Syrische Armee erobert 2 Damaszener Viertel

 

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Zwei von der Opposition gehaltene Viertel im Osten der syrischen Hauptstadt konnten am Samstag und den vorherigen Tagen nahezu vollständig erobert werden. So wurde das Viertel Qaboun von der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) unter der Führung der Republikanischen Garde und 4th Division vollständig erobert, derzeit laufen Aufräumarbeiten und Bombenentschärfungen. Die Kämpfe dauerten drei Monate an und waren aufgrund der urbanen Gegebenheiten brutal und langsam fortschreitend. Heute sind weite Teile des Viertel fast vollständig zerstört. Besondere Vorstöße stellten die Offensive auf das zentrale Elektritätswerk und die al-Hassan-Moschee im Norden dar.

Parallel liefen die Verhandlungen im weiter nördlich gelegenen Barzeh-Viertel weiter, die am 8. Mai begonnen haben. Mehrere hundert Kämpfer und deren Familienmitglieder werden wöchentlich in Richtung Idlib evakuiert. Nachdem die Lage durch die Zerstörung von Versorgungstunneln nach Ost-Ghouta sich verschlechtert hat, sah man sich wohl dazu gezwungen einzulenken. Vor einem Monat wurde ein ähnlicher Vertrag abgelehnt.

Israel attackiert erneut Damaszener Flughäfen

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In der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag kam es zu mehreren Luftschlägen auf den Damaszener Flughafen und den weiter westlich gelegenen Mezzeh-Militärflughafen, für die die israelische Luftwaffe verantwortlich zu sein scheint. Dabei soll ein Tankfahrzeug, welches auch für die große und laute Explosion verantwortlich ist, und mehrere Depots zerstört worden sein, die laut israelischen Angaben Waffen und Munition für die Hisbollah bereithielt.

Der Damaszener Flughafen wird sowohl militärisch als auch zivil genutzt, viele Flugzeuge aus dem Iran mit „geheimen“ Truppen und Waffen landen dort, weswegen man dort auch einen Umschlagplatz für die Hisbollah vermutet. Der genau verursachte Schaden ist bisher ungeklärt, angeblich kam es zu keinen Toten und nur zu materiellen Schäden. Anwohner berichteten zuvor von einem lauten Knall um 3:30 Uhr.

Edit: Laut Berichten handelte es sich doch nicht um Luftschläge sondern Raketenangriffe.

Schwere Kämpfe in Damaskus‘ östlichen Vierteln

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Einsatz von Selbstmordattentätern

Verschiedene oppositionelle Gruppierungen wie z.B. Jaysh al-Islam, Tahrir al-Sham, oder Faylaq al-Rahman (FSA) starteten am Sonntag vom Viertel Jobar aus einen Überraschungsangriff auf den Industriepark al-Qaboun mit dem Ziel, die Belagerung der drei, weiter nordwestlich liegenden Viertel aufzuheben. Diese Viertel sind allesamt seit 2013 vollständig belagert. Seit einigen Wochen begann die Syrisch-Arabische Armee unter dem Kommando der 4th Division, alle Viertel in und um Damaskus (bzw. Rif Dimashq) zu erobern. Als Reaktion auf diesen zunehmenden Druck startete man nun diese Gegenoffensive im Süden, um vor allem die aktive Front im Norden zu entlasten. Hauptaustragungsort dafür ist der dortige Industriepark.

Die Offensive begann mit dem Einsatz von zwei Selbstmordattentätern, die sich in einer Autobombe selbst entzündeten. Kämpfe begannen im gesamten Bezirk, besonders schwer aber sind die Gefechte um die dortige Busstation, die Umgebungen wie z.B. der al-Abbayaseen-Platz wurden zum Schutz von Zivilisten geräumt. Dennoch schlagen immer wieder Granaten in den dortigen Wohnungen ein. Auf der anderen Seite gibt es intensive Luftschläge der russischen und syrischen Luftwaffe. Wage Schätzungen der Toten sprechen von ~70 auf Seiten der Armee und ~90 auf Seiten der oppositionellen Milizen, die Angaben befinden sich also sehr nahe.  Nach ewigem hin und her scheinen sich die Frontlinien aber stabilisiert zu haben, es kam zu keinen besonderen Territorialveränderungen und die Belagerung der drei Viertel ist weiterhin in Kraft. Am Dienstag verlautbarte die Opposition „Phase 3“, die das gleiche Ziel wie die vorherigen „Phasen“ hatte. Ein Indikator dafür, dass alle primären Ziele nicht erreicht wurden.

Ein Ende der Kämpfe sind dennoch nicht in Sicht, während die belagerte Opposition seine Kampfkraft immer weiter aufreibt und schlecht ersetzen kann, zieht die Armee Einheiten aus Ost-Ghouta und Palmyra zusammen.

2 Terroranschläge erschüttern Damaskus zum 6. Jahrestag der Revolution

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Justizpalast

In Damaskus kam es in den vorherigen Stunden zu zwei Terroranschlägen, die Dutzenden Menschen bisher das Leben kostete. Ein Anschlag ereignete sich vor dem „Justizpalast“ westlich von der Altstadt, wo es bisher zu mindestens 31 getöteten Zivilisten kam. Weitere 80 wurden verletzt. Wenig später kam es in einem Restaurant im Zentrum der Stadt ebenfalls zu einem Anschlag, nähere Angaben existieren noch nicht. Weitere unbestätigte Berichte erzählen ebenfalls von einer dritten Bombe an der sogenannten Präsidentenbrücke, die aber entschärft wurden konnte. Die Terrorangriffe ereignen sich am 6. Jahrestag der sogenannten Syrischen Revolution, ein Zusammenhang wird in dem Kontext nicht unwahrscheinlich sein. Drei Tage zuvor kam es im Viertel Sayyidah Zainab zu einem Terroranschlag auf einen schiitischen Schrein. Die Anzahl und Frequenz der Angriffe ist außergewöhnlich für die syrische Haupstadt, welche in der Vergangenheit sich als relativ sicher erwiesen hat.

 

Verhandlungsführer von Islamisten umgebracht

In Wadi Barada im Westen der Provinz Rif Dimashq ereignete sich ein Ereignis, welches den Friedensprozess schlagartig stoppen könnte: Der ehemalige syrische General und heutiger Koordinator für einen Frieden Ahmad Ghadban in Wadi Barada wurde von Islamisten ermordet.

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Ahmad Ghadban

Ahmad Ghadban stammte aus Ain al-Fajieh, einem der Orte, die sich derzeit unter der Kontrolle von oppositionellen Kämpfern befindet und die gleichnamige Wasserquelle besitzt, die in Damaskus & Umgebung 4-6 Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgt. Er und seine Familie sind in der Region respektiert, nachdem man bis 2004 eine erfolgreiche militärische Karriere hinlegte und danach staatliche Aufgaben als Mitglied der Ba’ath-Partei übernahm. Aufgrund der Reputation auf beiden Seiten wurde er zum Chefkoordinator für die dort neu initiierte Waffenruhe ernannt, für die er sich auch besonders einsetzte. Teil dieser Waffenruhe ist auch die Reparatur der Wasserquelle durch Reparaturteams, die aber nach der Ermordung Ahmads zurückgezogen wurden.

Laut einigen Quellen soll der Attentäter Verbindungen zu Jabhat Fateh al-Sham aufweisen, der mehrmals auf sein Auto geschossen hatte. Der syrische Energieminister war zu dem Zeitpunkt auch präsent. Der Angreifer soll festgenommen worden sein. Die Opposition behauptet hingegen, dass Ahmad von der Hisbollah umgebracht wurde.

Anschlag in Damaskus, 7 Tote

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Schäden an einem Auto nach dem Anschlag

Im Viertel Kafrsuseh in der syrischen Hauptstadt Damaskus kam es vor wenigen Minuten zu einem Selbstmordanschlag, welcher nach momentanen Stand etwa 7 Zivilisten das Leben gekostet hatte (manche Quellen sprechen auch „nur“ von 4 Toten). Weitere 10 Menschen sollen verletzt sein. Der Attentäter soll sich mit einem explosiven Gurt in die Luft gesprengt haben, nachdem er erfolglos versuchte, das Andalus-Krankenhaus zu betreten.

Edit: Angeblich gab es auch einen zweiten Selbstmordattentäter, über den Erfolg seines versuchten Anschlages ist nichts bekannt. Die Zahl an Toten ist inzwischen auf 10 angestiegen. Außerdem führten die Terroristen noch Schießereien mit Streitkräften und Polizisten, bevor sie sich in die Luft jagten. Laut unbestätigten Berichten gab es insgesamt sogar 5 Kämpfer, wovon 1 erschossen wurde und 3 weitere fliehen konnten.

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Einer der Toten ist NDF-Mitglied Haitham Ismail

Wasserversorgung für 4 Millionen Menschen in Damaskus vorzeitig gesichert

Nachdem Kämpfe im Westen der syrischen Hauptstadt Damaskus für fast einen Monat angedauert haben, scheint man am 11. Januar eine Vereinbarung zwischen oppositionellen Kämpfern und der syrischen Regierung geschlossen zu haben, die u.a. eine Rehabilitierung von verschiedenen Kämpfern und die Reparatur verschiedener Wasserquellen vorsieht, die Damaskus und Teile des umliegenden Rif Dimashq mit Trinkwasser versorgt. Seit der Eskalation der Kämpfe wurde die Wasserversorgung beendet, wovon laut der UN mindestens 4 Millionen Menschen betroffen sind. Einige Quellen behaupten auch, dass es insgesamt 6 Millionen Betroffene gibt. Die Preise für Wasser sollen vervielfacht haben, was vor 3 Wochen noch umgerechnet 1 Dollar kostete, kostet heute 25 Dollar. Es existiert ein regelrechter Schwarzmarkt für sauberes Trinkwasser.

Die Kämpfe begannen in und um Wadi Barada kurz vor Weihnachten, als allgemeiner Grund gilt die Vergiftung der Wasserquellen al-Barada und al-Fajeh mit Diesel und weiteren fossilen Brennstoffen, während dies in den letzten Jahren seit 2012 durchaus öfters vorgekommen ist, ist der genaue Anlass unbekannt. Pro-oppositionelle Medien sagen, dies wäre eine Reaktion auf die Offensive in dem Gebiet gewesen, nachdem die Syrisch-Arabische Armee (SAA) mit ihren Verbündeten in dem ganzen Gebiet um Damaskus versuchte, die letzten Exklaven der Opposition zu erobern und bei diesem Vorhaben ziemlich erfolgreich sind.

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Bild zeigt Fateh al-Sham in Wadi Barada

 

Weitere Vorwürfe kamen aufgrund des Zeitpunktes auf: Es gibt eine türkisch-russisch initiierte Waffenruhe in Syrien, wobei als einzig relevante Fraktion Jabhat Fateh al-Sham ausgenommen ist. Diese Gruppe hat aber eine (kleine) Präsenz in Wadi Barada, weitere Gruppen dort sind z.B.  Liwa Abdaal Al Sham, Joint Defense Alliance, oder Bin Laden Azamaat. Auf der Seite der Regierung kämpfen im Gegensatz dazu primär die SAA, die Hisbollah aufgrund der geografischen Nähe zum libanesischen Grenzen und weitere syrische Milizen wie z.B. Qalamoun Shield.

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Ungefähre militärische Situation in Wadi Barada

Die militärische Widerstand war unerwartet stark, das ist vor allem auf das gebirgige Terrain zurückzuführen. Dennoch konnte man in relativ kurzer Zeit Teile des Dorfes Ain al-Fajieh erobern, welches laut dem Roten Halbmond eine Evakuierung von 1.300 Zivilisten ermöglichte. Insgesamt sollen sich maximal noch 10.000 Menschen in den umkämpften Gebieten befinden.

Die neu verhandelte Vereinbarung sieht eine sofortige Waffenruhe vor, wodurch die Möglichkeit gegeben wird, die Wasserquellen und -kraftwerke von Ingenieuren der syrischen Regierung zu reparieren. Außerdem wird erneut die Generalamnestie für militärische Kräfte bekräftigt und langfristig werden Kämpfer nach Idlib evakuiert, falls die Waffenruhe hält. Dies ist der zweite Versuch einer Waffenruhe, nachdem der erste Versuch durch radikale Kräfte dort gestoppt wurde. Laut dem Verhandlungsführer in Wadi Barada Ali Mohamad Yusuf sollen bereits 500 Menschen (darunter 60 Kämpfer) einen nötigen Vertrag unterschrieben haben, die eine zivile Evakuierung und Versorgung gewährleistet.

Man müsse dennoch abwarten, ob dieser zweite Versuch einer Waffenruhe mittel- und langfristig erfolgreich sein wird.