Iran startet Raketen gegen den Islamischen Staat

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Moment, wo eine Rakete gestartet wird

Der Iran hat am Sonntag Abend mehrere Mittelstreckenraketen auf den Islamischen Staat in Syrien gezündet. Ziel war laut dem iranischen Militär das Hauptquartier des IS in der ostsyrischen Großstadt Deir ez-Zor, wo seit Jahren die syrische Armee vom IS belagert wird und sich mitsamt 70.000 Einwohnern halten konnte. Dem zufolge handelte es sich um einen erfolgreichen Angriff, Terroristen, Waffen und Fahrzeuge wurden vernichtet. Die Raketen starteten aus den westlichen Provinzen Kurdistan und Kermanshah.

Der Angriff war als „Racheaktion“ für die terroristischen Angriffe in Teheran angegeben, wo der Islamische Staat im Khomeini-Mausoleum und im Parlamentsgebäude mehrere Menschen tötete.

USA schießt syrischen Jet ab

Im Süden der Provinz Raqqah wurde ein syrischer Jet des Typs Su-22 abgeschossen. Laut dem syrischen Verteidigungsministerium wurde der Jet von der „Anti-IS-Koalition“, also der USA, abgeschossen. Der Kampfpilot ist dabei getötet worden. Das amerikanische Militär bestätigte den Abschuss des Jets, nachdem er angeblich SDF-Kämpfer im Dorf Jadin verletzt hatte. Das Dorf wurde bereits heute morgen von der syrischen Armee erobert. Außerdem befinde sich der Ort zwei Kilometer nördlich einer „SDF-Regierung-Deeskalationszone“, die scheinbar bisher völlig unbekannt war.

Der Jet ist in einer Region abgestürzt, wo es zurzeit zu schweren Kämpfen zwischen der Syrisch-Arabischen Armee und dem Islamischen Staat kommt. Die Region südlich von Raqqah ist vor allem von Ölfeldern und kleinen Dörfern geprägt. Zunächst klang dieser Vorwurf unwahrscheinlich, da in der Vergangenheit die syrischen Luftstreitkräfte nie die SDF in und um Tabqa (Jadin liegt südöstlich von Tabqa) angegriffen hatte und man sicherlich beim Kampf gegen den IS andere Prioritäten besitzt. Laut der YPG finden außerdem im Norden von Rusafa schwere Kämpfe zwischen SDF und der Armee statt.

Es handelt sich hierbei um eine neue Eskalation, nachdem die USA bereits in der Vergangenheit dreimal einen Militärkonvoi der Armee und verbündeter Milizen nahe dem irakischen Grenzübergang al-Tanf angegriffen hat. Nun attackiert die USA auch noch syrische Jets unter der Legitimation, sie hätten SDF-Kämpfer in einem von der Armee gehaltenen Ort angegriffen, welcher sich wiederum in einer einseitig deklarierten „Desskalationszone“ befinde. Der lachende Dritte: Der Islamische Staat.

 

Syrische Armee erobert erneut Gebiete südlich von Rakka

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Die Syrisch-Arabische Armee (SAA) bzw. die offensive Eliteeinheit der „Tiger Forces“ unter dem Kommando von Suheil al-Hassan konnten im Süden der Provinz Raqqah erneut neue Fortschritte erzielen und dabei mehrere Dörfer einnehmen. Die Offensive fand in östlicher Stoßrichtung statt, Ziel ist die antike Ruinenstadt Segiopolis und der M6-Highway, der die Städte Raqqah und Deir ez-Zor miteinander verbindet. Erobert wurden dabei am Samstag die Dörfer Bir Jayf, Bir Musa, al-Hindi, Abu Hamat, Abu Khamis, al-Sudran, Rajm al Hurat, Hadlah, Haj Mafadi, Bir al-Adad Abu al-Sunabi, Bir al-Malat, Birr Alkhu-Haldlah, al-Muzafi und Tal Rajm. Damit wären sie rund sieben Kilometer von Rusafa entfernt, 43km südlich von Raqqah.

Die dortige Region südlich von Raqqah ist vor allem von Wüsten und kleinen Dörfern geprägt, insofern ist ein schnelles vorschreiten gegen einen geschwächten Islamischen Staat zu erwarten. Rusafa (Segiopolis) gilt als Etappenziel für die Aufhebung der Belagerung von Deir ez-Zor. Nun ist zu erwarten, dass der restliche IS im Osten der Provinz Hama zusammenbrechen wird und der Weg nach Ostsyrien „offen“ ist.

Die Offensive steht auch mit der Operation „Lavendel“ im Zusammenhang. Diese hat ihren primären Zweck in der Aufhebung der Belagerung von Deir ez-Zor. Es ist die letzte, belagerte Bastion der syrischen Regierung und Armee entlang des Euphrates. Deir ez-Zor wird seit nun mehr als 3 Jahren vom IS belagert und ist in zwei Seiten geteilt. Vor dem Krieg hatte der Ort insgesamt 200.000 Einwohner, die heutige Zahl sollte weiterhin bei mindestens 50.000 liegen. Die belagerten Soldaten sind hauptsächlich die Republikanischen Garden unter dem Kommando von Issam Zahreddine.

Irakische Armee erobert syrischen Grenzübergang

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Irakische Streitkräfte erreichten am Samstag die syrisch-irakische Grenze in der Provinz Anbar. Nach kurzen Kämpfen gegen den Islamischen Staat konnte man den gesamten jordanisch-syrisch-irakische Grenzabschnitt absichern, wie das Verteidigungsministerium meldet. Darunter fällt auch der al-Waleed-Grenzübergang in Richtung der syrischen Wüste, wo seit Monaten Kämpfe zwischen der Syrisch-Arabischen Armee und von der USA und Großbritannien aktiv unterstützten FSA-Milizen stattfinden. Bei diesen Kämpfen geht es um den al-Tanf-Grenzübergang auf syrischer Seite, der der syrischen Regierung eine Landverbindung zum Irak (und damit auch zum Iran) ermöglicht.

Die als „New Dawn“ getaufte Operation sahen die irakischen und amerikanischen Luftstreitkräfte, Grenzschützer und sunnitische Stämme der „Volksmobilisierungseinheiten“ (PMU) involviert.

Zweitägige Waffenruhe bei Dara’a

Das syrische Verteidigungsministerium erklärte eine 48-stündige Waffenruhe in der südsyrischen Stadt Dara’a, wo seit Wochen schwere Kämpfe zwischen der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) und oppositionellen Gruppen andauert. Die genaueren Bewegggründe sind unbekannt, oppositionelle Medien bewerten diesen Schritt als Zeichen für die „Stärke der Southern Front“, die die Gegenoffensive der SAA größtenteils aufhalten konnte.

Tahrir al-Sham (ehemals bekannt als Jabhat Fateh al-Sham bzw. Jabhat al-Nusra) startete vor mehreren Monaten in Dara’a mit lokalen FSA-Milizen die sogenannte Operation „Tod oder Demütigung“, welche Eroberungen innerhalb der Stadt zum Ziel sieht. Dafür wurde ein Großangriff auf das südwestlich gelegene al-Manshiya-Viertel gestartet, wobei auch mehrere Selbstmordattentäter und Tunnel genutzt worden, die unter den Gebäuden und Armeepositionen gesprengt wurden. Auf Seiten der Regierung kämpfen mit den neuen Verstärkungen aus Damaskus und Quneitra die Hisbollah al-Nujaba, 9. Division, 15. Division und die 4. Division, die auf urbanen Häuserkampf spezialisiert ist. Bisher gab es langsame Fortschritte im palästinensischen Flüchtlingslager, nach unbestätigten Angaben kontrolliert die Armee 20%-50% des Viertels.

In den Monaten zuvor konnte Tahrir al-Sham immer weiter im westlichen Stadtteil al-Manshiya vordringen und bis zum Ende fast vollständig erobern. Für Dara’a waren solche Gebietsveränderungen unerwartet und erstaunlich, da sich die Frontlinien über die Jahre hinweg kaum verändert haben.

Die sogenannte „Southern Front“ im Süden Syriens ist die inzwischen wohl ruhigste, aktive Front im gesamten Konflikt. Sie ist mehrheitlich von der FSA dominiert, Islamisten erhalten aber immer mehr Zulauf, desto länger ein faktischer Frieden zwischen FSA und der Regierung dort anhält. Seit den äußerst verlustreichen Offensiven im Jahre 2015 in Richtung Quneitra und schweren Kämpfen in der Stadt Sheikh Masheen fehlt er den dortigen Einheiten eigentlich an offensiven Kapazitäten. Dara’a selber ist seit Anbeginn des Krieges in zwei Teile geteilt. Ursprünglich war die gesamte Region Teil der Deeskalationszonen, völlig erloschen sind die Kämpfe jedoch nie.

Syrische Armee erobert weitere Gebiete im Südwesten von Rakka

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Die Syrisch-Arabische Armee (SAA) bzw. die offensive Eliteeinheit der „Tiger Forces“ unter dem Kommando von Suheil al-Hassan konnten im Süden der Provinz Raqqah erneut neue Fortschritte erzielen und dabei mehrere Ölfelder und Dörfer einnehmen. Einerseits drang man am Freitag südlich der Sfaiyeh-Ölfelder vor und eroberte die Dörfer Saharij al-Wahhab, Jubb al-Afabos und Jub Mashrafet Nbaj. Damit nähert man sich den Wahhab-Ölfeldern weiter südlich. Einen Tag zuvor drang man wiederum nördlich vor und eroberte die Thawwar-Öfelder und die dazugehörigen Industrieanlagen südlich von Tabqa. Damit erreichte man auch die Grenzen zur SDF, die Tabqa und kleinere Territorien weiter südlich halten.

Bereits zu Beginn des Jahres 2016 kam es zu dort zu einer gleichen Offensive mit dem Ziel zur Eroberung von Tabqa, wurde aber auf halbem Weg unter anderem aufgrund des erhöhten Widerstandes des Islamischen Staates abgebrochen.

Die dortige Region südlich von Raqqah ist vor allem von Wüsten und kleinen Dörfern geprägt, insofern ist ein schnelles vorschreiten gegen einen geschwächten Islamischen Staat nicht unwahrscheinlich gewesen. Dennoch ist ein derartiger Fortschritt innerhalb derartig kurzer Zeit (und aufgrund eines ziemlichen Medienblackouts) überraschend. Rusafa galt als Etappenziel für die Aufhebung der Belagerung von Deir ez-Zor. Nun ist zu erwarten, dass der restliche IS im Osten der Provinz Hama zusammenbrechen wird und der Weg nach Ostsyrien „offen“ ist.

Die Offensive steht auch mit der Operation „Lavendel“ im Zusammenhang. Diese hat ihren primären Zweck in der Aufhebung der Belagerung von Deir ez-Zor. Es ist die letzte, belagerte Bastion der syrischen Regierung und Armee entlang des Euphrates. Deir ez-Zor wird seit nun mehr als 3 Jahren vom IS belagert und ist in zwei Seiten geteilt. Vor dem Krieg hatte der Ort insgesamt 200.000 Einwohner, die heutige Zahl sollte weiterhin bei mindestens 50.000 liegen. Die belagerten Soldaten sind hauptsächlich die Republikanischen Garden unter dem Kommando von Issam Zahreddine.

IS hält nur noch Altstadt von Mossul

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Veraltete Karte von der Situation in West-Mossul (al-Shaffaa wurde inzwischen erobert)

Die irakische Armee verkündet neue Eroberungen in West-Mossul, darunter die vollständige Kontrolle von al-Shaffaa. Damit hält der IS lediglich die Altstadt im Zentrum von Mossul. Dort befindet sich die prestigeträchtige al-Nuri-Moschee, wo Abu Bakr al-Baghdadi das Kalifat ausgerufen hatte.

In der Nacht zum Freitag konnte man das Viertel und den Krankenhauskomplex al-Shaffaa am Tigris erobern, wodurch auch die letzte („Fünfte Brücke“) unter die Kontrolle der irakischen Regierung fällt, wie Bilder von Soldaten beweisen. Dem vorausgegangen war die Eroberung von Bab Sinjar, einem Viertel weiter südwestlich. Damit bleibt dem Islamischen Staat nur noch die Kontrolle über ein 1,5km² großes Gebiet übrig.

Dafür aber ist es ein besonders harter Kampf: der Islamische Staat barrikadierte sich über die Jahre in den engen Gassen und Häusern der Altstadt ein. Gerüchten zufolge sperrte der IS viele Zivilisten in ihre Häuser ein mit dem Argument, sie „schützen“ zu wollen. Im Endeffekt bedeutet das ein Kampf mit Rücksicht auf Zivilisten, ein Kampf ohne zivile Verluste wird unmöglich sein. Überall sind Scharfschützen postiert. Eine kurze Gegenoffensive mit Autobomben bewies der irakischen Armee, welch Kampfkraft der IS weiterhin besitzt. Von Nachrichtenagenturen des IS wurde sogar eine neue Dokumentation über den Kampf um Mossul angekündigt, die wahrscheinlich in den nächsten Tagen erscheinen wird. Die Produzenten: Ein in der Altstadt belagertes Medienteam des Islamischen Staates.