt der Rat Anerkennung in den Provinzen Hadramout, Shabwa, Lahj, und Socotra, gefolgt von weiteren politischen Persönlichkeiten und Stammesführern, darunter Personen wie z.B. Sheikh Ali Mohsen Al-Sulaymani oder Nabil Al-Mashoushi.

Somit ist vor allem eine Fraktion der eindeutige Verlierer dieser Geschehnisse: die Hadi-Regierung. Nicht nur verliert er damit fast vollständig die Kontrolle über die relevanten Gebiete „seines“ Landes, sondern auch jegliche politische Legitimität. Was ein Eindruck macht ein Präsident, der immer mehr Zeit im Exil von Saudi-Arabien verbringt? Besonders ist der Süden geprägt von fruchtbaren Boden und reich an Rohstoffen, besonders Gas und Öl. Die stärksten und effektivsten Einheiten und Milizen stammen aus der Region um Aden, auf welche Streitkraft kann Hadi danach noch zurückgreifen, um effektiv die Houthis und weitere „Terroristen“ zu bekämpfen? Weiterhin ausländische Mächte wie Saudi-Arabien oder Sudan für die eigenen, nicht mehr von der Bevölkerung legitimierten und unterstützten Interessen kämpfen zu lassen wird dem Jemen nicht helfen.

Die Unabhängigkeitsbewegung bedeutet nämlich auch für internationale Partner Probleme: Die internationale Koalition unter der Führung von Saudi-Arabien machte mehrmals deutlich, dass nur die Hadi-Regierung die einzig anerkannte und offizielle Regierungsautorität im Jemen sein kann und man deshalb mit ihr aktiv im Kampf gegen den „Terrorismus“ arbeite. Diese Autorität würde ein Südjemen herausfordern, dennoch finden vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate – Mitglied in der internationalen Koalition – Gefallen an der Unterstützung dieser Bewegung. Der Übergangsrat selber machte deutlich, dass man dazu bereit ist, weiterhin mit der Koalition gegen den Terrorismus zu kämpfen. Zubaidi selber war bereits zu „Staatsbesuchen“ in Saudi-Arabien und den VAE.

1990 vereinigte sich die Demokratische Volksrepublik Jemen (Südjemen) und Jemenitische Arabische Republik (Nordjemen) zur heutigen Republik Jemen. Dies geschah in erster Linie unter der Führung des Präsidenten von Nordjemen Ali Abdullah Saleh, weshalb bis heute die politischen Eliten aus dem Norden kommen oder zumindest Verbindungen zu ihnen aufweist. Die Vereinigung geschah zu Beginn unter der Hoffnung, auch zwei relativ verschiedene Länder, deren Kulturen, Ressourcen und Menschen zu vereinen.  Doch bald kam es zur Ernüchterung, der Süden fühlte sich hintergangen und es kam 1994 zum Bürgerkrieg. Südjemen verlor jedoch den Konflikt und alle Hoffnungen auf ein föderalistisches System wurden aufgegeben. 2007 gab es zuletzt eine größere Unabhängigkeitsbewegung des Südens, die Hirak-Bewegung die kurz darauf brutal von der Saleh-Regierung niedergeschlagen wurde. Seitdem gab es immer wieder kleinere Proteste, letzten Endes führte die Entlassung von Zubaidi aber erst zur größeren Massenbewegung in Aden.

Erneut Erfolge der irakischen Armee in Mossul

 

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Die irakische Armee konnte im Nordwesten Mossuls erneut  Fortschritte verbuchen und mehrere Wohn- und Industriebezirke erobern. Die „Federal Police“, 9th Division, 15th Division, die Spezialeinheiten „Rapid Response Division“ und „Counter Terrorism Units“ begannen über die gesamte Woche hinweg weitere Vorstöße und eroberten somit verschiedene Wohnviertel. Nachdem die Viertel die Tage zuvor teilweise erobert wurden, sind folgende vollständig unter der Kontrolle der irakischen Armee: al-Rafae, al-Ra’abi und al-Aqtasadeen. Hinzu kommen weiter eroberte Teile der Viertel al-Najar und 17 Tammuz, welches inzwischen mit etwa 75% kontrolliert wird. Faktisch ist somit der Kessel geteilt, es ist nur noch eine Frage der Zeit bis man die sogenannte „dritte Mossul-Brücke“ erreicht.

Auf Seiten des Islamischen Staates scheint sich eine regelrechte Demoralisierung ausgelöst worden zu sein, in den umkämpften Vierteln herrscht Verwirrung und Desorganisation, man gibt sich gegenseitig für die unerwarteten Fortschritte des irakischen Armee die Schuld. Innerhalb von 24 Stunden brach die Front erneut zusammen. Die meisten Bewegungen der vergangenen Wochen erschienen unerwartet für den IS, besonders der plötzliche Vorstoß im Nordwesten. Es ist zu erwarten, dass der IS seinen letzten Halt in der Altstadt finden wird, wo die irakische Armee seit Monaten relativ „erfolglos“ versucht vorzudringen. Dort hält man viele Zivilisten als Geiseln und die engen Gassen befürworten die Kriegsführung des Islamischen Staates.

Schwere Kämpfe im Süden Libyens

In Libyen sind bei einem Angriff der vom Westen unterstützten Tripoli-Regierung bzw. „Third Forces“ auf die Brak Al-Shati-Luftwaffenbasis mindestens 50 Menschen getötet worden. Unter den Opfern sind in erster Linie Zivilisten und Soldaten der Tobruk-Regierung unter der Führung von Khalifa Hafta, ein ehemalig von der CIA unterstützten General, der eine prominente Figur im Putsch gegen Gaddafi war und inzwischen vor allem von Russland & Ägypten unterstützt wird. Von den bis zu 134 Personen sollen die meisten nach der Eroberung der Basis exekutiert worden sein, fünf davon wurden auch geköpft.

Am Donnerstag morgen wurde die Luftwaffenabasis in Kooperation des 13. Battalions der „Third Forces“ und der Benghazi-Verteidigungseinheiten angegriffen und erobert. Die dort stationierten Einheiten waren die „Dignity Operation Forces“. Ein Teil der Getöteten waren unbewaffnete Soldaten, die nach dem dreijährigen Jubiläum der „Dignity Operation Forces“ in Tocra nach Hause zurückkehren wollten. Laut der Tobruk-Regierung handelte es sich hierbei um einen klaren Bruch einer Waffenruhe, die einen Monat zuvor zwischen Khalifa Haftar und dem Vorsitzenden der Tripoli-Regierung  Faiez Serraj in Abu Dhabi beschlossen wurde.

PMU dringt nahe der syrischen Grenze vor

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Milizen unter dem Dach der PMU („Volksmobilmachungskräfte“) starteten am Freitag eine neue Offensive im Süden der Provinz Nirnaweh und Mossuls. Die Operation  soll die Region um al-Qayrawan erobern, welches auf halbem Weg zwischen Mossul und der irakisch-syrischen Grenze liegt. So wurden am sechsten und siebten Tag der Operation die Gebiete südlich von al-Qayrawan erobert, darunter Ain Fathy, Khams Talol, Adhila, Khalaf Al-Dibris, Al-Qahira, Karka, Al-Amdina. Akmisiyah, Ain Ghazal und die Sahl Sinjar-Luftbasis. Damit ist al-Qayrawan von drei Seiten isoliert, die Versorgungsstraße im Norden Richtung Basuk und im Süden Richtung Athril Garah ist abgeschnitten.

Neben den Fortschritten im Süden drang man im Norden bis an die Grenze zur Provinz Sinjar bei Basuk vor. Dies führte laut Medienangaben zu Konflikten mit der Peschmerga bzw. KDP, der dort dominierenden Regierung (dennoch haben dort Milizen wie die assyrische YBS, oder PKK ebenfalls eine bedeutende Rolle). Die PMU dementierte derartige Angaben, man arbeite kooperativ mit Bahrzani zusammen, um den Islamischen Staat aus Irak zu vertreiben.

 

USA bombardiert syrische Einheiten

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Die wie oben abgebildete Miliz Kataib Imam Ali soll von den Luftschlägen getroffen sein

Die „Internationale Anti-IS-Koalition“ bombardierte Donnerstag Abend einen Konvoi syrisch-schiitischer Milizen an, wie ein Sprecher des amerikanischen Verteidigungsministeriums gegenüber Buzzfeed bestätigte. Damaskus bestätigte ebenfalls, dass die Syrisch-Arabische Armee (SAA) nicht getroffen wurde. Dabei sollen 4 Panzer, 4 Pick-Ups und mehrere Shilkas zerstört worden sein, hinzu kommen laut unbestätigten Berichten 6 Tote. Laut der USA schoss man auf den Vorderteil des Konvois, um ihn zum umdrehen zu bewegen. Der Konvoi befand sich auf dem Weg zum Kampf in der Region um al-Tanaf an der syrisch-irakischen Grenze, wo seit Wochen ein Kampf zwischen SAA (und verbündeter Milizen) und verschiedenen, von den USA, Jordanien und Großbritannien unterstützten FSA-Milizen stattfindet.

Angeblich war Russland ebenfalls involviert gewesen, laut einigen amerikanischen Sprechern hatte man sie frühzeitig gewarnt. Außerdem soll sie die dortigen Milizen über diesen Vorfall gewarnt haben, was aber ignoriert wurde.

Trotz der Angaben von Damaskus und der USA könnten nach einigen Angaben wohl doch Einheiten der SAA (und andere Gruppierungen) getroffen sein, die derzeitige Situation ist unklar.

Die dort stationierten FSA-Einheiten sind in erster Linie die Nachfolger der „Neuen Syrischen Armee“, die „Fedal al-Tawhra“ und die „Ahmel Abdo-Streitkräfte“. Beide waren zuvor im Kampf gegen den Islamischen Staat in der syrischen Wüste involviert gewesen, hatten aber seit der gescheiterten Offensive auf Abu Kamal eine untergeordnete Rolle eingenommen. In dieser Offensive wurden Einheiten mithilfe von amerikanischen Helikoptern an ihren Zielort geflogen, nachdem sie ein Training für Fallschirmabwürfe absolvierten. All dies ist repräsentativ für die massive Unterstützung der USA für die dortigen Einheiten. So wurden auch wenige Tage zuvor etwa 150 amerikanische Spezialeinheiten vorgeschickt mit dem Ziel, wichtige Figuren in den Strukturen des Islamischen Staates in Abu Kamal auszuschalten.

Insofern sind derartige Aktionen besonders von der Trump-Administration nicht unerwartet gewesen, dennoch handelt es sich um eine neue Art der Eskalation, vor allem wenn das Ziel wie beschrieben schiitische Milizen waren. Der USA geht es ganz klar darum, dass die syrische Regierung bzw. Armee keine Landverbindung mit dem Irak aufbauen kann, deswegen operieren sie entlang der Grenze mit der FSA im Süden und der SDF im Norden. Syrien und Irak sind bekannt für eine enge Kooperation im Kampf gegen den Terrorismus (nicht nur der IS), der Transport von irakischen und iranischen Waffen und Milizen/Einheiten würde dadurch erleichtert werden. Und damit auch der Kampf gegen die syrische Opposition.

IS tötet dutzende Dorfbewohner in Ost-Hama

Der Islamische Staat griff mehrere Dörfer und Kontrollpunkte im Osten der Provinz Hama an und tötete bei diesen Überfällen mehrere Dorfbewohner. In der Umgebung von Aqarib kam es zu schweren Kämpfen zwischen dem IS und der dortig stationierten NDF-Milizen. Zu Beginn des überraschenden Angriffes durchtrennte man die Versorgungsstraße zwischen Salmaniya und al-Saan, gefolgt von der Eroberung der Dörfer Aqrab und Mabujah (laut der dem IS nahe stehenden Nachrichtenagentur AMAQ). Durch die Unterstützung von weiteren NDF-Milizen aus der Region konnte der IS aber nach wenigen Stunden auf seine ursprüngliche Positionen zurückgedrängt werden.

Innerhalb dieser weniger Stunden jedoch verursachte er ein Massaker an der Bevölkerung: Zwischen 30 bis 50 Zivilisten wurden umgebracht, darunter mehrere Frauen und Kinder. Die Zahlen sind momentan nur Schätzungen, die Anzahl könnte weiterhin steigen. Mindestens 20 Kämpfer wurden ebenfalls getötet oder verletzt.

Diese Art von Überfällen ist nichts neues für den Islamischen Staat, besonders in dieser bergigen Region kommt es oft zu Plänkeleien entlang den Versorgungsstraßen mit dem Ziel, neues Kriegsgerät zu beschaffen. Ein ähnliches Massaker gab es zuletzt 2015, wo in einem Dorf in der Nähe ebenfalls 46 Menschen umgebracht wurden.