Islamischer Staat beschließt Zwangsrekrutierung

Der Islamische Staat rief letzten Donnerstag zu einer Mobilmachung aller 20- bis 30-jährigen Männer auf. Diese Zwangsrekrutierung beschränkt sich derzeit nur auf die ostsyrische Provinz Deir ez-Zor, wo die Syrisch-Arabische Armee und verbündete Milizen kontinuierlich an Boden gewonnen haben und die Provinz erstmals seit 2014 wieder erreichten (mit der Ausnahme des belagerten Deir ez-Zor).

Sie sollen sich binnen einer Woche in Mobilmachungsbüros melden, wie es in den veröffentlichten Papieren heißt. Es erwähnte ebenfalls explizit den Kampf gegen das „Nusayri-Regime“, also gegen die syrische Regierung. Sollte man der Rekrutierung nicht nachkommen bedeutet das die Bestrafung durch Ta’zir, ein Strafbestand der sich gegen die „Gerichte und/oder Herrscher des Landes“ richtet und nur relativ leicht bestraft wird. Danach sollen sie zwangsrekrutiert werden.

Diese Entscheidung zeigt die militärisch schlechte Position des IS, denn Zwangsrekrutierungen und Mobilisierungen werden der Moral der Kämpfer schaden und vor allem Syrer und Iraker werden sich umso mehr darum bemühen, aus dem Territorium des Islamischen Staates zu fliehen bzw. im nächstbesten Moment zu desertieren. Für die syrische Regierung war das in der Vergangenheit bereits in enormes Problem. Interessant ist aber auch, dass die Regierung explizit erwähnt und das zeigt, dass es sich derzeit um den gefährlichsten Gegner für den IS in Syrien handelt.

Syrische Armee bereitet sich auf eine Großoffensive gegen den IS vor

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In den vergangenen Tagen kam es zu mehreren Truppenbewegungen der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) in Syrien, die für eine Offensive gegen den Islamischen Staat im Westen des Landes spricht. So konzentrierten sich vermehrt elitäre und offensive Einheiten in der Region um Ost-Homs und Palmyra/Tadmur, direkte und aktive Grenzgebiete gegen den IS in Syrien. Das neu aufgestellte und von Russland massiv unterstützte 5th Army Corps, die Tiger Forces unter der Führung von Suheil al-Hassan, die Republikanischen Garden, die syrischen Milizen Suqur al-Sahara, Homeland Shield Battalion, al-Jilabawi Brigade und Qalamoun Shield werden bisher bestätigt an dieser Operation teilnehmen. Hinzu kommen sicherlich noch verschiedene Stammesmilizen aus der Gegend, z.B. die Stämme Shaytat und Baqqara, die bei Palmyra präsent sind.

Den Gerüchten zufolge als „Operation Lavendel“ getaufte Mission (benannt nach Ali Khuzam (arabisch für Lavendel), der in Deir ez-Zor im Kampf 2012 gestorben ist) hat ihren primären Zweck in der Aufhebung der Belagerung von Deir ez-Zor. Es ist die letzte, belagerte Bastion der syrischen Regierung und Armee entlang des Euphrates. Deir ez-Zor wird seit nun mehr als 3 Jahren vom IS belagert und ist in zwei Seiten geteilt. Vor dem Krieg hatte der Ort insgesamt 200.000 Einwohner, die heutige Zahl sollte weiterhin bei mindestens 50.000 liegen. Die belagerten Soldaten sind hauptsächlich die Republikanischen Garden unter dem Kommando von Issam Zahreddine, einem engen Freund von Ali Khuzam.

Um Deir ez-Zor zu erreichen muss ein großer Teil Syriens durchquert werden, um genau zu sein etwa 170km von Palmyra aus. Entlang des M20-Highways liegt nur die kleinere Stadt al-Suknah, der Rest ist unbewohnte Wüste. Eine ähnliche Operation gab es vor einem Jahr in Richtung Tabqa, wurde aber nur halbherzig umgesetzt und auf halber Strecke aufgegeben, da man sich doch auf Aleppo konzentrieren wollte. Parallel werden auch Kämpfe im gebirgigen Territorium von Ost-Homs stattfinden, da von dort aus die Nachschubwege nach Palmyra durch Überfälle bedroht werden könnten.

Der Erfolg der Offensive ist in erster Linie von den neuen „Deeskalationsgebieten“ geprägt, auf die sich der Iran, Russland und die Türkei geeinigt haben und faktisch eine einfache Waffenruhe darstellt. Diese Zonen erstrecken sich in erster Linie über Hauptkampfgebiete, so z.B. Idlib, Hama, oder Ost-Ghouta. Wird die Opposition die Füße stillhalten und nicht mitten in der Operation der Armee „in den Rücken“ fallen, so kann man sicherlich von einer erfolgreichen Chance ausgehen. Vor allem da die Operation sich auf dem Niveau der letzten Aleppo-Offensive stand, was es dem qualitativen Personal anging. Wird die Waffenruhe durch eine, oder beide Seiten brüchig sieht es anders aus, gerade die Zeit könnte davonlaufen und man muss die Kräfte andersweitig konzentrieren bzw. aufteilen.

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Denn es handelt sich auch um einen Kampf um den Einfluss im östlichen Syrien, der nach zu langer Zeit verloren werden könnte. Die von der USA unterstützte SDF nähert sich unbeirrt Raqqah und in Richtung Süden des Euphrates. Im Worst-Case-Szenario könnten sie die vollständige Grenze zum Irak einnehmen, gerade wenn man noch vereinzelte Oppositionseinheiten hinzuzieht, die sich südlich entlang der syrischen Wüste sich dem Euphrat nähern und ebenso von der USA unterstützt werden. Das würde die Landverbindung zwischen dem Libanon und dem Iran bzw. dem „schiitischen Halbmond“ verhindern, vor dem sich sunnitische Regionalmächte fürchten. Außerdem beanspruchte der Islamische Staat bereits Deir ez-Zor bereits in letzter Zeit als neue Hauptstadt, die dort vorkommenden Kämpfe könnten sich erneut intensivieren. Die Exklave der Armee dort wurde über die letzten drei Jahre zunehmend kleiner, trotz vermehrter Ressourcen wird man dort nicht unendlich lange aushalten können.

Situationsupdate für Aleppo, Palmyra & Deir ez-Zor

Ost-Aleppo

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Die von der Syrisch-Arabischen Armee unter dem Kommando der offensiven Eliteeinheit „Tiger Forces“ initiierte Offensive gegen Daesh im Osten der Provinz Aleppo konnte am 2. Tag erneut kleine Erfolge vermelden: Die Dörfer Afrin und al-Shahroor konnten erobert werden. Aufgrund der doch durchaus niedrigen Geschwindigkeit der Offensive bei sehr niedrigen Widerstand könnte es sich zuvor auch nur um eine „Frontbegradigung“ des dortigen Territoriums handeln, wobei wiederum dann nicht die Tiger Forces eingesetzt werden müssten.

Am 19. Januar kam zum momentanen Zeitpunkt zumindest ein weiteres Dorf hinzu: al-Bahralhin. Zurzeit finden Kämpfe bei Suran weiter nördlich statt, welches wohl ebenfalls in den nächsten Stunden fallen wird. Beide Orte sind fast 15km von al-Bab entfernt, welches aber wohl nicht dem primären Ziel der Offensive gilt.

Am 20. Januar kam ebenfalls Shamer westlich von Suran dazu, gefolgt von Marran, Sarjah Saghirah und Sarjah Kabirah.

Inzwischen wurden in der Provinz Aleppo auch verbündete Luftschläge zwischen der syrischen Regierung, der Türkei und Russland beschlossen, die Daesh in der Umgebung um al-Bab ins Visier nehmen sollen. Damit sind es die ersten Luftschläge Syriens und Russlands in der Umgebung von al-Bab seit Anbeginn der türkisch-oppositionellen Operation „Euphrates Shield“, wo oppositionelle Einheiten ebenfalls mit Helikoptern und Jets angegriffen wurden mit dem Ziel, weitere Übergriffe auf das Territorium der Kurden/SDF zu verhindern. Kurzzeitig drohte das syrische Verteidigungsministerium auch damit, türkische Jets abzuschießen sollten sie weiterhin syrischen Luftraum verletzen.

Süd-Aleppo

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In Ost-Khanasser wird ebenfalls eine weitere Front gegen Daesh geöffnet, die verstärkten Druck ausüben soll. Dort wurden die Dörfer Sirdah, Shuraymah, Rasem, Askar, Masudiyah, Atshanah, Jadeda und Mayal erobert. Die Straße zwischen al-Safira und Ithriya ist die einzige Landverbindung zwischen der von der syrischen Regierung gehaltenen Teils Aleppos und dem Rest Syriens. Dementsprechend war die Straße öfters Überfällen ausgesetzt gewesen, sei es von Daesh oder oppositionellen Kämpfern. In einem Fall verbündeten sich sogar Jund al-Aqsa mit Daesh, um die Straße zu sperren. Der Erfolg von solchen Operationen war immer sehr kurzfristig. Angeführt wird die Offensive von der sunnitischen Miliz Liwa Imam Baqir, nicht zu verwechseln mit einer gleichnamigen schiitischen Brigade.

Palmyra

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Die Syrisch-Arabische Armee mit ihren verschiedenen verbündeten Milizen der NDF, Qalamoun Shield, Leopard Homs usw. konnte kleine und sichere Fortschritte in Richtung von Tadmur/Palmyra verzeichnen, auch wenn eine erwartete Großoffensive ausblieb. Man konnte vor allem das Gebiet um die T4-Luftbasis befreien und damit eine mögliche Eroberung der Basis unmöglich machen. Dazu wurde die Tiyas-Kreuzung im Süden und die Jihar-Kreuzung im Osten erobert. Damit befindet man sich fast 40km von Palmyra entfernt. Auch auf der dortigen Front wird durchaus Druck ausgeübt, damit man in Deir ez-Zor ausgelastet ist.

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Außerdem zeigen Satellitenbilder, dass Daesh nun auch versucht weitere antike Bauten in Palmyra zu beschädigen, wenn nicht gar zu zerstören. Dabei wurden mehrere Schäden im Amphitheater und Tetrapylon gefunden. Möglicherweise sind diese Schäden aber auch durch die Kämpfe zuvor entstanden, auch wenn diese nicht allzu intensiv waren.

Deir ez-Zor

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Die Situation in Deir ez-Zor ist unverändert undurchschaubar. Während verschiedene Pro-Regierungsmedien behaupten, man hielte noch in der Stadt einen schmalen Streifen entlang der Arbeiterviertel und al-Arbi, sehen Andere die Verbindung zwischen den Flughafen und dem Rest durchschniten. Nichtsdestotrotz halten weiterhin intensive Kämpfe im ganzen Kessel an, auch wenn nicht in einer solchen Intensität wie zu Beginn der Offensive.

Am Anfang konnten nach verschiedenen Berichten rund ~200 Elitekämpfer der Armee auf dem Flughafen mithilfe von Helikoptern abgesetzt werden, der Flughafen insofern durchaus weiterhin nutzbar ist. Große Teile der Bevölkerung wurden zwangsbewaffnet (darunter auch eine große Menge an Frauen), Männer die sich gegen die Zwangsrekrutierung in die Armee weigerten wurden verhaftet.

Große territoriale Veränderungen gab es jedoch insgesamt nicht, die stärksten Kämpfe finden derzeit auf dem Friedhof statt, die syrische und russische Luftwaffe unterstützt diese Fortschritte ununterbrochen seit Tagen mit Luftschlägen. Das derzeitige Wetter erschwert diese Unterstützung aber. Weitere Kämpfe finden um den gesamten Flughafen, an einem Kreisverkehr vor der Stadt, nahe der Universität in der Stadt und an der Militärbasis der 137. Brigade südwestlich von Deir ez-Zor statt.

 

Lage in Deir ez-Zor äußerst kritisch

Die militärische Situation hat sich im Vergleich zum vorherigen Tag wesentlich verschlechtert, nachdem die Großoffensive von Daesh weiter im belagerten Deir ez-Zor andauert.

Daesh hatte es in den darauffolgenden Nächten an Kämpfen geschafft, den belagerten Kessel vollständig zu teilen und den Flughafen als einzigen Nachschubweg für die Armee und zehntausende Einwohner vom Rest zu isolieren. Eingenommen wurden angeblich bisher der Friedhof, die Busstation und das Viertel al-Nafri, zwei „Arbeiterviertel“, Jiraya und Wadi al-Nishan. Außerdem wurden weite Teile des Turdah-Gebirge erobert, welches vor wenigen Monaten Opfer eines Luftschlages der „Internationalen Anti-IS-Koalition“ wurde und 100 Soldaten der Syrisch-Arabischen Armee das Leben kostete. Die Kämpfe dauern vor allem in der Innenstadt bei der Universität von Deir ez-Zor an. Durch die dominierende Position des Islamischen Staates um den Flughafen können weder Flugzeuge noch Helikopter dort landen ohne das Risiko, abgeschossen zu werden.

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Als Reaktion brachen auch einige internationale Hilfsorganisationen die Lieferung von Lebensmitteln etc. nach Deir ez-Zor ab, welches der Zivilbevölkerung nochmals Probleme bereitet. Nach Schätzungen sind zwischen 50.000-120.000 Zivilisten noch vor Ort, ohne eine Hoffnung auf Rettung. Weitere 4.000 Soldaten sollen dort aktiv sein, darunter große Teile der syrischen Eliteeinheit der Republican Guards unter dem Kommando des drusischen Issam Zahreddine. Der für die dortige Front zuständige Generalmajor Mohammed Samra wurde heute von Daesh ermordet. Laut dem dortigen Gouverneur gibt es nur noch ein (al-Assad-)Krankenhaus, in dem weiterhin unermüdlich 13 Ärzte arbeiten. Rund 50 Zivilisten wurden bisher getötet.

Die Situation scheint sich derzeit nicht zu drehen, trotz enormer Unterstützung der russischen und syrischen Luftwaffe ist die Lage kritisch. Die Syrisch-Arabische Armee versucht momentan mit einer Gegenoffensive sich wieder mit der einzigen Lebensader, dem Flughafen, zu verbinden. Das Ergebnis bleibt abzuwarten.

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Deir ez-Zor unter Druck

Die letzte, belagerte Bastion der syrischen Regierung und Armee entlang des Euphrates fiel in den letzten Tagen unter Druck, nachdem Daesh eine neue Großoffensive gestern gestartet hatte. Deir ez-Zor wird seit nun mehr als 2 Jahren von Daesh belagert und ist in zwei Seiten geteilt. Vor dem Krieg hatte der Ort insgesamt 200.000 Einwohner, die heutige Zahl sollte weiterhin bei mindestens 50.000 liegen.

Daesh startete zunächst vom Osten und Norden aus eine Offensive auf die Territorien der SAA & ihren Verbündeten (u.a. verschiedene Hisbollah-Milizen) mit dem Ziel, den Nachschubweg zum Flughafen zu erobern. Der Flughafen in Deir ez-Zor ist die letzte Lebensader für die dort ausharrende Armee und zehntausende Einwohner, eine Eroberung des Flughafens könnte ein Massaker bedeuten, da alle Menschen dort keine Möglichkeit zu Flucht haben und die nächsten Positionen der Armee über 200km Wüste entfernt sind.

Es gibt widersprüchliche Angaben über den Erfolg der Operation: Während man allgemein der Ansicht ist, dass Daesh für wenige Stunden den Nachschubweg kappte, ist die genaue Situation unklar. Einige Quellen wie die Daesh-Nachrichtenagentur AMAQ berichten darüber, wie man z.B. das Workers‘ housing District, Tell Brok, oder Teile des Flughafens erobert hat. Das konnte bisher aber nicht verifiziereren, die Armee sagt hingegen wie man alle Angriffe bisher abwehren konnte und weiterhin abwehrt.

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Pro-Oppositionelle Karte der Situation in Deir ez-Zor

BREAKING: USA bombardiert Regierungsstellungen, unterstützen IS-Offensive

Vor wenigen Minuten griff die USA mithilfe von Luftschlägen Positionen der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) in der belagerten Stadt Deir ez-Zor an, eine rund 200.000 Einwohner große Exklave im Osten des Landes. Die Luftschläge traf Stellungen in Jabal Thirdeh, ein Berg der den dortigen Flughafen als einzige Versorgungsroute überblickt.

Berichten zufolge sollen mehrere Soldaten dabei gestorben sein (Schwankungen zwischen 30-60 Soldaten momentan), während sie eine Offensive des Islamischen Staates auf die Positionen abgewehrt hatte. Inwiefern die Luftschläge der Offensive geholfen haben ist derzeit unklar, es gibt Berichte von der vollständigen Eroberung des Berges (& Tell Kroum) durch Daesh bis hin zur vollständigen Rückeroberung aller kurzzeitig verlorenen Punkte durch die SAA.

Die rund 160km von Palmyra/Tadmur entfernte Bastion der Regierung hat sowohl für Daesh als auch für die Regierung eine enorme Bedeutung. Dementsprechend sind dort zum großen Teile Eliteeinheiten der Republikanischen Garden unter ihrem Anführer Zahreddine positioniert. Ebenfalls soll es neuerdings kleinere Sektionen der Hisbollah und weiterer schiitischer Milizen dort geben.

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Situation in Deir ez-Zor (Thardi südöstlich)